Diagnose und Behebung von Riemenversatz bei Förderanlagen: Eine technische Anleitung

Technical analysis: Troubleshooting belt conveyor mistracking: root cause analysis from loading, splicing, pulley alignm

1. Problembeschreibung & Anwendungsbereich

Dieser Leitfaden dient der systematischen Diagnose und Behebung von Riemenversatz (Mistracking) in industriellen Gurtförderanlagen. Riemenversatz ist ein kritisches Problem, das zu einseitigem Verschleiß des Fördergurtes, Beschädigung von Tragrollen und Trommeln, Materialverschüttung und im schlimmsten Fall zu Produktionsstillstand führen kann. Die hier beschriebenen Verfahren sind anwendbar auf eine Vielzahl von Gurtfördereranlagen in den Bereichen Automobilbau, Lebensmittelverarbeitung, Chemie, Energieerzeugung und allgemeinem Maschinenbau.

Schweregradklassifikation des Riemenversatzes:

  • Kritisch: Der Riemen läuft permanent gegen die Rahmenstruktur, droht von der Anlage zu fallen oder verursacht sofortige Produktionsunterbrechungen. Erfordert sofortiges Handeln.
  • Gravierend: Deutlicher, konsistenter Riemenversatz, der zu erhöhtem Verschleiß an Riemen und Komponenten führt, Materialverschüttung verursacht und die Anlagenverfügbarkeit mindert.
  • Geringfügig: Sporadischer oder minimaler Riemenversatz, der jedoch bei Nichtbeachtung zu gravierenden Problemen eskalieren kann.

2. Sicherheitshinweise

Sicherheitskritisch: Vor Beginn jeglicher Inspektions-, Wartungs- oder Reparaturarbeiten an Förderanlagen sind zwingend alle relevanten Sicherheitsvorschriften zu beachten. Lebensgefahr durch rotierende Teile, Quetsch- und Scherstellen, sowie elektrische Energie.

  • ARBEITSSICHERUNG (LOTO): Die Förderanlage ist gemäß DIN EN 1037 (Sicherheit von Maschinen – Vermeidung des unerwarteten Anlaufs) vollständig spannungsfrei zu schalten, gegen Wiedereinschalten zu sichern (Lockout/Tagout) und auf Energiefreiheit zu prüfen. Dies gilt auch für pneumatische und hydraulische Restenergien.
  • PERSÖNLICHE SCHUTZAUSRÜSTUNG (PSA): Stets geeignete PSA tragen: Schutzhelm (DIN EN 397), Schutzbrille (DIN EN 166), Sicherheitshandschuhe (DIN EN 388), Sicherheitsschuhe (DIN EN ISO 20345) und ggf. Gehörschutz (DIN EN 352).
  • GEFAHRENBEREICHE: Bereiche unter angehobenen oder gespannten Riemen sind zu meiden. Vorsicht vor Materialansammlungen, die beim Anlaufen der Anlage weggeschleudert werden könnten.

3. Benötigte Diagnosetools

Die präzise Fehlersuche erfordert den Einsatz spezifischer Mess- und Prüfgeräte.

Werkzeug Spezifikation / Modell Messbereich Zweck
Laser-Ausrichtgerät Messgenauigkeit < 0,1 mm/m Bis zu 30 m Präzise Ausrichtung von Trommeln und Tragrollen, Ermittlung von Fehlausrichtungen des Rahmens.
Riemenspannungsmessgerät Elektronisch (z.B. Schallmessung) oder mechanisch 50 – 3000 N Ermittlung der tatsächlichen Riemenspannung und Vergleich mit Herstellervorgaben.
Infrarot-Thermometer / Wärmebildkamera Messbereich -20 °C bis 500 °C, Emissionsgrad einstellbar Flächenerfassung oder Punktmessung Erkennung von überhitzten Lagern, Rollen oder Antriebskomponenten.
Vibrationsmessgerät Messung von Schwinggeschwindigkeit (mm/s), -weg (µm), -beschleunigung (g) 10 Hz – 10 kHz Diagnose von Unwucht, Lagerschäden oder Strukturschäden an Rollen und Rahmen.
Digitaler Winkelmesser Messgenauigkeit ±0,1° 0 – 360° Überprüfung der Winkel von Tragrollen und Rahmenkomponenten.
Maßband / Laser-Entfernungsmesser Messgenauigkeit ±1 mm Bis zu 50 m Vermessung von Abständen, Breiten und Planarität.
Drehmomentschlüssel Bereich 10 – 200 Nm, kalibriert Sicherung von Schraubverbindungen gemäß Herstellervorgaben (DIN EN ISO 898-1).

4. Checkliste zur Erstbeurteilung

Bevor mit der eigentlichen Diagnose begonnen wird, ist eine umfassende Erfassung der Rahmenbedingungen essentiell.

Beurteilungspunkt Beschreibung / Beobachtung Bemerkungen
Betriebszustand
  • Fördermenge (t/h) und Materialart
  • Riemengeschwindigkeit (m/s)
  • Umgebungstemperatur (°C) und Luftfeuchtigkeit (%)
  • Ist der Riemenversatz konstant oder sporadisch?
  • Tritt der Versatz unter Last oder im Leerlauf auf?
Diese Daten geben Hinweise auf potentielle Last- oder Materialeinflüsse.
Letzte Wartung/Änderungen
  • Wann wurde der Riemen zuletzt gespleißt/ersetzt?
  • Wann wurden Trommeln/Rollen zuletzt gewechselt oder ausgerichtet?
  • Gab es kürzlich Änderungen an der Anlagenstruktur oder der Materialzuführung?
Kürzliche Änderungen sind oft eine direkte Ursache für neue Probleme.
Alarmhistorie
  • Existieren frühere Alarme bezüglich Riemenversatz oder Komponentenausfall?
  • Welche Art von Alarm (mechanisch, elektrisch)?
Wiederkehrende Alarme weisen auf systemische Probleme hin.
Sichtprüfung (stillstand)
  • Beschädigungen oder starker Verschleiß am Riemenrand?
  • Anhaftungen an Tragrollen, Umlenkrollen oder Trommeln?
  • Sichtbare Verformungen am Rahmen oder den Rollenhaltern?
  • Korrosion oder Materialansammlungen unter dem Riemen?
Gibt erste Hinweise auf mechanische Probleme oder Verschmutzung.
Akustische & sensorische Prüfung (Betrieb, wenn sicher)
  • Ungewöhnliche Geräusche (Quietschen, Schleifen, Klopfen)?
  • Erhöhte Vibrationen am Rahmen oder den Rollenstationen?
  • Ungewöhnliche Gerüche (verbrannter Gummi, überhitztes Öl)?
Hinweise auf Reibung, Lagerschäden oder Überlastung.

5. Systematischer Diagnose-Flussplan

Dieser Entscheidungsbaum leitet den Techniker durch die Fehlersuche bei Riemenversatz. Beginnen Sie stets am Startpunkt und folgen Sie den Verzweigungen.

  1. Riemenversatz festgestellt?
    • JA: Fahren Sie fort mit Schritt 2.
    • NEIN: Problem existiert nicht oder ist behoben. Überwachung fortsetzen.
  2. Sichtprüfung des Riemens im Stillstand (LOTO beachten!):
    1. Beschädigungen am Riemenrand oder deutlicher, ungleichmäßiger Verschleiß?
      (DIN 22101):

      • JA: Wahrscheinliche Ursache: Mechanische Beschädigung, ungenügende Ausrichtung oder übermäßiger Kontakt mit der Rahmenstruktur. Weiter zu Schritt 3.
      • NEIN: Weiter zu Schritt 4.
    2. Gibt es sichtbare Anhaftungen von Material auf der Riemenoberfläche oder an Trommeln/Rollen?
      • JA: Wahrscheinliche Ursache: Ineffektive Riemenreinigung oder Materialverklebung. Weiter zu Schritt 5.
      • NEIN: Weiter zu Schritt 6.
  3. Prüfung der Riemenspannung (Herstellervorgaben beachten!):
    1. Riemenspannung mit Messgerät prüfen. Entspricht sie den Vorgaben?
      • NEIN (zu niedrig oder zu hoch): Wahrscheinliche Ursache: Inkorrekte Riemenspannung. Weiter zu Schritt 7.
      • JA: Weiter zu Schritt 8.
  4. Ausrichtung von Trommeln und Tragrollen (LOTO beachten!):
    1. Mit Laser-Ausrichtgerät Trommeln und mind. 3-5 Tragrollenstationen (insbesondere im Bereich des Versatzes) auf Parallelität und Winkelabweichungen prüfen (Toleranz < 0,5 mm/m)?
      • NEIN: Wahrscheinliche Ursache: Trommel- oder Tragrollen-Fehlausrichtung. Weiter zu Schritt 9.
      • JA: Weiter zu Schritt 10.
    2. Sind die Tragrollen frei drehbar und unbeschädigt?
      • NEIN: Wahrscheinliche Ursache: Defekte oder blockierte Tragrollen. Weiter zu Schritt 11.
      • JA: Weiter zu Schritt 12.
  5. Inspektion des Förderer-Rahmens und Fundaments:
    1. Sichtbare Verformungen, Risse oder Setzungen am Rahmen oder Fundament?
      (VDI 2206):

      • JA: Wahrscheinliche Ursache: Strukturelle Probleme des Rahmens/Fundaments. Weiter zu Schritt 13.
      • NEIN: Weiter zu Schritt 14.
  6. Prüfung der Materialzuführung:
    1. Ist die Materialzuführung mittig und gleichmäßig auf den Riemen?
      (Beobachtung im Betrieb, wenn sicher):

      • NEIN (einseitige oder ungleichmäßige Beladung): Wahrscheinliche Ursache: Falsche Lastaufnahme. Weiter zu Schritt 15.
      • JA: Weiter zu Schritt 16.
  7. Riemenspleiß-Qualität prüfen (LOTO beachten!):
    1. Gibt es sichtbare Mängel am Spleiß (ungleiche Stärken, Risse, unsaubere Kanten)?
      • JA: Wahrscheinliche Ursache: Mangelhafter Riemenspleiß. Weiter zu Schritt 17.
      • NEIN: Weiter zu Schritt 18.
  8. Weitergehende Diagnose: Wenn alle obigen Prüfungen keine eindeutige Ursache ergeben haben, ist eine detailliertere Analyse mit Vibrationsmessungen (Unwucht) und thermischen Analysen (Lagerüberhitzung) erforderlich. Konsultieren Sie einen Spezialisten.

6. Fehler-Ursachen-Matrix

Diese Matrix stellt die häufigsten Symptome, wahrscheinlichen Ursachen und Prüfmethoden dar, geordnet nach Wahrscheinlichkeit.

Symptom Wahrscheinliche Ursache (Rang nach Häufigkeit) Diagnosetest Erwartetes Ergebnis bei Bestätigung der Ursache
Riemen läuft immer zu einer Seite 1. Fehlausrichtung von Trommeln oder Tragrollen Laser-Ausrichtgerät (DIN ISO 1940-1) Parallelitätsabweichung > 0,5 mm/m oder Winkelabweichung > 0,1°
2. Unebene oder ungleichmäßige Lastaufnahme Sichtprüfung der Beladung im Betrieb (wenn sicher und unter Einhaltung von DIN EN ISO 13854) Materialansammlung/Beladung primär auf einer Riemenseite
3. Inkorrekte Riemenspannung (oft zu niedrig) Riemenspannungsmessgerät (Herstellervorgabe N/mm²) Spannung außerhalb des Toleranzbereichs (z.B. ±5% vom Sollwert)
4. Verschmutzung/Anhaftung an Trommeln oder Tragrollen Sichtprüfung (LOTO beachten!), händische Rollenprüfung Sichtbare Materialanhaftungen; Rollen schwergängig oder blockiert
5. Verschleiß oder Beschädigung des Riemens oder Spleißes Sichtprüfung des Riemens (LOTO beachten!), insbesondere Ränder und Spleiß Ausgefranste Ränder, Risse, ungleichmäßiger oder delaminierter Spleiß
6. Strukturelle Verformung des Förderer-Rahmens Maßband, Wasserwaage, Laser-Ausrichtgerät (VDI 2206) Rahmen nicht planparallel, sichtbare Biegungen oder Verwindungen

7. Ursachenanalyse für jeden Fehler

Ein tieferes Verständnis der Ursachen ermöglicht eine dauerhafte Problemlösung.

7.1 Fehlausrichtung von Trommeln oder Tragrollen

  • Warum es geschieht: Installationsfehler, Fundamentsetzung, Materialermüdung der Lagerböcke, Stoßbelastungen, fehlende Wartung. Eine Fehlausrichtung zwingt den Riemen, seitlich zu wandern, um die längere Wegstrecke auszugleichen.
  • Wie zu bestätigen: Einsatz eines Laser-Ausrichtgerätes zur Messung der Parallelität der Trommelachsen und der Winkelabweichung der Tragrollen. Toleranzen sind nach VDI 2206 oder Herstellervorgaben zu prüfen (typisch: Parallelitätsabweichung < 0,5 mm/m, Winkelabweichung < 0,1°).
  • Schaden bei Nichtbehebung: Einseitiger Verschleiß des Riemens, erhöhter Verschleiß der Rollen und Lager, Beschädigung der Rahmenkonstruktion durch fortwährenden Kontakt, erhöhter Energieverbrauch durch Reibung.

7.2 Unebene oder ungleichmäßige Lastaufnahme

  • Warum es geschieht: Falsche Positionierung der Aufgabestelle, unzureichende Führung der Materialzuführung, fehlerhafte Gestaltung des Materialüberwurfes, Verstopfungen in der Zuführung, Verschleiß der Verschleißplatten. Eine einseitige Beladung erzeugt eine ungleiche Druckverteilung auf dem Riemen und führt zu einer seitlichen Kraftkomponente.
  • Wie zu bestätigen: Visuelle Beobachtung der Materialzuführung und des Beladungsmusters auf dem Riemen im sicheren Betrieb (ausreichender Abstand zu beweglichen Teilen gemäß DIN EN ISO 13854).
  • Schaden bei Nichtbehebung: Konstanter Riemenversatz, verstärkter Verschleiß am Riemenrand auf der stärker belasteten Seite, Materialverlust durch Verschüttung, potenziell erhöhte Staubentwicklung.

7.3 Inkorrekte Riemenspannung

  • Warum es geschieht: Fehler bei der Erstinstallation, Materialdehnung des Riemens über die Zeit, fehlerhafte Einstellung der Spannvorrichtung, Verschleiß an Spannlagern. Eine zu niedrige Spannung führt zu Schlupf und damit zu unkontrolliertem Riemenverhalten; eine zu hohe Spannung überlastet Lager und Antrieb.
  • Wie zu bestätigen: Einsatz eines Riemenspannungsmessgerätes. Vergleich des Messwertes mit der Herstellervorgabe (z.B. in N/mm² oder kg/m).
  • Schaden bei Nichtbehebung: Bei zu geringer Spannung: Riemenschlupf, unkontrollierter Riemenversatz, erhöhter Riemenverschleiß. Bei zu hoher Spannung: Überlastung und vorzeitiger Ausfall von Lagern, Trommeln und Antriebskomponenten.

7.4 Verschmutzung/Anhaftung an Trommeln oder Tragrollen

  • Warum es geschieht: Material (z.B. Schüttgut, Feuchtigkeit) haftet an Rollen oder Trommeln an, unzureichende Riemenabstreifer, defekte oder fehlende Reiniger. Anhaftungen erhöhen den Durchmesser der Rolle/Trommel lokal oder exzentrisch, was zu einer ungleichmäßigen Führung des Riemens führt.
  • Wie zu bestätigen: Gründliche Sichtprüfung aller Tragrollen, Umlenkrollen und Trommeln (LOTO beachten!). Händische Prüfung der freien Drehbarkeit und des Spiels der Rollen.
  • Schaden bei Nichtbehebung: Einseitiger Riemenverschleiß, Geräuschentwicklung, Vibrationen, erhöhter Energieverbrauch, Beschädigung der Rollenlager.

7.5 Verschleiß oder Beschädigung des Riemens oder Spleißes

  • Warum es geschieht: Alterung des Materials, mechanische Beschädigungen (Schnitte, Risse, Quetschungen), Überlastung, unsachgemäße Reparaturen, mangelhafte Spleißqualität. Ein beschädigter Riemen oder Spleiß weist lokale Steifigkeits- oder Dickenunterschiede auf, die zu einem ungleichmäßigen Lauf führen.
  • Wie zu bestätigen: Detaillierte Sichtprüfung des gesamten Riemens (LOTO beachten!), insbesondere der Ränder, der Ober- und Unterseite, sowie aller Spleißstellen.
  • Schaden bei Nichtbehebung: Plötzlicher Riemenriss mit Produktionsausfall, Materialverlust, Beschädigung der Anlagenkomponenten durch freilaufende Riemenenden.

7.6 Strukturelle Verformung des Förderer-Rahmens

  • Warum es geschieht: Überlastung der Konstruktion, Fundamentsetzung, Korrosion, Anprallschäden, unzureichende Dimensionierung. Ein verzogener Rahmen verändert die relative Position von Trommeln und Rollen, was eine korrekte Ausrichtung unmöglich macht.
  • Wie zu bestätigen: Vermessung des Rahmens mit Maßband, Wasserwaage und Laser-Ausrichtgerät. Prüfung auf Planparallelität, Geradheit und Senkrechte der Stützen. Vergleich mit Konstruktionszeichnungen.
  • Schaden bei Nichtbehebung: Permanenter, nicht behebbarer Riemenversatz, erhöhter Verschleiß aller Komponenten, Strukturschäden bis hin zum Anlagenversagen, kann die Standsicherheit gefährden.

8. Schritt-für-Schritt-Behebungsverfahren

Die folgenden Schritte sind nach bestätigter Ursache auszuführen. Stets LOTO und PSA beachten!

8.1 Behebung von Fehlausrichtung von Trommeln oder Tragrollen

  1. Anlage sichern: Anlage gemäß LOTO-Prozedur stillsetzen und sichern.
  2. Zugänglichkeit schaffen: Schutzvorrichtungen entfernen, Arbeitsbereich reinigen.
  3. Primärtrommel ausrichten: Antriebs- und Umlenktrommeln zuerst auf Parallelität zur Förderer-Längsachse ausrichten, dann zueinander parallelisieren (Toleranz < 0,5 mm/m über die gesamte Breite). Mit Laser-Ausrichtgerät arbeiten. Schraubverbindungen mit Drehmomentschlüssel gemäß DIN EN ISO 898-1 und Herstellervorgaben (z.B. 120 Nm für M16 Schrauben der Güte 8.8) festziehen.
  4. Tragrollen ausrichten: Beginnend an den Trommeln, alle Tragrollenstationen sukzessive ausrichten. Sicherstellen, dass die Achsen der Tragrollen senkrecht zur Förderer-Längsachse stehen. Kleinere Justierungen können durch Unterlegen von Distanzstücken oder durch Verdrehen von Einstellrollen (wenn vorhanden) vorgenommen werden. Winkelabweichung < 0,1°.
  5. Kontrolle: Nach dem Anziehen der Befestigungen die Ausrichtung erneut überprüfen.
  6. Funktionstest: Anlage im Leerlauf und anschließend unter geringer Last in Betrieb nehmen und Riemenlauf beobachten. Gegebenenfalls Feinjustierung vornehmen.

8.2 Behebung von unebener oder ungleichmäßiger Lastaufnahme

  1. Anlage sichern: Anlage gemäß LOTO-Prozedur stillsetzen und sichern.
  2. Aufgabestelle prüfen: Materialzuführung, Fallschacht und Prallbleche auf Verschleiß, Verstopfungen oder Fehlausrichtung prüfen.
  3. Justierung der Zuführung: Die Aufgabestelle ist so einzustellen, dass das Material mittig und gleichmäßig auf den Fördergurt gelangt. Bei Bedarf Prallbleche oder Führungskanäle anpassen oder ersetzen.
  4. Prallbetten prüfen: Verschleiß der Prallbetten unter der Aufgabestelle prüfen und gegebenenfalls ersetzen, um eine stabile Unterlage für den Riemen zu gewährleisten.
  5. Funktionstest: Anlage in Betrieb nehmen und Beladungsmuster visuell prüfen.

8.3 Behebung von inkorrekter Riemenspannung

  1. Anlage sichern: Anlage gemäß LOTO-Prozedur stillsetzen und sichern.
  2. Spannung messen: Mit einem kalibrierten Riemenspannungsmessgerät die aktuelle Riemenspannung ermitteln.
  3. Anpassung der Spannvorrichtung: Je nach Art der Spannvorrichtung (Schraubspindel, Gegengewicht, hydraulisch) die Spannung langsam und kontrolliert an den vom Riemenhersteller vorgegebenen Sollwert anpassen (z.B. 4-6 N/mm² für Textile-EP-Gurte, oder spezifische Durchbiegewerte).
  4. Riemenlauf beobachten: Anlage kurz im Leerlauf betreiben und Riemenlauf beobachten. Gegebenenfalls nachjustieren.
  5. Kontrolle: Nach einer kurzen Betriebszeit (z.B. 1 Stunde) die Spannung erneut messen, da sich der Riemen setzen kann.

8.4 Behebung von Verschmutzung/Anhaftung an Trommeln oder Tragrollen

  1. Anlage sichern: Anlage gemäß LOTO-Prozedur stillsetzen und sichern.
  2. Reinigung: Alle Trommeln, Tragrollen und Rücklaufrollen gründlich von anhaftendem Material befreien. Mechanische Reiniger (Schaber, Bürsten) verwenden.
  3. Reinigungssystem prüfen: Zustand der Riemenabstreifer (Primär-/Sekundärabstreifer) prüfen und gegebenenfalls verschlissene Klingen ersetzen oder nachjustieren. Sicherstellen, dass die Abstreifer den Riemen optimal reinigen.
  4. Verstopfungen beseitigen: Materialanhaftungen im Bereich der Rollen und Trommeln, insbesondere an den Seiten des Rahmens, entfernen.
  5. Funktionstest: Anlage in Betrieb nehmen und die Effektivität der Reinigung sowie den Riemenlauf beobachten.

8.5 Behebung von Verschleiß oder Beschädigung des Riemens oder Spleißes

  1. Anlage sichern: Anlage gemäß LOTO-Prozedur stillsetzen und sichern.
  2. Riemeninspektion: Den gesamten Riemen auf Beschädigungen, Risse, ausgefranste Ränder oder Delaminationen am Spleiß prüfen.
  3. Riemenreparatur/-ersatz: Bei geringfügigen Beschädigungen kann der Riemen ggf. repariert werden (z.B. mittels Kaltvulkanisation nach DIN 22101). Bei gravierenden Schäden am Riemen oder Spleiß ist ein kompletter Riemenwechsel notwendig.
  4. Spleißverfahren: Ein neuer Spleiß muss fachgerecht nach Herstellervorgaben (Warm- oder Kaltvulkanisation) erstellt werden, um eine gleichmäßige Stärke und Festigkeit zu gewährleisten.
  5. Kontrolle: Nach Riemenwechsel oder -reparatur die Riemenspannung gemäß 8.3 neu einstellen und die Riemenausrichtung gemäß 8.1 überprüfen.
  6. Funktionstest: Anlage im Leerlauf und unter Last betreiben und Riemenlauf beobachten.

8.6 Behebung von struktureller Verformung des Förderer-Rahmens

  1. Anlage sichern: Anlage gemäß LOTO-Prozedur stillsetzen und sichern.
  2. Vermessung: Präzise Vermessung des Rahmens mittels Laser-Ausrichtgerät und Wasserwaage zur Identifizierung der Verformung.
  3. Strukturelle Reparatur: Abhängig vom Grad der Verformung kann eine Rahmenverstärkung, ein Richten der Struktur oder der Austausch betroffener Rahmenabschnitte erforderlich sein. Schweißarbeiten nur durch zertifiziertes Personal gemäß DIN EN ISO 9606-1.
  4. Fundamentprüfung: Falls Fundamentsetzungen die Ursache sind, muss das Fundament saniert oder verstärkt werden.
  5. Neuausrichtung: Nach der strukturellen Reparatur müssen alle Trommeln und Tragrollen gemäß 8.1 neu ausgerichtet werden.
  6. Funktionstest: Anlage im Leerlauf und unter Last betreiben und Riemenlauf beobachten.

9. Vorbeugende Maßnahmen

Präventive Instandhaltung ist entscheidend zur Vermeidung von Riemenversatz.

Grundursache Präventionsstrategie Überwachungsmethode Empfohlenes Intervall
Fehlausrichtung von Trommeln/Tragrollen Regelmäßige Ausrichtungskontrolle (VDI 2206) Laser-Ausrichtmessung Jährlich oder nach jedem Komponentenwechsel
Unebene Lastaufnahme Optimierung der Materialzuführung und des Materialüberwurfes Visuelle Kontrolle, Probelauf unter Last Monatlich, oder bei Produkt-/Mengenänderung
Inkorrekte Riemenspannung Periodische Spannungsmessung und Justierung Riemenspannungsmessgerät Alle 3-6 Monate, oder nach den ersten 100 Betriebsstunden eines neuen Riemens
Verschmutzung/Anhaftung Regelmäßige Reinigung, Wartung der Riemenabstreifer Sichtprüfung, Funktionsprüfung der Abstreifer Wöchentlich bis Monatlich, je nach Material und Umgebung
Verschleiß/Beschädigung des Riemens/Spleißes Regelmäßige Inspektion des Riemenzustandes (DIN 22101) Visuelle Inspektion, Dickenmessung Spleiß Alle 3-6 Monate
Strukturelle Verformung Regelmäßige Rahmen- und Fundamentinspektion (VDI 2206) Visuelle Inspektion, geometrische Vermessung Alle 1-2 Jahre

10. Ersatzteile & Komponenten

Qualitativ hochwertige Ersatzteile sind für die langfristige Betriebssicherheit unerlässlich. UNITEC-D bietet eine breite Palette an Komponenten für Förderanlagen.

Teilebezeichnung Spezifikation Wann ersetzen UNITEC Kategorie
Fördergurt EP-Gurt (Textil), PVC-Gurt, Gummi, Breite, Zugfestigkeit (N/mm) Bei gravierenden Beschädigungen (Risse, Brüche, Delamination), ungleichmäßigem Verschleiß, Erreichen der maximalen Betriebszeit Fördergurte
Tragrollen Stahl-, Kunststoff-, Trog-, Rücklaufrollen; Durchmesser, Achsdurchmesser Bei Schwergängigkeit, Blockierung, Lagerschäden (Vibration, Hitze), starkem Verschleiß des Rollenmantels Rollen & Trommeln
Trommeln Antriebs-, Umlenk-, Spanntrommeln; Durchmesser, Breite, Wellendurchmesser Bei starken Verformungen, Lagersitzbeschädigungen, starkem Verschleiß des Trommelmantels, Mantellösung Rollen & Trommeln
Rollenlager Rillenkugellager, Pendelkugellager, Zylinderrollenlager; DIN 625, DIN 630 Bei erhöhten Geräuschen, Vibrationen, Überhitzung (>80°C), spürbarem Spiel Wälzlager
Riemenabstreifer Primär-, Sekundärabstreifer; Klingenmaterial (Polyurethan, Hartmetall) Bei Verschleiß der Klinge, ineffektiver Reinigung, Beschädigung Riemenreinigung
Prallbetten/Riemenunterstützung PU-Segmente, Stahlprofile; Länge, Breite Bei Verschleiß, Beschädigung oder wenn der Riemen nicht mehr ausreichend unterstützt wird Riemenführungen

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11. Referenzen

  • DIN 22101: Fördergurte – Begriffe, Abmessungen, technische Anforderungen
  • VDI 2206: Bauteile mit komplexem Beanspruchungsverhalten – Technische Regeln für die Konstruktion und Berechnung
  • VDI 2341: Gurtförderer für Schüttgüter – Begriffe, Sicherheit, Konstruktion
  • DIN EN 1037: Sicherheit von Maschinen – Vermeidung des unerwarteten Anlaufs
  • DIN EN ISO 13854: Sicherheit von Maschinen – Mindestabstände zur Vermeidung des Quetschens von Körperteilen
  • DIN EN ISO 898-1: Mechanische Eigenschaften von Verbindungselementen aus Kohlenstoffstahl und legiertem Stahl – Teil 1: Schrauben mit festgelegten Festigkeitsklassen – Grobgewinde und Feingewinde
  • DIN ISO 1940-1: Mechanische Schwingungen – Auswuchten starrer Rotoren – Teil 1: Festlegung der zulässigen Unwucht
  • Herstellerdokumentation der jeweiligen Förderanlage
  • UNITEC-D Wartungshandbücher für Fördertechnik

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