1. Problembeschreibung & Anwendungsbereich
Dieser Diagnoseleitfaden richtet sich an Wartungstechniker, Instandhaltungsleiter und Zuverlässigkeitsingenieure in der produzierenden Industrie im DACH-Raum. Er behandelt systematisch die häufigsten Ursachen für einen reduzierten Förderstrom oder das vollständige Ausbleiben der Förderung bei Kreiselpumpen. Betroffene Anlagentypen umfassen Prozesspumpen in Chemie, Nahrungsmittel, Automobil- und Energieanlagen sowie Kühlwassersysteme.
Symptome:
- Signifikant reduzierter Förderstrom
- Kein Förderstrom trotz laufender Pumpe
- Erhöhter Geräuschpegel und Vibrationen
- Schwankender Druck auf der Saug- oder Druckseite
- Überhitzung der Pumpe oder des Motors
- Veränderter Stromverbrauch des Motors
Die Nichtbehebung dieser Probleme kann zu kritischen Anlagenausfällen, erhöhtem Energieverbrauch, vorzeitigem Verschleiß und erheblichen Produktionsausfällen führen. Die Klassifizierung der Schwere ist in der Regel als kritisch einzustufen, wenn die Produktion beeinträchtigt ist, oder major bei drohendem Anlagenschaden.
2. Sicherheitsvorkehrungen
WARNUNG: Vor Beginn jeglicher Diagnose- oder Wartungsarbeiten an Kreiselpumpen sind zwingend die folgenden Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um schwere Verletzungen oder tödliche Unfälle zu verhindern. Nichtbeachtung führt zu höchstem Risiko für Personen und Anlagen.
- Anlagenstillstand und Freischaltung: Gemäß DIN EN ISO 14118 ist die Anlage vollständig stillzusetzen, die Pumpe elektrisch spannungsfrei zu schalten (Abschalten, Sperren, Kennzeichnen gemäß VDE 0105-100) und gegen Wiedereinschalten zu sichern (Lockout/Tagout-Verfahren).
- Restenergie: Beachten Sie stets die Möglichkeit gespeicherter Energie in Druckleitungen, Kondensatoren (bei Frequenzumrichtern) und rotierenden Massen. Vor dem Öffnen von Leitungen ist der Druck vollständig abzubauen.
- Mediumhandling: Bei aggressiven, heißen, toxischen oder explosiven Medien sind entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen (z.B. Entleeren, Spülen, Belüften). Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gemäß VDI 2242 ist zu tragen (Schutzbrille, Handschuhe, Sicherheitsschuhe, ggf. Atemschutz).
- Heißflächen: Pumpengehäuse und Motoren können hohe Temperaturen erreichen. Vorsicht beim Berühren.
- Drehende Teile: Sicherstellen, dass alle Schutzabdeckungen angebracht sind, bevor die Pumpe in Betrieb genommen wird.
3. Erforderliche Diagnosewerkzeuge
| Werkzeug | Spezifikation / Modell | Messbereich | Zweck |
|---|---|---|---|
| Multimeter | CAT III 1000 V, Echteffektiv (TRMS) | Spannung: bis 1000 V AC/DC, Strom: bis 10 A AC/DC, Widerstand: bis 40 MΩ | Messung von Motorspannung und -strom, Wicklungswiderstand, Durchgangsprüfung |
| Infrarot-Thermometer / Wärmebildkamera | Messbereich -20 °C bis 500 °C, Emissionsgrad einstellbar | Genauigkeit ±2 °C oder ±2 % | Erkennung von Überhitzung (Lager, Motor, Gehäuse), Hotspots in der Elektrik |
| Vibrationsmessgerät | Beschleunigung: 0,1-200 m/s², Geschwindigkeit: 0,1-2000 mm/s | Frequenzbereich: 10 Hz – 1 kHz | Erkennung von Unwucht, Lagerschäden, Fehlausrichtung, Kavitation (als hochfrequente Vibration) |
| Druckmessgerät | Differenzdruckmanometer, analog/digital | -1 bis 25 bar (Saugseite), 0 bis 60 bar (Druckseite) | Überprüfung von Saug- und Druckdruck, Differenzdruck über Filter |
| Durchflussmessgerät | Ultraschall-Clamp-On, elektromagnetisch | Abhängig vom Rohrdurchmesser und Medium, typ. 0,1 – 10 m/s | Verifizierung des tatsächlichen Förderstroms |
| Stethoskop / Akustisches Messgerät | Mechanisches Stethoskop oder elektronisches Horchgerät | Hörbereich 20 Hz – 20 kHz | Lokalisierung von ungewöhnlichen Geräuschen (Kavitation, Lagergeräusche) |
| Laser-Ausrichtgerät | Messgenauigkeit 0,01 mm | Messbereich bis 3 m | Überprüfung und Korrektur der Wellenfehlausrichtung zwischen Pumpe und Motor |
| Digitale Stoppuhr | Genauigkeit 0,01 s | Messen von Entleerzeiten für Volumenstromabschätzung |
4. Checkliste zur Initialen Beurteilung
Bevor Sie mit der detaillierten Diagnose beginnen, dokumentieren Sie sorgfältig die nachfolgenden Punkte.
| Observation / Messung | Dokumentation / Prüfpunkt | Sollwert / Akzeptanzbereich |
|---|---|---|
| Pumpendaten | Hersteller, Typ, Nennförderstrom (m³/h), Nenndruck (bar), Nenndrehzahl (U/min), Leistungsaufnahme (kW) | Typenschilddaten |
| Betriebsbedingungen | Aktueller Förderstrom (m³/h), Saugdruck (bar), Druckdruck (bar), Mediumstemperatur (°C), Mediumsviskosität (cSt), Füllstand Saugbehälter | Prozessvorgaben |
| Motorstromaufnahme | Strom (A) pro Phase, Spannung (V) | Nennstrom ±5%, Nennspannung ±10% |
| Geräusche und Vibrationen | Art der Geräusche (Rasseln, Zischen, Knistern), spürbare Vibrationen am Pumpengehäuse/Lager | Leise, gleichmäßig; Schwinggeschwindigkeit < 4,5 mm/s (effektiv, gemäß DIN ISO 10816) |
| Leckagen | Sichtprüfung Wellendichtung, Flanschverbindungen, Gehäuse | Keine Leckagen |
| Alarmhistorie | Anlagendokumentation, Leitsystemprotokolle der letzten 24-48 Stunden | Keine relevanten Voralarmmeldungen |
| Wartungsgeschichte | Letzte Wartungsarbeiten, Reparaturen, Austausch von Komponenten | Relevant für die Ursachenfindung |
| Medien-Sichtprüfung | Trübung, Schaumbildung, Verfärbung des Fördermediums | Klar, homogen, ohne Einschlüsse |
| Ventilstellungen | Saug- und Druckschieber vollständig geöffnet? By-Pass-Ventile geschlossen? | Gemäß Betriebsvorgabe |
5. Systematischer Diagnose-Flussplan
Dieser Entscheidungsbaum leitet Sie durch die Diagnose von Förderstromproblemen.
- Start: Förderstrom unzureichend oder fehlend?
- Pumpe läuft, aber kein oder wenig Förderstrom?
- Pumpe erzeugt abnormale Geräusche (Rasseln, Knistern) und Vibrationen?
- JA:
- Überprüfen Sie den Saugdruck. Liegt er unter dem kritischen NPSHR-Wert oder ist er sehr niedrig/schwankend?
- JA: Probable Ursache: Kavitation. Gehe zu Schritt 7a (Kavitation).
- NEIN: Könnte auch fortgeschrittener Laufradverschleiß oder Luftsack sein, da Geräusche und Vibrationen auch hier auftreten können. Fahren Sie mit der Überprüfung fort.
- Überprüfen Sie den Saugdruck. Liegt er unter dem kritischen NPSHR-Wert oder ist er sehr niedrig/schwankend?
- NEIN: Geräusche unauffällig, aber kein Förderstrom?
- Fördermedium mit sichtbaren Lufteinschlüssen oder Schaum?
- JA: Probable Ursache: Lufteinschluss / Ansaugprobleme (Leckagen). Gehe zu Schritt 7c (Luft im Pumpengehäuse) oder 7d (Saugseitige Probleme).
- NEIN:
- Saug- und Druckseite der Pumpe heiß?
- JA: Probable Ursache: Luftsack / Überhitzung. Pumpe versuchen zu entlüften. Gehe zu Schritt 7c.
- NEIN:
- Fördermedium mit sichtbaren Lufteinschlüssen oder Schaum?
- JA:
- Pumpe läuft ruhig, aber kein oder wenig Förderstrom?
- Überprüfen Sie die manometrischen Werte (Saug- und Druckdruck).
- Saugdruck normal, Druckdruck niedrig oder 0 bar: Probable Ursache: Interner Kurzschluss / Laufradverschleiß / Rückschlagventil. Gehe zu Schritt 7b (Laufradverschleiß) oder Überprüfung Rückschlagventil.
- Saugdruck sehr niedrig / Vakuum zu hoch, Druckdruck niedrig: Probable Ursache: Saugseitige Probleme (Verstopfung, Ansaugleckage, NPSH-Problem). Gehe zu Schritt 7d (Saugseitige Probleme).
- Saugdruck und Druckdruck beide normal, aber Förderstrom fehlt: Probable Ursache: Blockiertes Laufrad / Rohrleitungsverstopfung (sehr selten). Pumpe abschalten und überprüfen.
- Motorstromaufnahme prüfen.
- Motorstromaufnahme deutlich unterhalb des Nennstroms: Probable Ursache: Kein Medium / Luftsack / Kavitation / Laufrad lose. Gehe zu Schritt 7a, 7c oder 7d.
- Motorstromaufnahme normal oder leicht erhöht: Probable Ursache: Systemkennlinie falsch / Laufradverschleiß. Gehe zu Schritt 7b oder 7e.
- Überprüfen Sie die manometrischen Werte (Saug- und Druckdruck).
- Pumpe erzeugt abnormale Geräusche (Rasseln, Knistern) und Vibrationen?
- Pumpe läuft nicht an oder schaltet ab?
- Elektrische Versorgung prüfen (Sicherung, Schalter, Motorschutzschalter).
- Elektrisches Problem: Probable Ursache: Motor defekt, Frequenzumrichter defekt, Verdrahtung. Kontaktieren Sie einen Elektrofachmann.
- Mechanische Blockade (Motor brummt, aber dreht nicht): Probable Ursache: Laufrad blockiert / Lager fest. Pumpe freischalten und manuell versuchen, die Welle zu drehen.
- Elektrische Versorgung prüfen (Sicherung, Schalter, Motorschutzschalter).
- Pumpe läuft, aber kein oder wenig Förderstrom?
6. Fehler-Ursachen-Matrix
| Symptom | Probable Ursachen (Rangfolge) | Diagnosetest | Erwartetes Ergebnis bei Bestätigung der Ursache |
|---|---|---|---|
| Reduzierter Förderstrom, laute Knister- / Rassengeräusche, Vibrationen | 1. Kavitation 2. Laufradverschleiß 3. Saugseitige Verstopfung |
Messung des Saugdrucks am Pumpeneintritt, visuelle Prüfung des Laufrades nach Demontage, Untersuchung des Saugkorbs | Saugdruck zu niedrig (< NPSHerf), Blasenbildung im Schauglas, Grübchenbildung am Laufrad, sichtbare Verstopfung |
| Kein Förderstrom, Pumpe läuft leer, geringe Motorstromaufnahme | 1. Luftsack im Pumpengehäuse 2. Pumpe nicht entlüftet 3. Verlust der Saugfähigkeit (Ansaugleitung leer) |
Entlüftung der Pumpe über Entlüftungsschraube, Prüfung der Füllstandshöhe im Saugbehälter, Prüfung der Dichtheit der Ansaugleitung | Luft entweicht beim Entlüften, kein Medium im Schauglas, fallender Füllstand im Saugbehälter |
| Reduzierter Förderstrom, konstanter Saugdruck, niedriger Druckdruck, erhöhter Motorstrom (ggf. konstant) | 1. Laufradverschleiß (fortgeschritten) 2. Fremdkörper im Laufrad 3. Falsche Systemkennlinie (zu hoher Gegendruck) |
Demontage und visuelle Prüfung des Laufrades, Messung des Drucks nach der Pumpe und vor Einspeisung ins System, Überprüfung des Systemwiderstands | Deutliche Abnutzung des Laufrades (Kanten abgerundet, Schaufeln dünner), Blockade durch Fremdkörper, Druck nach Pumpe hoch bei wenig Förderstrom |
| Reduzierter Förderstrom, Saugdruck sehr niedrig / hohes Vakuum, erhöhte Geräusche | 1. Saugseitige Verstopfung (Sieb, Filter) 2. Ansaugleckage 3. Zu lange/enge Saugleitung 4. Zu hoher geodätischer Saughöhenunterschied |
Prüfung Saugfilter, Dichtheitsprüfung Ansaugleitung (Seifenwasser, Vakuumtest), Überprüfung der Rohrleitungsdimensionierung und Höhendifferenz | Saugfilter verstopft, Zischen/Blasen bei Leckage, Rohrleitungsdaten abweichend von Norm |
| Förderstrom stimmt nicht mit Pumpenkennlinie überein, trotz normaler Drücke und Drehzahlen | 1. Systemkennlinie hat sich verändert (z.B. neue Ventile, Rohrablagerungen, Prozessänderung) 2. Falsch dimensionierte Pumpe für den aktuellen Betriebspunkt |
Aufnahme einer Betriebskennlinie der Pumpe, Vergleich mit Herstellerkennlinie und Systemkennlinie | Betriebspunkt liegt außerhalb des optimalen Bereichs auf der Pumpenkennlinie, Abweichung der gemessenen Systemkennlinie von der ursprünglichen |
7. Ursachenanalyse für jeden Fehler
7a. Kavitation
- Detaillierte Erklärung: Kavitation tritt auf, wenn der Druck am Saugstutzen der Pumpe unter den Dampfdruck der Fördermedienflüssigkeit fällt. Dies führt zur Bildung von Dampfblasen, die beim Übergang in Bereiche höheren Drucks implodieren. Diese Implosionen verursachen hohe Druckspitzen und führen zu Materialabtrag am Laufrad und Pumpengehäuse. Gemäß VDI 2441 ist eine ausreichende NPSH (Net Positive Suction Head) zwingend erforderlich.
- Bestätigung: Typische „Knistern“- oder „Rasseln“-Geräusche, die an Kieselsteine im Laufrad erinnern. Deutliche punktförmige Grübchenbildung (Pitting) und Materialabtrag an den Laufradschaufeln, insbesondere an der Eintrittsseite. Messung des Saugdrucks: Liegt dieser nahe oder unter dem Dampfdruck des Mediums, besteht Kavitationsgefahr.
- Schaden bei Nichtbehebung: Schnelle Zerstörung des Laufrades, der Wellendichtung und der Lager, was zu Leckagen, erhöhtem Wartungsaufwand und vollständigem Pumpenausfall führt.
7b. Laufradverschleiß
- Detaillierte Erklärung: Laufradverschleiß ist der Materialabtrag an den Schaufeln und dem Gehäuse aufgrund von Erosion (durch Feststoffpartikel), Korrosion (durch chemische Angriffe) oder Kavitation. Dies reduziert die Effizienz der Pumpe, da sich die Geometrie des Laufrades und die Spalte zum Gehäuse verändern. Normgerechte Materialwahl gemäß DIN EN ISO 5199 ist entscheidend.
- Bestätigung: Demontage der Pumpe und visuelle Inspektion des Laufrades. Abgerundete Kanten, dünnere Schaufeln, vergrößerte Spalte zwischen Laufrad und Gehäuse, oft sichtbar an den Verschleißringen. Der Motorstrom kann bei fortgeschrittenem Verschleiß sinken, da die Pumpe weniger Arbeit verrichtet.
- Schaden bei Nichtbehebung: Deutlicher Effizienzverlust, höherer Energieverbrauch, verstärkte Vibrationen und Geräusche, was zu vorzeitigem Ausfall von Lagern und Dichtungen führen kann.
7c. Luft im Pumpengehäuse (Luftsack)
- Detaillierte Erklärung: Kreiselpumpen sind für die Förderung von Flüssigkeiten ausgelegt. Gas- oder Lufteinschlüsse im Pumpengehäuse können die Förderung komplett unterbrechen, da die Pumpe nicht in der Lage ist, Gas zu komprimieren und zu fördern. Dies führt zu einem „Luftsack“ und zum Verlust der Saugfähigkeit.
- Bestätigung: Die Pumpe läuft, erzeugt aber keinen oder nur einen sehr geringen Förderstrom. Die Motorstromaufnahme ist oft deutlich niedriger als normal, da die Pumpe kaum Widerstand hat. Geräusche können „glucksend“ oder „leer laufend“ klingen. Überprüfung der Entlüftungsschraube – es entweicht Luft statt Flüssigkeit.
- Schaden bei Nichtbehebung: Überhitzung der Pumpe und der Wellendichtung (Trockenlauf), was zu Schäden an Dichtungen, Lagern und ggf. dem Laufrad führt.
7d. Saugseitige Probleme
- Detaillierte Erklärung: Probleme auf der Saugseite umfassen alle Faktoren, die den Eintritt der Flüssigkeit in die Pumpe behindern oder das erforderliche NPSHA (Net Positive Suction Head available) reduzieren. Dies kann von verstopften Sieben über Leckagen in der Saugleitung bis hin zu einer falsch dimensionierten Saugleitung reichen.
- Bestätigung: Extrem niedriger oder stark schwankender Saugdruck, eventuell hörbares Zischen bei Ansaugleckagen. Eine visuelle Inspektion des Saugfilters oder Siebs zeigt eine Verstopfung. Dichtheitsprüfung der Saugleitung mit Seifenwasser oder Vakuumtest. Überprüfung der Rohrleitungsdimensionierung (Durchmesser, Länge, Bögen) und des geodätischen Höhenunterschieds gemäß der Hydraulikberechnung.
- Schaden bei Nichtbehebung: Häufige Kavitation, reduzierter Wirkungsgrad, erhöhter Verschleiß der Pumpe und der Dichtungen.
7e. Analyse der Systemkennlinie
- Detaillierte Erklärung: Jede Pumpeninstallation besitzt eine spezifische Systemkennlinie, die den Druckverlust über den Förderstrom der Rohrleitung und der Anlagenteile darstellt (Summe aus Reibungsverlusten und statischer Förderhöhe). Der Betriebspunkt der Pumpe ergibt sich aus dem Schnittpunkt der Pumpenkennlinie und der Systemkennlinie. Eine Veränderung der Systemkennlinie (z.B. durch Ventiländerungen, Ablagerungen, neue Prozessbedingungen) kann den Betriebspunkt verschieben und zu einem reduzierten Förderstrom führen.
- Bestätigung: Messung des tatsächlichen Förderstroms und des zugehörigen Differenzdrucks der Pumpe. Vergleich dieser Werte mit der ursprünglichen Pumpenkennlinie und der berechneten Systemkennlinie. Wenn die Pumpe bei Nennförderstrom einen höheren Differenzdruck erzeugen muss als im Auslegungspunkt, hat sich die Systemkennlinie verschoben.
- Schaden bei Nichtbehebung: Betrieb der Pumpe außerhalb des optimalen Wirkungsgradbereichs (BEP – Best Efficiency Point), was zu erhöhtem Energieverbrauch, Vibrationen, Kavitation und vorzeitigem Verschleiß führen kann.
8. Schritt-für-Schritt-Fehlerbehebung
Die folgenden Maßnahmen sind nach erfolgter Diagnose und Identifikation der Root Cause durchzuführen.
- Kavitation beheben:
- Saugseite verbessern: Saugdruck erhöhen durch Anheben des Saugbehälterfüllstands oder Absenken der Pumpe. Reduzierung von Druckverlusten in der Saugleitung (größere Durchmesser, weniger Bögen, gereinigte Filter).
- Mediumtemperatur senken: Falls praktikabel, die Temperatur des Fördermediums reduzieren, um den Dampfdruck zu senken.
- Drosselung der Druckseite: Nur im Notfall und bei leichter Kavitation die Druckseite leicht drosseln, um den Förderstrom zu reduzieren und somit den NPSHerf-Bedarf der Pumpe zu senken. Vorsicht, dies verschiebt den Arbeitspunkt und reduziert die Effizienz.
- Überprüfung der Fördermenge: Sicherstellen, dass die Pumpe nicht weit rechts vom optimalen Betriebspunkt betrieben wird (zu hoher Förderstrombedarf).
- Laufradverschleiß beheben:
- Pumpenrevision: Die Pumpe gemäß Herstellerangaben zerlegen.
- Laufrad ersetzen: Ein neues Laufrad gemäß OEM-Spezifikation (UNITEC Artikelnummer konsultieren) montieren. Dabei sind die korrekten Drehmomente für Befestigungsschrauben (gemäß DIN EN 1515-1) und die Spalte für Verschleißringe exakt einzuhalten.
- Verschleißringe prüfen: Gegebenenfalls Verschleißringe erneuern, um die Spaltverluste zu minimieren.
- Materialwahl optimieren: Bei wiederkehrendem Verschleiß Ursache analysieren (Abrasivität, Korrosion) und ggf. Laufradmaterial (z.B. härtere Legierung oder Beschichtung) anpassen.
- Luftsack beheben (Pumpe entlüften):
- Pumpe abschalten und freischalten.
- Entlüftungsschraube öffnen: An der höchsten Stelle des Pumpengehäuses die Entlüftungsschraube vorsichtig öffnen.
- Medium nachfüllen/entlüften: Warten, bis ein gleichmäßiger Flüssigkeitsstrahl (ohne Luftblasen) austritt. Bei selbstansaugenden Pumpen muss ggf. das Gehäuse initial befüllt werden.
- Entlüftungsschraube schließen: Fest anziehen, Drehmoment gemäß Herstellerangaben beachten.
- Ansaugleckagen prüfen: Die gesamte Saugleitung auf Dichtheit überprüfen und Leckagen abdichten.
- Saugseitige Probleme beheben:
- Saugfilter/Sieb reinigen: Pumpenstillstand und Freischaltung erforderlich. Saugfilter öffnen und gründlich reinigen oder ersetzen.
- Ansaugleckagen abdichten: Alle Flanschverbindungen, Stopfbuchsen und Armaturen auf Dichtheit prüfen und gegebenenfalls Dichtungen oder Komponenten austauschen.
- Saugleitung optimieren: Falls die Ursache in einer zu engen oder zu langen Saugleitung liegt, ist eine hydraulische Neuberechnung und Anpassung (größerer Rohrdurchmesser, weniger Bögen, Kugelhähne statt Schieber) erforderlich.
- NPSHA erhöhen: Erhöhung des Füllstands im Saugbehälter oder Reduzierung der geodätischen Saughöhe.
- Systemkennlinie anpassen / Betriebspunkt optimieren:
- Systemprüfung: Überprüfung aller Komponenten der Rohrleitung (Ventile, Filter, Wärmetauscher) auf Verstopfungen, Fehlstellungen oder unerwartete Widerstände.
- Ventilstellungen prüfen: Sicherstellen, dass alle Ventile korrekt positioniert sind und keine Drosselung den Förderstrom unnötig reduziert.
- Rohrleitungsreinigung: Bei Verdacht auf Ablagerungen eine Reinigung (mechanisch oder chemisch) durchführen.
- Pumpenaustausch/Anpassung: Falls sich die Systemkennlinie dauerhaft verschoben hat und der aktuelle Betriebspunkt weit vom BEP der Pumpe entfernt ist, muss über einen Pumpenaustausch oder eine Laufradanpassung (Abdreschdurchmesser) nachgedacht werden, um den Wirkungsgrad zu optimieren.
9. Vorbeugende Maßnahmen
| Ursache | Präventionsstrategie | Überwachungsmethode | Empfohlenes Intervall |
|---|---|---|---|
| Kavitation | Optimierung der Saugleitung, Sicherstellung ausreichendem NPSHA, regelmäßige Überprüfung der Prozessparameter (Füllstand, Temperatur, Druck) | Vibrationsanalyse (hochfrequente Anteile > 1 kHz), Saugdrucküberwachung, Geräuschanalyse (akustisches Monitoring) | Kontinuierlich (online) oder wöchentlich |
| Laufradverschleiß | Einsatz verschleißfester Materialien, Filtration des Fördermediums, Einhaltung des optimalen Betriebspunkts | Regelmäßige Effizienzmessung (Förderstrom vs. Stromaufnahme), Vibrationsanalyse (niedrige Frequenzen), Endoskopie/visuelle Inspektion bei Revision | Jährlich (Effizienz), 6-monatlich (Vibration), bei Revision (visuell) |
| Luft im Pumpengehäuse | Korrekte Entlüftungsprozeduren nach jedem Stillstand/Revision, Dichtheitsprüfung der Saugleitung | Visuelle Kontrolle (Schaugläser), Geräuschanalyse, Motorstromaufnahme (Abfall) | Vor jeder Inbetriebnahme, monatlich (Dichtheit) |
| Saugseitige Probleme | Regelmäßige Reinigung von Saugfiltern/Sieben, Dichtheitsprüfung der Saugleitung, korrekte Auslegung der Saugleitung | Differenzdrucküberwachung über Saugfilter, Saugdrucküberwachung, visuelle Inspektion der Saugleitung | Monatlich (Filter), 6-monatlich (Dichtheit, visuell) |
| Falsche Systemkennlinie | Regelmäßige hydraulische Systemanalyse bei Prozessänderungen, Einhaltung der Auslegungsbedingungen | Aufnahme und Vergleich von Pumpenkennlinien und Systemkennlinien, Durchfluss- und Druckmessungen | Bei signifikanten Prozessänderungen oder jährlich |
10. Ersatzteile & Komponenten
Die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Ersatzteilen ist entscheidend für eine schnelle und effiziente Reparatur. UNITEC-D bietet eine breite Palette an Komponenten, die den höchsten Industriestandards (DIN, EN) entsprechen.
| Teilebezeichnung | Spezifikation | Wann ersetzen? | UNITEC Kategorie |
|---|---|---|---|
| Laufrad | Werkstoff: z.B. AISI 316, Sphäroguss EN-GJS-400-18LT, Bronze; Durchmesser und Schaufelgeometrie gemäß Pumpen-OEM | Bei deutlichem Verschleiß (Kavitation, Erosion), Unwucht, Rissen oder Beschädigungen | Pumpenkomponenten |
| Verschleißringe | Werkstoff: z.B. Bronze, Grauguss GG25, PTFE; Passungstoleranzen gemäß OEM | Bei Überschreitung der maximal zulässigen Spaltmaße oder sichtbarem Verschleiß | Pumpenkomponenten |
| Wellendichtung (Gleitringdichtung) | Werkstoffpaarung: z.B. Siliziumkarbid/Siliziumkarbid, Kohle/Keramik; Bauart gemäß OEM (z.B. einfachwirkend, doppeltwirkend) | Bei Leckagen, Überhitzung, ungewöhnlichen Geräuschen oder als präventiver Austausch gemäß Wartungsplan (z.B. alle 8.000 Betriebsstunden) | Dichtungstechnik |
| Pumpenlager | Typ: z.B. Rillenkugellager 6308-2RS1, Zylinderrollenlager; Toleranzklasse P6 oder besser gemäß DIN 620 | Bei erhöhtem Laufgeräusch, erhöhter Lagertemperatur (> 70 °C), erhöhter Vibration (z.B. > 4,5 mm/s) | Wälzlager |
| Saugfilter / Sieb | Maschenweite: z.B. 200 µm, 500 µm; Werkstoff: Edelstahl 1.4401 | Bei Verstopfung, Beschädigung oder als präventiver Austausch gemäß Wartungsplan | Filtertechnik |
| Dichtungen (Flansch, O-Ringe) | Werkstoff: z.B. EPDM, FKM, NBR, PTFE; Druckklasse gemäß DIN EN 1514-1 | Bei Demontage, sichtbarer Beschädigung oder Undichtigkeit | Dichtungstechnik |
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11. Referenzen
- DIN EN ISO 14118: Sicherheit von Maschinen – Vermeidung unerwarteten Anlaufens
- VDE 0105-100: Betrieb von elektrischen Anlagen
- DIN ISO 10816: Mechanische Schwingungen – Bewertung der Maschinenschwingungen durch Messungen an nicht-rotierenden Teilen
- VDI 2441: Kavitation in Strömungsmaschinen
- VDI 2242: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz
- DIN EN ISO 5199: Technische Anforderungen für Kreiselpumpen – Klasse II
- DIN EN 1515-1: Flansche und ihre Verbindungen – Schrauben und Muttern – Teil 1: Auswahl der Schraubenverbindungen
- TÜV-Richtlinien für Druckgeräte und Anlagensicherheit
- Hersteller-Wartungsanleitungen für spezifische Pumpentypen