Diagnose und Behebung von Taupunktüberschreitungen bei Kältemittel-Drucklufttrocknern

Technical analysis: Troubleshooting compressed air dryer dewpoint excursions: refrigerant charge, heat exchanger fouling

1. Problembeschreibung & Anwendungsbereich

Diese Anleitung dient der systematischen Diagnose und Behebung von Taupunktüberschreitungen in Kältemittel-Drucklufttrocknern, welche die Druckluftqualität gemäß DIN EN ISO 8573-1 beeinträchtigen. Betroffen sind alle gängigen Kältemittel-Drucklufttrockner-Typen, die in industriellen Fertigungsprozessen eingesetzt werden. Eine erhöhte Taupunktemperatur am Trocknerausgang (üblicherweise über +3 °C bei Druckatmosphäre) ist ein kritisches Symptom, das zu Funktionsstörungen von Pneumatikkomponenten, Korrosion in Rohrleitungen und Qualitätseinbußen in der Endproduktfertigung führen kann. Die Ursachen können vielfältig sein, von Kältemittelfüllstandsproblemen über Wärmetauscherverschmutzung bis hin zu Fehlfunktionen von Kondensatablassventilen oder nicht angepasster Last.

2. Sicherheitsvorkehrungen

ACHTUNG! Vor Beginn jeglicher Arbeiten am Drucklufttrockner müssen strikte Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden, um Personenschäden und Anlagenausfälle zu vermeiden.

  • Verriegeln und Kennzeichnen (Lockout/Tagout – LOTO): Alle Energiequellen (elektrisch, pneumatisch, mechanisch) müssen gemäß VDE 0105-100 und Maschinenrichtlinie 2006/42/EG isoliert, spannungsfrei geschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert werden. Vergewissern Sie sich, dass keine Restenergie vorhanden ist.
  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Tragen Sie immer Schutzbrille (DIN EN 166), Schutzhandschuhe (DIN EN 388), Sicherheitsschuhe (DIN EN ISO 20345) und gegebenenfalls Gehörschutz (DIN EN 352). Bei Kontakt mit Kältemitteln sind spezielle Kälteschutzhandschuhe und Gesichtsschutz erforderlich.
  • Gefahr durch Druckluft: Restdruck in Rohrleitungen muss vor dem Öffnen entlüftet werden. Druckluft kann schwere Verletzungen verursachen.
  • Gefahr durch Kältemittel: Kältemittel stehen unter Druck und können bei Austritt Erfrierungen oder Erstickungsgefahr in unbelüfteten Räumen verursachen. Arbeiten am Kältekreislauf dürfen nur von zertifiziertem Fachpersonal (Kategorie I gemäß DIN EN 13313) durchgeführt werden.
  • Heiße Oberflächen: Bestimmte Komponenten können während des Betriebs hohe Temperaturen erreichen. Vorsicht vor Verbrennungen.

3. Erforderliche Diagnosewerkzeuge

Die korrekte Diagnose erfordert den Einsatz spezifischer Mess- und Prüfgeräte:

Werkzeug Spezifikation / Modell Messbereich Zweck
Digitales Multimeter VDE 0413 konform, CAT III 1000V Spannung: 0-1000V AC/DC, Strom: 0-10A AC/DC, Widerstand: 0-40 MΩ Überprüfung elektrischer Komponenten (Schütze, Relais, Kompressor, Ventile), Sensorfunktionalität.
Kältemittel-Manometer-Set DIN EN 378 konform, für gängige Kältemittel (z.B. R134a, R404a, R407c, R513A) Druck: -1 bis 40 bar (Niederdruck), 0 bis 60 bar (Hochdruck) Messung von Saug- und Verflüssigungsdruck im Kältekreislauf zur Bestimmung der Kältemittelfüllung und Funktion der Komponenten.
Infrarot-Thermometer Messbereich -50 °C bis +500 °C, Emissionsgrad einstellbar Temperatur: -50 °C bis +500 °C, Genauigkeit +/- 1.5 °C Oberflächentemperaturmessung an Wärmetauschern, Kältemittelleitungen, Kompressor.
Drucktaupunktmessgerät DIN EN ISO 8573-1 konform, mit Messzelle Drucktaupunkt: -80 °C bis +20 °C Präzise Messung des Drucktaupunktes am Trocknereingang und -ausgang zur Überprüfung der Trocknerleistung.
Stromzange VDE 0413 konform, CAT III 600V Strom: 0-400A AC/DC Messen des Stromverbrauchs des Kältekompressors zur Beurteilung der Motorlast und Effizienz.
Lecksuchgerät für Kältemittel Nach DIN EN 14624 Empfindlichkeit: < 5 g/Jahr Ortung von Kältemittellecks.
Endoskop (optional) Flexible Sonde, Durchmesser 6-10 mm N/A Visuelle Inspektion schwer zugänglicher Bereiche im Wärmetauscher.

4. Checkliste zur Erstbeurteilung

Führen Sie vor der eigentlichen Diagnose eine sorgfältige Erstbeurteilung durch, um wichtige Betriebsinformationen zu erfassen:

Überprüfungspunkt Beobachtung / Wert Zustand / Bemerkungen
Umgebungstemperatur Aktueller Wert in °C Optimal: +5 °C bis +40 °C. Außerhalb dieses Bereichs?
Druckluft-Eintrittstemperatur Trockner Aktueller Wert in °C Optimal: < +45 °C. Hohe Temperaturen können Trockner überlasten.
Druckluftvolumenstrom Aktueller Wert in m³/h oder l/s Vergleich mit Auslegungsdaten des Trockners. Überlastung?
Systemdruck Aktueller Wert in bar (z.B. 7 bar) Stabilität des Drucks. Schwankungen?
Anzeige am Trockner-Bedienfeld Alle Fehlercodes, Warnungen, aktuelle Betriebsdaten (Taupunkt, Drücke, Temperaturen) Protokollieren Sie alle angezeigten Meldungen.
Visuelle Inspektion Leckagen (Öl, Wasser, Kältemittel), Vereisung, ungewöhnliche Geräusche/Gerüche, Verschmutzung am Kondensator. Fotodokumentation bei Auffälligkeiten.
Wartungshistorie Letzte Wartungen, Filterwechsel, Kältemittelprüfungen. Gab es kürzlich Eingriffe, die das Problem ausgelöst haben könnten?

5. Systematischer Diagnosefluss

Dieser Entscheidungsbaum leitet Sie durch die Diagnose einer Taupunktüberschreitung:

  1. Symptom: Drucktaupunkt am Ausgang des Trockners ist > +3 °C.
    1. Prüfung des Kältekreislaufs:
      1. Kältemittel-Saugdruck prüfen (Manometer):
        • IF Saugdruck zu niedrig (z.B. < 2 bar für R134a bei +3 °C Verdampfung):
          Probable Ursache: Kältemittelmangel oder Expansionsventil defekt/blockiert.

          1. Kältemittellecksuche durchführen (Lecksuchgerät).
          2. Sichtprüfung Expansionsventil auf Vereisung oder Verschmutzung.
        • IF Saugdruck zu hoch (z.B. > 4 bar für R134a bei +3 °C Verdampfung):
          Probable Ursache: Kältekompressor defekt oder Bypass-Ventil blockiert/falsch eingestellt.

          1. Stromaufnahme Kompressor messen (Stromzange).
          2. Funktion des Heißgas-Bypass-Ventils prüfen.
        • IF Saugdruck normal:
          Weiter mit Verflüssigungsdruckprüfung.
      2. Kältemittel-Verflüssigungsdruck prüfen (Manometer):
        • IF Verflüssigungsdruck zu niedrig:
          Probable Ursache: Kältemittelmangel oder Verflüssiger-Lüfter defekt (führt aber meist zu Saugdruckanstieg).
        • IF Verflüssigungsdruck zu hoch (z.B. > 16 bar für R134a bei +40 °C Umgebung):
          Probable Ursache: Verflüssiger verschmutzt, Lüfter defekt/blockiert oder Umgebungstemperatur zu hoch.

          1. Sichtprüfung Verflüssiger auf Verschmutzung.
          2. Funktion Verflüssiger-Lüfter prüfen (elektrisch, mechanisch).
          3. Umgebungstemperatur prüfen (Infrarot-Thermometer).
    2. Prüfung des Wärmetauschers (Verdampfer):
      1. Temperaturen am Verdampfer messen (Infrarot-Thermometer):
        • IF Temperaturdifferenz zwischen Eintritt Druckluft und Kältemittel zu gering:
          Probable Ursache: Wärmetauscher intern verschmutzt oder vereist.

          1. Sichtprüfung auf externe Vereisung am Verdampfer (oft bei Kältemittelmangel).
          2. Endoskopie bei Verdacht auf interne Verschmutzung.
    3. Prüfung des Kondensatablassventils:
      1. Funktion prüfen (akustisch, visuell):
        • IF Ventil dauerhaft offen, geschlossen oder undicht:
          Probable Ursache: Kondensatablassventil defekt, verschmutzt oder blockiert.

          1. Manuelle Betätigung prüfen.
          2. Reinigung oder Austausch.
        • IF Ventil korrekt funktioniert:
          Weiter mit Lastanpassung.
    4. Prüfung der Lastanpassung:
      1. Druckluftvolumenstrom mit Auslegungsdaten vergleichen:
        • IF Volumenstrom deutlich unter Nennleistung:
          Probable Ursache: Unterlastbetrieb, Kältekompressor läuft zu lange/kalt, Heißgas-Bypass-Ventil falsch eingestellt.

          1. Einstellung des Heißgas-Bypass-Ventils prüfen/justieren.
        • IF Volumenstrom deutlich über Nennleistung:
          Probable Ursache: Überlastbetrieb, Trockner zu klein dimensioniert.

          1. Dimensionierung des Trockners prüfen.

6. Fehler-Ursachen-Matrix

Diese Matrix fasst Symptome, wahrscheinliche Ursachen und Diagnosetests zusammen:

Symptom Wahrscheinliche Ursachen (nach Wahrscheinlichkeit) Diagnosetest Erwartetes Ergebnis bei Bestätigung
Drucktaupunkt > +3 °C
  1. Kältemittelmangel (hoch)
  2. Verflüssiger verschmutzt (hoch)
  3. Kondensatablassventil defekt/blockiert (mittel)
  4. Kältekompressor defekt (mittel)
  5. Wärmetauscher intern verschmutzt/vereist (mittel)
  6. Trockner über-/unterlastet (mittel)
  7. Expansionsventil defekt (niedrig)
  • Kältemitteldruckmessung (Saug-/Verflüssigungsdruck)
  • Sichtprüfung Verflüssiger
  • Funktionstest Kondensatablassventil
  • Strommessung Kompressor
  • Temperaturmessung am Verdampfer
  • Vergleich Volumenstrom mit Auslegung
  • Niedriger Saugdruck, ggf. Vereisung
  • Hoher Verflüssigungsdruck, hoher Temperaturgradient
  • Kondensat läuft permanent ab oder gar nicht
  • Keine/geringe Stromaufnahme, Kompressor läuft nicht/unrund
  • Geringe Temperaturdifferenz zwischen Druckluft und Kältemittel
  • Volumenstrom deutlich ± Nennwert
Kältekompressor läuft dauerhaft
  1. Kältemittelmangel (hoch)
  2. Kondensatablassventil defekt/blockiert (mittel)
  3. Wärmetauscher intern verschmutzt (mittel)
  • Kältemitteldruckmessung
  • Funktionstest Kondensatablassventil
  • Temperaturmessung am Verdampfer
  • Niedriger Saugdruck
  • Kondensat läuft permanent ab oder gar nicht
  • Geringe Temperaturdifferenz
Vereisung am Verdampfer
  1. Kältemittelmangel (hoch)
  2. Expansionsventil blockiert (mittel)
  • Kältemitteldruckmessung
  • Sichtprüfung Expansionsventil
  • Niedriger Saugdruck
  • Expansionsventil vereist/blockiert

7. Grundursachenanalyse für jede Störung

7.1 Kältemittelmangel im Kältekreislauf

Warum es passiert: Kältemittelmangel ist die häufigste Ursache für erhöhte Taupunkte. Er entsteht durch undichte Stellen im Kältekreislauf, oft an Lötstellen, Verschraubungen oder Wellendurchführungen des Kompressors. Ein geringerer Kältemittelfüllstand führt zu einem reduzierten Massestrom, was eine unzureichende Wärmeaufnahme im Verdampfer zur Folge hat. Die Verdampfungstemperatur steigt, wodurch der Drucktaupunkt nicht erreicht werden kann.

Wie es bestätigt wird: Messung des Saug- und Verflüssigungsdrucks mit dem Kältemittel-Manometer-Set. Ein Saugdruck, der deutlich unter dem für das verwendete Kältemittel und die Verdampfungstemperatur (z.B. +3 °C) spezifizierten Wert liegt, ist ein klares Indiz. Zusätzliche Bestätigung durch Lecksuche mit einem elektronischen Lecksuchgerät. Bei R134a sollte der Saugdruck bei einer Verdampfungstemperatur von ca. +3 °C etwa 2,5 bis 3 bar betragen. Abweichungen > 0,5 bar sind kritisch.

Welchen Schaden es verursacht: Dauerhaft zu geringe Kältemittelfüllung führt zu Überhitzung des Kältekompressors und kann dessen mechanischen Ausfall (Lager, Wicklungsschaden) verursachen. Dies resultiert in teuren Reparaturen und langen Stillstandszeiten. Zudem wird die Druckluftqualität permanent unterschritten.

7.2 Wärmetauscher (Verflüssiger/Verdampfer) Verschmutzung

Warum es passiert: Verschmutzung des Verflüssigers (Außenseite) mit Staub, Fasern oder Ölfilmen reduziert die Wärmeabgabe an die Umgebungsluft. Dies führt zu einem Anstieg des Verflüssigungsdrucks und der Verflüssigungstemperatur, wodurch der Kältekompressor gegen einen höheren Druck arbeiten muss und die Effizienz sinkt. Eine interne Verschmutzung des Verdampfers (wasserseitig) mit Öl, Rostpartikeln oder Biofilmen beeinträchtigt den Wärmeübergang von der Druckluft zum Kältemittel, wodurch die Druckluft nicht ausreichend abgekühlt wird und der Taupunkt steigt.

Wie es bestätigt wird:

  • Verflüssiger: Sichtprüfung auf Verschmutzung der Lamellen. Messung der Temperaturdifferenz zwischen Lufteintritt und -austritt am Verflüssiger. Ein geringer Temperaturunterschied bei hohem Verflüssigungsdruck deutet auf unzureichende Wärmeabfuhr hin.
  • Verdampfer: Messung der Temperatur der eintretenden Druckluft und der Verdampfungstemperatur des Kältemittels. Eine zu geringe Temperaturdifferenz (< 5 °C) bei ansonsten intaktem Kältekreislauf deutet auf eine interne Verschmutzung hin.

Welchen Schaden es verursacht: Erhöhter Energieverbrauch des Kältekompressors durch höhere Drücke. Bei starker Verschmutzung kann der Kompressor überhitzen und Schaden nehmen. Die konstante Taupunktüberschreitung führt zu feuchter Druckluft und den damit verbundenen Schäden an nachgeschalteten Systemen.

7.3 Defektes Kondensatablassventil

Warum es passiert: Das Kondensatablassventil (mechanisch oder elektronisch) ist dafür zuständig, das abgeschiedene Wasser aus dem Trockner abzuführen. Ein defektes (dauerhaft offen, geschlossen oder undichtes) Ventil führt zu Problemen. Ist es dauerhaft offen, entweicht Druckluft unkontrolliert, was zu Druckabfall und erhöhtem Kompressorlauf führt. Ist es blockiert oder geschlossen, sammelt sich Wasser im Verdampfer, reduziert die Kühloberfläche und kann vom Luftstrom mitgerissen werden, was den Taupunkt massiv erhöht.

Wie es bestätigt wird: Akustische Kontrolle: hört man ein dauerhaftes Zischen, ist es offen. Visuelle Kontrolle: tritt permanent Kondensat aus, ist es offen. Prüfen, ob bei geöffnetem Bypassventil überhaupt Kondensat abgeleitet wird. Bei elektronischen Ventilen elektrische Ansteuerung prüfen (Multimeter).

Welchen Schaden es verursacht: Dauerhaft offenes Ventil führt zu massiven Energieverlusten durch entweichende Druckluft. Blockiertes Ventil führt zu Wassereintrag ins Druckluftnetz, erhöhtem Verschleiß von pneumatischen Komponenten und Korrosion.

7.4 Unzureichende Lastanpassung (Über-/Unterlast)

Warum es passiert: Drucklufttrockner sind für einen bestimmten Volumenstrom ausgelegt. Bei Überlast (Druckluftvolumenstrom > Nennleistung) ist die Kontaktzeit der Druckluft mit dem Kältemittel im Verdampfer zu kurz, um die gewünschte Abkühlung und damit den Taupunkt zu erreichen. Bei Unterlast (Druckluftvolumenstrom < Nennleistung) kann es zu einer zu starken Abkühlung kommen, die den Heißgas-Bypass nicht richtig arbeiten lässt oder sogar zu Vereisung führen kann, wenn die Steuerung nicht optimal funktioniert. Dies führt dann ebenfalls zu einem ineffizienten Betrieb und möglichen Taupunktproblemen.

Wie es bestätigt wird: Vergleich des gemessenen Druckluftvolumenstroms (z.B. mittels Durchflussmessung im Druckluftnetz) mit den technischen Daten des Trockners. Bei Unterlast kann zudem die Verdampfungstemperatur zu niedrig sein, was zu Vereisung führt, obwohl der Taupunkt noch nicht massiv erhöht ist, aber der Betrieb instabil ist.

Welchen Schaden es verursacht: Überlast führt direkt zu permanent zu hohem Taupunkt. Unterlast kann zu Vereisung des Verdampfers führen, der wiederum den Druckluftstrom blockiert oder beschädigt. Beides verursacht unnötigen Energieverbrauch und schlechte Druckluftqualität.

8. Schritt-für-Schritt-Behebungsverfahren

8.1 Kältemittelmangel beheben

  1. Sicherheit zuerst: Trockner gemäß LOTO-Protokoll sichern (Abschnitt 2).
  2. Leckage orten: Verwenden Sie ein zertifiziertes Kältemittel-Lecksuchgerät, um die genaue Leckstelle zu identifizieren. Überprüfen Sie alle Lötstellen, Verschraubungen, Ventile und den Kompressor auf Undichtigkeiten.
  3. Leckage beheben: Die Leckstelle fachgerecht reparieren (z.B. nachlöten, Dichtung ersetzen). Dies darf nur von zertifiziertem Fachpersonal nach DIN EN 378 erfolgen.
  4. Evakuieren: Den Kältekreislauf gründlich evakuieren (Vakuumpumpe) bis ein Endvakuum von < 200 µbar (0,2 mbar) erreicht und für mindestens 30 Minuten gehalten wird. Dies entfernt Feuchtigkeit und nicht-kondensierbare Gase.
  5. Kältemittel neu befüllen: Kältemittel gemäß Herstellervorgaben (in Gramm oder kg) über eine Waage in flüssiger Phase (wenn möglich) nachfüllen. Den genauen Fülldruck und die Füllmenge beachten (z.B. R134a: Füllmenge laut Typenschild, Saugdruck ca. 2,5-3 bar bei +3 °C Verdampfung).
  6. Funktionstest: Trockner unter Last in Betrieb nehmen und den Drucktaupunkt sowie die Kältemitteldrücke über einen längeren Zeitraum überwachen.

8.2 Wärmetauscher reinigen

  1. Sicherheit zuerst: Trockner gemäß LOTO-Protokoll sichern (Abschnitt 2).
  2. Verflüssiger (extern) reinigen:
    • Säubern Sie die Lamellen des Verflüssigers vorsichtig mit Druckluft (max. 6 bar, von innen nach außen blasen) oder einer weichen Bürste.
    • Bei starker Verölung kann ein geeignetes, nicht-korrosives Reinigungsmittel verwendet werden, das gründlich abgespült wird.
  3. Verdampfer (intern) reinigen:
    • Bei Verdacht auf interne Verschmutzung muss der Trockner demontiert und der Verdampfer mit speziellen Reinigungslösungen gespült werden. Beachten Sie die Herstellervorgaben und verwenden Sie nur zugelassene Reinigungsmittel.
    • Nach der Reinigung muss der Verdampfer gründlich gespült und getrocknet werden.
  4. Funktionstest: Nach der Montage den Trockner in Betrieb nehmen und die Drücke, Temperaturen und den Taupunkt überwachen. Die Temperaturdifferenz am Verdampfer sollte sich verbessern.

8.3 Kondensatablassventil instand setzen/ersetzen

  1. Sicherheit zuerst: Trockner gemäß LOTO-Protokoll sichern, insbesondere Restdruck im Druckluftsystem entlüften (Abschnitt 2).
  2. Ventil prüfen: Manuelle Betätigung des Ventils prüfen. Bei elektronischen Ventilen die elektrische Ansteuerung mit dem Multimeter prüfen (Spannung vorhanden?).
  3. Reinigen: Bei mechanischen oder zeitgesteuerten Ventilen oft durch Verschmutzung blockiert. Demontieren und gründlich reinigen. Vergewissern Sie sich, dass keine Fremdkörper die Funktion behindern.
  4. Ersetzen: Wenn das Ventil defekt oder undicht ist und eine Reinigung nicht ausreicht, muss es durch ein original Ersatzteil oder ein kompatibles Ventil mit gleicher Spezifikation ersetzt werden. Achten Sie auf korrekte Dimensionierung und Anschlussgewinde.
  5. Funktionstest: Nach Installation den Trockner wieder in Betrieb nehmen und die Funktion des Kondensatablassventils akustisch und visuell überprüfen. Es sollte nur Kondensat und keine Druckluft entweichen.

8.4 Lastanpassung optimieren

  1. Volumenstrom überprüfen: Den tatsächlichen Druckluftvolumenstrom mit einer geeigneten Messvorrichtung über einen repräsentativen Zeitraum erfassen.
  2. Trocknerdimensionierung prüfen: Vergleichen Sie den gemessenen Volumenstrom mit der Nennleistung des Trockners.
  3. Maßnahmen bei Überlast:
    • Druckluftverbrauch reduzieren: Optimierung von Prozessen, Leckagebeseitigung im Druckluftnetz.
    • Trockner ersetzen: Bei dauerhafter Überlast ist der Einbau eines größer dimensionierten Trockners erforderlich.
  4. Maßnahmen bei Unterlast:
    • Heißgas-Bypass-Ventil justieren: Bei einigen Trocknermodellen kann das Heißgas-Bypass-Ventil manuell oder über die Steuerung neu justiert werden, um eine stabilere Verdampfungstemperatur zu gewährleisten und Vereisung zu verhindern. Beachten Sie die Herstellervorgaben.
    • Trockner anpassen: Ist der Trockner stark überdimensioniert, kann auch hier ein Austausch gegen ein kleineres Modell energieeffizienter sein.
  5. Überwachung: Nach Anpassung den Drucktaupunkt kontinuierlich überwachen und den Trocknerbetrieb auf Stabilität prüfen.

9. Vorbeugende Maßnahmen

Präventive Wartung ist entscheidend, um Taupunktüberschreitungen zu vermeiden und die Lebensdauer des Trockners zu verlängern:

Grundursache Präventionsstrategie Überwachungsmethode Empfohlenes Intervall
Kältemittelmangel Regelmäßige Dichtheitsprüfung des Kältekreislaufs Kältemittel-Lecksuchgerät (DIN EN 14624) Jährlich (Betrieb nach F-Gase-Verordnung)
Verflüssiger verschmutzt Regelmäßige Reinigung des Verflüssigers Sichtprüfung, Temperaturdifferenzmessung am Verflüssiger Monatlich bis Quartalsweise (je nach Umgebung)
Kondensatablassventil defekt/blockiert Regelmäßige Funktionsprüfung und Reinigung des Kondensatablassventils Akustische/visuelle Kontrolle, manuelle Betätigung Wöchentlich bis Monatlich
Wärmetauscher intern verschmutzt Vorfilterung der Druckluft verbessern, regelmäßige Spülung/Reinigung gemäß Hersteller Druckluft-Eintrittsfilterprüfung, Endoskopie Jährlich (Filterwechsel), 2-3 Jahre (Spülung)
Trockner über-/unterlastet Kontinuierliche Überwachung des Druckluftverbrauchs, Anpassung der Trocknergröße bei Bedarfsänderung Durchflussmessung, Taupunktüberwachung Quartalsweise (Verbrauch), bei Prozessänderungen

10. Ersatzteile & Komponenten

Für eine schnelle Instandsetzung ist die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Ersatzteilen entscheidend. Alle genannten Teile entsprechen den relevanten DIN/ISO-Normen.

Teilbeschreibung Spezifikation Wann zu ersetzen UNITEC Kategorie
Kältemittel R134a, R404a, R407c, R513A (gemäß Herstellervorgabe) Nach Leckagebehebung und Evakuierung Kältetechnik
Kondensatablassventil (elektronisch) Potentialfreier Kontakt, 230V AC, Nennweite DN 15-25 Bei Defekt, Undichtigkeit oder permanenter Blockade Druckluftaufbereitung
Kondensatablassventil (mechanisch) Schwimmergesteuert, max. 16 bar, Nennweite DN 15-25 Bei Defekt, Undichtigkeit oder permanenter Blockade Druckluftaufbereitung
Drucksensor Kältemittel 0-40 bar, 4-20mA Ausgang, G1/4″ Anschluss Bei fehlerhafter Druckanzeige oder Ausfall Sensoren
Temperatursensor Kältemittel/Druckluft PT100/PT1000, 4-20mA Ausgang Bei fehlerhafter Temperaturanzeige oder Ausfall Sensoren
Luftfilter für Verflüssigerlüfter G4 (DIN EN 779) / ISO Coarse 60% (ISO 16890), Abmessung X x Y mm Bei sichtbarer Verschmutzung oder alle 6-12 Monate Druckluftaufbereitung
Heißgas-Bypass-Ventil Thermostatisches Expansionsventil, Kapillarlänge X mm Bei Fehlfunktion oder Nichterreichen des Soll-Taupunktes bei Unterlast Kältetechnik
Kältemittel-Trocknerfilter Hermetisch, für spezifisches Kältemittel, Anschlussgrößen Nach jeder Öffnung des Kältekreislaufs Kältetechnik

Alle Ersatzteile finden Sie in unserem E-Katalog: www.unitecd.com/e-catalog/

11. Referenzen

  • DIN EN ISO 8573-1: Druckluft – Teil 1: Verunreinigungen und Reinheitsklassen.
  • DIN EN 378: Kälteanlagen und Wärmepumpen – Sicherheitstechnische und umweltrelevante Anforderungen.
  • VDI 3832: Schwingungsdiagnose von Verdichtern und Gebläsen.
  • VDE 0105-100: Betrieb von elektrischen Anlagen.
  • Maschinenrichtlinie 2006/42/EG: Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über Maschinen.
  • Herstellerspezifische Wartungsanleitungen und Servicehandbücher für den jeweiligen Drucklufttrockner.
  • UNITEC Wartungsanleitungen: Filterwechsel für Druckluftsysteme, Diagnose von Druckluftkompressoren.

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