Diagnoseleitfaden: Blockaden und Überlastung von Kettenförderern

Technical analysis: Troubleshooting chain conveyor jamming and overload: chain elongation, sprocket wear, lubrication fa

1. Problembeschreibung & Anwendungsbereich

Dieser Diagnoseleitfaden behandelt die kritischen Probleme von Blockaden und Überlastungen bei Kettenförderern, die in industriellen Fertigungsprozessen zur Materialhandhabung eingesetzt werden. Typische Symptome umfassen intermittierendes oder vollständiges Blockieren des Förderers, unerwartet hohe Stromaufnahme des Antriebsmotors, Aktivierung von Überlastschutzeinrichtungen, ungewöhnliche Geräusche (Knirschen, Klappern, Quietschen) sowie erhöhte Vibrationen und lokale Erwärmung von Komponenten. Diese Störungen führen zu Produktionsausfällen, erhöhtem Energieverbrauch, vorzeitigem Verschleiß von Antriebs- und Förderkomponenten und können im Extremfall zu irreversiblen Anlagenschäden führen. Der Leitfaden richtet sich an Kettenförderer in Branchen wie der Automobil-, Lebensmittel-, Chemie- und Energieerzeugung, wo kontinuierlicher und zuverlässiger Betrieb kritisch ist. Die hier beschriebenen Fehlerbilder werden als kritisch eingestuft, da sie die Betriebssicherheit und Anlagenverfügbarkeit unmittelbar beeinträchtigen.

2. Sicherheitsvorkehrungen

WARNUNG: Vor Beginn jeglicher Diagnose-, Wartungs- oder Reparaturarbeiten an Kettenförderern sind strikte Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten, um schwere Verletzungen oder tödliche Unfälle zu vermeiden. Kettenförderer können bewegliche Teile, eingeklemmte Energie und scharfe Kanten aufweisen.

  • Lockout/Tagout (LOTO): Gemäß DIN EN ISO 14118 (Sicherheit von Maschinen – Vermeidung von unerwartetem Anlauf) muss der Förderer vollständig von allen Energiequellen (elektrisch, hydraulisch, pneumatisch) isoliert, gesichert und gekennzeichnet werden. Überprüfen Sie die Spannungsfreiheit mittels geeignetem Messgerät.

  • Restenergie: Stellen Sie sicher, dass alle gespeicherten Energien (z.B. durch gespannte Ketten, Federn, Druckluft, Hydraulikdruck, aufgestautes Material) gefahrlos abgebaut wurden, bevor Sie mit Arbeiten beginnen.

  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Tragen Sie stets die vorgeschriebene PSA, mindestens Sicherheitsschuhe (DIN EN ISO 20345), Schutzhandschuhe (DIN EN 388), Schutzbrille (DIN EN 166) und bei Bedarf Gehörschutz (DIN EN 352) oder Schutzhelm.

  • Einzugstellen: Besondere Vorsicht an allen beweglichen Teilen, insbesondere an Ketten und Zahnrädern, um Einzugstellen zu vermeiden.

  • Heißflächen: Antriebseinheiten oder überlastete Lager können hohe Temperaturen erreichen. Vorsicht vor Verbrennungen.

  • Materialaustritt: Bei Materialansammlungen besteht die Gefahr des plötzlichen Ausfließens oder Herunterfallens von Material. Sichern Sie den Bereich.

3. Erforderliche Diagnosewerkzeuge

Werkzeug Spezifikation / Modell Messbereich Zweck
Digitales Multimeter CAT III 1000V Spannung (AC/DC), Strom (AC/DC), Widerstand Überprüfung der Motorstromaufnahme, Wicklungswiderstände, Sensorfunktionen.
Vibrationsmessgerät Gemäß DIN ISO 10816-3 (Maschinenschwingungen) Beschleunigung (g), Geschwindigkeit (mm/s), Weg (µm) Erfassung von Schwingungen an Lagern, Antrieb und Förderkette zur Diagnose von Verschleiß und Unwucht. Akzeptabel: < 2,8 mm/s RMS (Maschinenklasse II). Alarm: > 7,1 mm/s RMS.
Infrarot-Pyrometer / Wärmebildkamera Messbereich -20 °C bis +500 °C, Emissionsgrad einstellbar Temperatur (°C) Lokalisierung von Heißläufern an Lagern, Motor, Getriebe, Kettenrollen. Normaler Betrieb: Umgebungstemperatur + < 30 K. Alarm: > 90 °C.
Endoskop / Boroskop Flexibel, Länge 1-3 m, Durchmesser 5-10 mm Visuelle Inspektion Inspektion schwer zugänglicher Bereiche (Innenseiten von Gehäusen, Kettenführungen) auf Materialansammlungen oder Schäden.
Kettenlehre (Verschleißlehre) Gemäß DIN ISO 606 (Rollketten und Buchsenketten) Kettenlängung (%) Präzise Messung der Kettenlängung. Max. zulässige Längung: 1,5% (Antrieb), 3% (Förder).
Maßband / Messschieber Messbereich bis 5 m / 300 mm Längen (mm) Messung von Kettenabständen, Zahnradprofilen, Wellenversatz.
Drehmomentschlüssel Messbereich 20-300 Nm Drehmoment (Nm) Anzug von Befestigungselementen gemäß Herstellervorgaben.
Stroboskop Frequenzbereich 30-1000 Hz Drehzahl (U/min), Frequenz (Hz) Visuelle Inspektion von schnell bewegten Ketten und Zahnrädern im Betrieb (unter strengen Sicherheitsvorkehrungen).

4. Checkliste zur Erstbewertung

Bevor Sie mit einer detaillierten Diagnose beginnen, führen Sie eine gründliche Erstbewertung durch. Diese hilft, den Problembereich einzugrenzen und relevante Betriebsdaten zu erfassen.

Prüfpunkt Beschreibung Status / Wert (Dokumentieren)
Symptomaufnahme Genaue Beschreibung des beobachteten Problems (Was, Wann, Wo, Wie oft?).
Betriebszustand Lief der Förderer unter Nennlast, Teillast oder Leerlauf, als der Fehler auftrat?
Alarmhistorie Gab es vorherige Alarme (Überstrom, Temperatur, Not-Aus)? Überprüfen Sie das HMI/SPS-Protokoll.
Stromaufnahme Aktuelle Stromaufnahme des Antriebsmotors (A) im Vergleich zum Normalwert.
Visuelle Inspektion Sichtbare Schäden an Kette, Zahnrädern, Führungen, Lagern? Materialansammlungen?
Geräuschentwicklung Art und Lokalisation ungewöhnlicher Geräusche.
Temperatur Fühlbare Erwärmung von Lagern, Motor, Getriebe.
Letzte Wartung Wann erfolgte die letzte Schmierung, Kettenspannung, Reinigung?
Prozessmaterial Art, Konsistenz und Menge des geförderten Materials. Abweichungen vom Standard?

5. Systematischer Diagnoseablaufplan

Dieser Ablaufplan führt Sie durch die systematische Identifizierung der Ursache von Blockaden und Überlastungen.

  1. FÖRDERER BLOCKIERT ODER LÄUFT UNTER ÜBERLAST?
    • Symptom: Überlastalarm des Motors / Hohe Stromaufnahme
      1. Prüfung der Mechanik:
        • Fördermaterial:
          1. Ist das Material in Ordnung (Größe, Form, Gewicht)? Ist zu viel Material vorhanden (Überfüllung)?
            • WENN JA: Mögliche Ursache: Materialansammlung / Überfüllung. Weiter zu Sektion 7.4.
            • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
        • Gängigkeit der Kette im Leerlauf:
          1. Motor stromlos schalten (LOTO). Kette manuell bewegen (wenn möglich). Läuft sie leicht?
            • WENN NEIN (schwergängig):
              1. Visuelle Prüfung der Kettenführung: Sind Blockaden, Verbiegungen oder Fremdkörper in den Führungen?
                • WENN JA: Mögliche Ursache: Materialansammlung / Fremdkörper. Weiter zu Sektion 7.4.
                • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
              2. Kettenlängung: Messen Sie die Kettenlängung mit der Kettenlehre (DIN ISO 606). Ist die Längung > 1,5%?
                • WENN JA: Mögliche Ursache: Kettenlängung. Weiter zu Sektion 7.1.
                • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
              3. Zahnradzustand: Prüfen Sie die Zahnräder auf Hakenform, Unterschnitt oder seitlichen Verschleiß. Sind die Zähne spitz oder ungleichmäßig abgenutzt?
                • WENN JA: Mögliche Ursache: Zahnradverschleiß. Weiter zu Sektion 7.2.
                • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
              4. Schmierung: Ist die Kette trocken, rostig oder weist sie verharzte Schmierstoffe auf? Sind die Schmierstellen verstopft oder die automatische Schmierung defekt?
                • WENN JA: Mögliche Ursache: Schmierungsausfall. Weiter zu Sektion 7.3.
                • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
              5. Lager der Wellen: Prüfen Sie die Lager des Antriebs und der Umlenkungen auf Leichtgängigkeit und Spiel (axial/radial). Verwenden Sie das Vibrationsmessgerät (DIN ISO 10816-3) für eine präzise Diagnose. Sind die Vibrationen > 7,1 mm/s RMS oder die Temperatur > 90 °C?
                • WENN JA: Mögliche Ursache: Lagerdefekt. Ersatz des Lagers erforderlich.
                • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
            • WENN JA (leichtgängig):
              1. Elektrische Prüfung (nach LOTO):
                • Motorwicklung: Messen Sie die Wicklungswiderstände. Sind diese ungleichmäßig oder außerhalb der Spezifikation?
                  • WENN JA: Mögliche Ursache: Motordefekt. Motor prüfen/ersetzen lassen.
                  • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
                • Kabel & Steuerung: Prüfen Sie Kabelverbindungen, Schütze und Überlastrelais. Sind diese korrekt angeschlossen und intakt?
                  • WENN NEIN: Fehler in der Elektrik. Kabel/Schütze/Relais prüfen/ersetzen.
                  • WENN JA: Kontaktieren Sie einen Elektrofachmann zur weiteren Diagnose der Steuerung.
    • Symptom: Ungewöhnliche Geräusche (Klappern, Knirschen) / Vibrationen
      1. Visuelle Prüfung der Kette im Betrieb (mit Stroboskop und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen):
        • Kettenschwingungen / Peitscheneffekt? Kette springt über Zähne?
          • WENN JA: Mögliche Ursache: Kettenlängung oder Zahnradverschleiß. Weiter zu Sektion 7.1 oder 7.2.
          • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
      2. Materialansammlung: Überprüfen Sie alle Förderbereiche und Rückführungen auf Materialansammlungen, die zu Reibung oder Blockaden führen können.
        • WENN JA: Mögliche Ursache: Materialansammlung. Weiter zu Sektion 7.4.
        • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.
      3. Schmierung: Prüfen Sie die Schmierung der Kette und Lager. Trockene Ketten verursachen erhöhte Geräusche und Verschleiß.
        • WENN JA (mangelhaft): Mögliche Ursache: Schmierungsausfall. Weiter zu Sektion 7.3.
        • WENN NEIN: Weiter mit nächstem Punkt.

6. Fehler-Ursachen-Matrix

Symptom Wahrscheinliche Ursachen (nach Wahrscheinlichkeit) Diagnosetest Erwartetes Ergebnis bei bestätigter Ursache
Förderer blockiert / Not-Aus 1. Materialansammlung
2. Kettenlängung (extreme)
3. Zahnradverschleiß (extreme)
4. Lagerfestlauf
1. Visuelle Inspektion, Endoskopie
2. Kettenlehre (DIN ISO 606)
3. Visuelle Prüfung der Zahnräder
4. Manuelle Prüfung des Lagerspiels, Vibrationsmessung
1. Sichtbare Materialablagerungen
2. Längung > 3%
3. Hakenzähne, starke Unterschnitte
4. Lager blockiert, sehr hohe Vibrationen (> 10 mm/s)
Erhöhte Stromaufnahme des Motors 1. Materialansammlung
2. Schmierungsausfall
3. Kettenlängung
4. Zahnradverschleiß
5. Lagerverschleiß
1. Visuelle Prüfung
2. Schmierzustand prüfen
3. Kettenlehre
4. Visuelle Prüfung
5. Temperatur, Vibration
1. Sichtbare Ablagerungen
2. Trockene, korrodierte Kette/Lager
3. Längung > 1.5%
4. Anzeichen von Zahnverschleiß
5. Temperaturanstieg (> 90°C), Vibration > 7.1 mm/s
Ungewöhnliche Geräusche (Klappern, Knirschen) 1. Kettenlängung
2. Zahnradverschleiß
3. Schmierungsausfall
4. Materialansammlung (Reibung)
5. Fehlausrichtung
1. Kettenlehre, Stroboskop
2. Visuelle Prüfung
3. Sichtprüfung, Geruchstest
4. Visuelle Inspektion
5. Ausrichtung der Wellen/Führungen
1. Kette springt, ungleichmäßige Spannung
2. Spitz zulaufende oder beschädigte Zähne
3. Quietschende, knirschende Geräusche
4. Schleifspuren, Blockaden
5. Sichtbarer Wellenversatz (> 0.2 mm)
Lokale Erwärmung von Komponenten 1. Schmierungsausfall
2. Materialansammlung (Reibung)
3. Lagerverschleiß
4. Kettenlängung (übermäßige Reibung)
1. IR-Pyrometer/Wärmebildkamera, Sichtprüfung
2. Visuelle Inspektion
3. IR-Pyrometer/Wärmebildkamera, Vibrationsmessung
4. Kettenlehre, Sichtprüfung
1. Hohe Temperatur an Gleitflächen (> 90°C)
2. Material staut sich, hohe Temperatur im Staupunkt
3. Hohe Temperatur an Lagergehäuse (> 90°C)
4. Hohe Temperatur an Kettengelenken oder Zahnradflanken

7. Ursachenanalyse für jeden Fehler

7.1 Kettenlängung

Warum es passiert: Kettenlängung ist primär auf den Verschleiß der Gelenke (Bolzen und Buchsen) zurückzuführen, der durch Reibung und Materialabtrag unter Last entsteht. Sekundär kann auch die Ermüdung des Kettenmaterials unter zyklischer Beanspruchung eine Rolle spielen. Eine unzureichende Schmierung beschleunigt diesen Verschleiß erheblich. Eine erhöhte Kettenspannung, Überlastung oder die Verwendung einer Kette mit unzureichender Festigkeit sind weitere Faktoren. DIN ISO 606 definiert die Toleranzen und Messverfahren für Rollenketten. Kettenlängung führt zu einem veränderten Eingriff der Kette in die Zahnräder, was als Polygon-Effekt wahrgenommen wird und zu Vibrationen und ungleichmäßigem Lauf führt.

Wie zu bestätigen: Messen Sie die Teilung der Kette über eine definierte Anzahl von Gliedern (z.B. 10 oder 20 Glieder) mit einem Messschieber oder Maßband. Vergleichen Sie den gemessenen Wert mit dem Nennmaß der Kette. Eine spezielle Kettenlehre (gemäß DIN ISO 606) bietet die präziseste Messmethode. Eine Längung von mehr als 1,5% der Nennlänge (für Antriebsketten) oder 3% (für Förderketten) ist kritisch und erfordert einen Austausch. Eine visuelle Inspektion kann bereits zeigen, dass die Kette nicht mehr straff an den Zahnrädern anliegt oder „durchhängt“.

Welchen Schaden es verursacht, wenn unbehoben: Eine längere Kette führt zu einem fehlerhaften Eingriff mit den Zahnrädern, beschleunigt den Verschleiß der Zahnräder und erhöht die dynamische Belastung des gesamten Antriebsstrangs. Dies kann zu Kettensprüngen, Bruch der Kette, Beschädigung der Zahnräder, Lager- und Getriebeschäden sowie zu unerwarteten Fördererstillständen führen.

7.2 Zahnradverschleiß

Warum es passiert: Zahnradverschleiß ist die Folge des ständigen Kontakts und Rollens/Gleitens der Kettenrollen auf den Zahnflanken. Hauptursachen sind abrasivem Verschleiß durch mangelnde Schmierung oder das Eindringen von Schmutzpartikeln, Ermüdung des Materials durch Überlastung (Pitting) und adhäsivem Verschleiß (Fressen) bei unzureichender Härtung der Zahnflanken. Ein beschädigtes Zahnradprofil, oft als „Hakenzahn“ oder „Unterschnitt“ sichtbar, entsteht, wenn die Kettenlängung die Zähne ungleichmäßig abnutzt. Die Verwendung von Zahnrädern, die nicht den Material- und Wärmebehandlungsstandards (z.B. nach DIN 3960 für Verzahnungsqualität) entsprechen, kann die Lebensdauer verkürzen.

Wie zu bestätigen: Führen Sie eine detaillierte visuelle Inspektion der Zahnradprofile durch. Achten Sie auf folgende Merkmale: Hakenzähne (die Zähne biegen sich in Laufrichtung), Unterschnitt an der Zahnwurzel, glänzende oder abgenutzte Flanken, Pitting (kleine Ausbrüche an der Oberfläche) oder Risse. Ein Neigungsmesser kann verwendet werden, um die Änderung des Zahnprofils zu quantifizieren. Im Frühstadium kann auch eine Prüfung auf Gratbildung an den Zahnflanken Hinweise geben. Bei starken Verschleißerscheinungen kann das Zahnrad mit dem bloßen Auge als spitzer oder ungleichmäßig abgenutzt erscheinen.

Welchen Schaden es verursacht, wenn unbehoben: Verschleiß an Zahnrädern führt zu einem schlechten Kettengriff, Kettensprüngen, erhöhten Vibrationen, ungleichmäßigem Fördererlauf und einem beschleunigten Verschleiß der Kette selbst. Im schlimmsten Fall kann es zum Bruch der Zähne oder des gesamten Zahnrads kommen, was einen sofortigen Anlagenstillstand und kostspielige Reparaturen zur Folge hat. Eine erhöhte Geräuschentwicklung (Klappern, Rasseln) ist ein deutliches Anzeichen für fortgeschrittenen Zahnradverschleiß.

7.3 Schmierungsausfall

Warum es passiert: Schmierungsausfall tritt auf, wenn die Schmierstoffversorgung der Ketten- und Lagergelenke unzureichend oder nicht vorhanden ist. Dies kann durch vergessene Wartungsintervalle, Verwendung des falschen Schmierstoffs (nicht konform mit ISO VG-Klassen oder OEM-Spezifikationen), verstopfte Schmiernippel, Defekte an automatischen Schmiersystemen oder die Verharzung von Altöl verursacht werden. Eine unzureichende Schmierung führt zu direktem Metall-auf-Metall-Kontakt, was Reibung, Hitzeentwicklung und rapidem Verschleiß exponentiell erhöht.

Wie zu bestätigen: Eine visuelle Inspektion der Kette und der Lager offenbart Trockenheit, Korrosion, Ansammlung von Schmutzpartikeln im verharzten Schmierstoff oder eine dunkle Verfärbung des Schmierstoffs. Eine Temperaturmessung mit einem IR-Pyrometer an den Kettenbolzen und Lagern zeigt signifikante Überhitzung (> 90 °C ist ein Alarmwert). Ein Hörtest offenbart oft ein Quietschen oder Knirschen. Überprüfen Sie den Füllstand der Schmierstoffbehälter und die Funktion der Schmierpumpen bei automatischen Systemen.

Welchen Schaden es verursacht, wenn unbehoben: Unzureichende Schmierung ist eine der Hauptursachen für vorzeitigen Ketten- und Lagerverschleiß. Sie führt zu erhöhter Reibung, Längung der Kette, Hitzestau, Klemmen von Gelenken und letztlich zum Bruch der Kette oder zum Festfressen von Lagern. Dies führt zu kostspieligen Reparaturen und langen Ausfallzeiten. Der erhöhte Energiebedarf durch Reibung ist ebenfalls ein relevanter Faktor.

7.4 Materialansammlung

Warum es passiert: Materialansammlung entsteht, wenn das geförderte Gut (oder Fremdkörper) sich in Bereichen des Förderers (Kettenführungen, Zahnradtaschen, Umlenkstationen, Unterbau) ansammelt und den freien Lauf der Kette behindert. Ursachen hierfür können übermäßige Befüllung des Förderers, unzureichende Reinigungsmechanismen (Abstreifer, Bürsten), Leckagen aus dem Förderstrom, fehlerhafte Konstruktion der Fördererübergabestellen oder unzureichende Abdichtungen sein. Aggressive oder klebrige Materialien verschärfen das Problem.

Wie zu bestätigen: Führen Sie eine gründliche visuelle Inspektion aller zugänglichen Fördererbereiche durch. Nutzen Sie ein Endoskop für schwer zugängliche Stellen. Achten Sie auf sichtbare Ablagerungen, Materialstau oder Fremdkörper, die den Kettenlauf blockieren oder die Komponenten reiben. Manchmal sind Schleifspuren oder ungewöhnliche Abnutzungsmuster an den Kettenführungen oder am Unterbau Indikatoren für Materialansammlungen.

Welchen Schaden es verursacht, wenn unbehoben: Materialansammlungen erhöhen die Reibung und damit den Energiebedarf des Förderers. Dies führt zu einer erhöhten Belastung des Antriebsmotors, Überlastschutzauslösungen und vorzeitigem Verschleiß der Kette und der Führungen. Im schlimmsten Fall kann es zu vollständigen Blockaden kommen, die die Kette, die Zahnräder oder sogar den Antriebsstrang beschädigen. Dies kann zu erheblichen Produktionsausfällen und teuren Reinigungs- und Reparaturarbeiten führen.

8. Schritt-für-Schritt-Fehlerbehebung

8.1 Kettenlängung beheben

  1. Sicherheit gewährleisten:

    LOTO strikt anwenden.

  2. Kettenspannung prüfen:

    Die Kette sollte einen gewissen Durchhang aufweisen, um den Polygon-Effekt zu minimieren, aber nicht so viel, dass sie von den Zahnrädern springt. Ein Richtwert ist ein Durchhang von 1-2% des Achsabstandes bei der unbelasteten Seite. Referenzieren Sie die Herstellervorgaben.

  3. Ggf. Kette kürzen:

    Wenn die Längung noch im vertretbaren Bereich ist und die Kette über ein Kettenschloss verfügt, kann ein oder mehrere Glieder entfernt werden. Achten Sie auf korrekten Zusammenbau des Kettenschlosses.

  4. Kette tauschen:

    Wenn die Längung über 1,5% (Antrieb) oder 3% (Förder) liegt oder die Kette bereits Geräusche macht/springt, ist ein vollständiger Austausch der Kette (gemäß DIN ISO 606) unumgänglich. Erwägen Sie den gleichzeitigen Austausch der Zahnräder, um die Lebensdauer der neuen Kette zu maximieren.

  5. Ausrichtung prüfen:

    Stellen Sie nach dem Tausch sicher, dass die Wellen der Zahnräder exakt parallel und fluchtend ausgerichtet sind (Toleranz < 0.2 mm/m), um Schiefzug und einseitigen Verschleiß zu vermeiden.

  6. Initialschmierung:

    Eine neue Kette muss vor der Inbetriebnahme und während des Einlaufs korrekt geschmiert werden.

  7. Funktionstest:

    Förderer im Leerlauf starten, auf Geräusche, Vibrationen und gleichmäßigen Lauf prüfen. Dann schrittweise mit Last beaufschlagen.

8.2 Zahnradverschleiß beheben

  1. Sicherheit gewährleisten:

    LOTO strikt anwenden.

  2. Zahnräder tauschen:

    Verschliessene Zahnräder müssen ausgetauscht werden. Verwenden Sie Originalersatzteile oder Komponenten, die den Qualitätsstandards (z.B. nach DIN 3960 für Verzahnungsqualität) entsprechen. Es wird empfohlen, Antriebs- und Umlenkzahnräder paarweise zu tauschen, insbesondere wenn auch die Kette erneuert wird.

  3. Kettenausrichtung prüfen:

    Stellen Sie sicher, dass die Kette korrekt auf den Zahnrädern sitzt und keine seitlichen Kräfte wirken, die zu ungleichmäßigem Verschleiß führen könnten.

  4. Passung der Nabe:

    Prüfen Sie die Passung des Zahnrads auf der Welle. Bei losem Sitz kann es zu übermäßigem Spiel und Verschleiß kommen.

  5. Schmierung überprüfen:

    Stellen Sie sicher, dass die Schmierung der Kette und des Zahnrads adäquat ist, um den neuen Komponenten eine lange Lebensdauer zu ermöglichen.

  6. Funktionstest:

    Siehe 8.1, Punkt 7.

8.3 Schmierungsausfall beheben

  1. Sicherheit gewährleisten:

    LOTO strikt anwenden.

  2. Schmierstellen reinigen und prüfen:

    Verstopfte Schmiernippel oder Leitungen identifizieren und reinigen oder ersetzen.

  3. Schmierstofftyp prüfen:

    Stellen Sie sicher, dass der verwendete Schmierstoff (Öl oder Fett) den Herstellervorgaben entspricht (Viskosität, Additive, Temperaturbereich). Falscher Schmierstoff kann die Schmierungseigenschaften beeinträchtigen. Beachten Sie ISO VG-Klassen für Öle.

  4. Manuelle Schmierung durchführen:

    Kette und Lager gemäß Herstellervorgaben manuell nachschmieren. Achten Sie darauf, dass der Schmierstoff in die Kettenbolzen und Buchsen eindringt.

  5. Automatisches Schmiersystem prüfen:

    • Pumpenfunktion: Prüfen Sie die Funktion der Schmierpumpe.
    • Dosierung: Stellen Sie sicher, dass die richtige Menge Schmierstoff pro Zyklus abgegeben wird.
    • Zeitgeber: Überprüfen Sie die Einstellungen des Schmierzyklus.
    • Füllstand: Füllen Sie den Schmierstoffbehälter auf.
    • Verteiler: Prüfen Sie die Funktionsfähigkeit der Verteiler und Schläuche.
  6. Visuelle Kontrolle:

    Nach der Schmierung sollte die Kette einen gleichmäßigen Schmierfilm aufweisen und die Lager sollten leichtgängig sein.

  7. Funktionstest:

    Siehe 8.1, Punkt 7. Beobachten Sie während des Betriebs, ob die Temperatur an Lagern und Kette im normalen Bereich bleibt.

8.4 Materialansammlung beheben

  1. Sicherheit gewährleisten:

    LOTO strikt anwenden.

  2. Anlagenreinigung:

    Entfernen Sie alle Materialansammlungen manuell aus den Fördererbereichen, insbesondere aus Kettenführungen, Umlenkstationen und unter den Rollen. Verwenden Sie gegebenenfalls Endoskope für unzugängliche Bereiche.

  3. Überfüllung vermeiden:

    Überprüfen Sie die Prozesssteuerung, um eine Überfüllung des Förderers zu verhindern. Passen Sie die Materialzufuhr an die Förderkapazität an.

  4. Reinigungsmechanismen prüfen/installieren:

    • Abstreifer: Prüfen Sie Abstreifer auf Verschleiß und korrekten Anpressdruck. Ersetzen Sie diese bei Bedarf.
    • Bürsten: Stellen Sie sicher, dass rotierende Bürsten effektiv Material entfernen.
    • Luftdüsen: Bei bestimmten Materialien können Druckluftdüsen zur Reinigung eingesetzt werden.
  5. Abdichtungen prüfen/verbessern:

    Kontrollieren Sie alle Dichtungen und Abdeckungen, um das Eindringen von Material in kritische Bereiche zu verhindern. Verbessern Sie bei Bedarf die Abdichtung.

  6. Konstruktive Anpassungen:

    Bei wiederkehrenden Problemen kann eine konstruktive Änderung der Fördererübergabestellen oder des Unterbaus (z.B. steilere Winkel, glattere Oberflächen) erforderlich sein, um Materialansammlungen zu minimieren.

  7. Funktionstest:

    Siehe 8.1, Punkt 7. Beobachten Sie, ob sich erneut Material ansammelt und ob der Förderer unter Last reibungsfrei läuft.

9. Vorbeugende Maßnahmen

Root Cause Prävention Strategie Überwachungsmethode Empfohlenes Intervall
Kettenlängung Regelmäßige Kettenprüfung und -spannung, Auswahl der richtigen Kette für die Anwendung, korrekte Schmierung. Kettenlehre (DIN ISO 606), Visuelle Kontrolle des Durchhangs, Geräuschprüfung. Wöchentlich (visuell), Monatlich (Spannung), Quartalsweise (Längungsmessung).
Zahnradverschleiß Regelmäßige Inspektion des Zahnradprofils, Tausch von Kette und Zahnrädern im Verbund, korrekte Ausrichtung. Visuelle Inspektion auf Hakenzähne/Unterschnitte, Stroboskopische Prüfung im Betrieb. Quartalsweise.
Schmierungsausfall Einhaltung des Schmierplans, Verwendung des richtigen Schmierstoffs (ISO VG-Klassen), Wartung von automatischen Schmiersystemen. Sichtprüfung des Schmierfilms, Kontrolle Schmierstofffüllstände, IR-Pyrometer an Ketten/Lagern. Täglich (Sichtprüfung), Monatlich (Füllstände), Halbjährlich (Systemwartung).
Materialansammlung Regelmäßige Reinigung, Optimierung der Materialzufuhr, Funktionstüchtigkeit von Abstreifern/Reinigern sicherstellen. Visuelle Inspektion aller Förderbereiche, Prozessüberwachung (Stromaufnahme). Täglich bis Wöchentlich, je nach Material und Prozess.

10. Ersatzteile & Komponenten

Die Verfügbarkeit von hochwertigen Ersatzteilen ist kritisch für die schnelle Wiederherstellung der Betriebsbereitschaft und die Langlebigkeit Ihrer Kettenförderer. UNITEC-D bietet ein umfangreiches Sortiment an Industriekomponenten, die den höchsten Qualitätsstandards entsprechen (CE, TÜV-zertifiziert).

Teilebeschreibung Spezifikation / Norm Wann ersetzen UNITEC Kategorie
Rollenkette (Industrieausführung) DIN ISO 606, TUV-zertifiziert, hochfest Bei Längung > 1.5% (Antrieb) / 3% (Förder) oder sichtbaren Gliederschäden. Förderelemente / Ketten
Zahnrad (Antrieb/Umlenkung) DIN 3960 (Verzahnungsqualität), induktionsgehärtet, CE-konform Bei sichtbarem Verschleiß (Hakenzähne, Unterschnitt, Pitting) oder zusammen mit Kettentausch. Antriebskomponenten / Zahnräder
Kettenführungen / Gleitschienen Hochmolekulares PE (UHMW-PE) oder Stahl, abriebfest Bei tiefer Rillenbildung, Bruch oder erhöhter Reibung. Förderelemente / Führungen
Lager (Rollenlager, Gleitlager) DIN 625 (Kugellager), DIN ISO 15 (Wälzlager), FAG/SKF-äquivalent Bei erhöhten Vibrationen (> 7.1 mm/s), Temperaturanstieg (> 90°C) oder hörbaren Geräuschen. Lagertechnik / Lager
Schmierstoffe (Industrieöl, Fett) ISO VG-Klasse nach Anwendungsbereich, mineralisch/synthetisch Gemäß Wartungsplan oder bei Verschmutzung/Alterung. Wartungsbedarf / Schmierstoffe
Abstreifer / Bürsten Material und Härte passend zum Fördergut Bei unzureichender Reinigungsleistung oder sichtbarem Verschleiß. Reinigungszubehör / Abstreifer

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11. Referenzen

  • DIN EN ISO 14118: Sicherheit von Maschinen – Vermeidung von unerwartetem Anlauf.
  • DIN EN 166: Persönlicher Augenschutz.
  • DIN EN ISO 20345: Persönliche Schutzausrüstung – Sicherheitsschuhe.
  • DIN EN 388: Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken.
  • DIN EN 352: Gehörschutz.
  • DIN ISO 606: Kurzgliedrige Präzisions-Rollenketten und Buchsenketten.
  • DIN ISO 10816-3: Messung und Beurteilung von Maschinenschwingungen.
  • DIN 3960: Toleranzen für Stirnradverzahnungen.
  • ISO VG-Klassifikation von Schmierstoffen.
  • Original-Bedienungs- und Wartungshandbücher des Fördererherstellers.

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