1. Einführung: Die Bedeutung der Transformatorenauswahl für die Anlagenzuverlässigkeit
Der Betrieb von Industrieanlagen hängt von einer stabilen, effizienten und zuverlässigen Stromversorgung ab. Im Zentrum von Stromverteilungssystemen spielen Transformatoren die Rolle essentieller statischer Geräte, die Spannungspegel verändern und damit Energieübertragung und -nutzung über verschiedene Geräte hinweg ermöglichen. Die Auswahl eines geeigneten Transformatortyps – in erster Linie zwischen Trockentyp- und Ölausführungen – ist eine zentrale ingenieurtechnische Entscheidung, die direkt die Anlagensicherheit, Betriebsausgaben (OpEx), Instandhaltungsstrategien und die Gesamtsystemzuverlässigkeit beeinflusst. Dieser Referenzartikel befasst sich mit den Grundprinzipien, technischen Spezifikationen und praktischen Überlegungen, die diese Entscheidungen bestimmen, mit Fokus auf die Optimierung der Effizienz und die Minderung der weit verbreiteten Herausforderungen durch Harmonische Verzerrungen in modernen Industrieumgebungen. Die Einhaltung etablierter Standards wie der ANSI/IEEE C57-Serie und NFPA 70 ist nicht nur eine Compliance-Angelegenheit, sondern ein Grundpfeiler robuster elektrischer Infrastruktur, der Ausfallzeiten minimiert und die Kapitalrendite (ROI) in Fertigungs- und Prozessindustrien maximiert.
2. Grundprinzipien: Elektromagnetismus, Verluste und Harmonische Verzerrung
2.1 Elektromagnetische Induktion und Spannungstransformation
Transformatoren funktionieren nach dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion, das durch Faradays Gesetz beschrieben wird, das besagt, dass eine Änderung des magnetischen Flusses durch eine Spule eine elektromotorische Kraft (EMF) induziert. Eine Primärwicklung, die von Wechselstrom erregt wird, erzeugt ein variables Magnetfeld in einem laminierten Stahlkern. Dieser Fluss verknüpft sich mit einer Sekundärwicklung und induziert eine Spannung proportional zum Windungsverhältnis der Wicklungen. Das grundlegende Spannungs-zu-Windungs-Verhältnis ist gegeben durch:
Vp / Vs = Np / Ns
Wobei Vp und Vs die Primär- und Sekundärspannungen sind und Np und Ns die Anzahl der Windungen in den Primär- und Sekundärwicklungen darstellen. Während ideale Transformatoren theoretisch sind, weisen reale Geräte Verluste auf, die Ingenieure berücksichtigen müssen.
2.2 Transformatorverluste und Wirkungsgrad
Der Transformatorwirkungsgrad (η) ist definiert als das Verhältnis der Ausgangsleistung zur Eingangsleistung:
η = (Pout / Pin) * 100%
Wobei Pout = Pin - Plosses. Die primären Verluste in einem Transformator umfassen:
- Kernverluste (Leerlaufverluste): Überwiegend Hysterese- und Wirbelstromverluste im Magnetkern, nahezu unabhängig von der Last. Typischerweise liegen diese zwischen 0,05% und 0,5% der Nennleistung.
- Kupferverluste (Lastverluste): I²R-Verluste in der Primär- und Sekundärwicklung, variierend mit dem Quadrat des Laststroms. Diese sind bei Volllast erheblich und liegen zwischen 1% und 3% der Nennleistung.
- Streuuerluste: Wirbelströme, die in den Tankwänden, Befestigungen und anderen metallischen Strukturen durch Streufluss induziert werden.
Moderne Industrietransformatoren erreichen Wirkungsgrade zwischen 97% und 99,5%, angetrieben durch optimierte Kernmaterialien (z. B. kornorientiertes Elektroband) und Wicklungsauslegungen. Ein 1000-kVA-Transformator könnte beispielsweise typische Leerlaufverluste von 1,5 kW und Volllastverluste von 12 kW aufweisen.
2.3 Harmonische Verzerrung und K-Faktor
Die Verbreitung von nichtlinearen Lasten (z. B. Frequenzumrichter (VFDs), Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (UPS), LED-Beleuchtung, Server-Stromversorgungen) führt Harmonische Ströme in das Stromsystem ein. Diese Ströme sind ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz (z. B. 60 Hz in Nordamerika, 50 Hz in Europa). Harmonische Ströme verzerren die Spannungswellenform und führen zu:
- Erhöhten Transformatorverlusten (aufgrund von Wirbelströmen bei höheren Frequenzen).
- Überhitzung von Wicklungen und Kern.
- Verkürzter Transformatorlebensdauer.
- Fehlauslösungen von Schutzgeräten.
Der K-Faktor ist ein Gewichtungsfaktor, der die Fähigkeit eines Transformators anzeigt, nichtlineare Lasten zu versorgen, ohne seine thermischen Designgrenzen zu überschreiten. Ein Standard-Transformator hat einen K-Faktor von 1,0. Ein K-bewerteter Transformator ist mit übergroßen Leitern, modifizierter Wicklungsgeometrie und elektrostatischer Abschirmung ausgelegt, um die Auswirkungen von Harmonischen Strömen zu mindern. Häufige K-Faktoren sind K-4, K-9, K-13, K-20 und K-30, wobei höhere K-Faktoren größere Harmonische-Toleranz anzeigen. Beispielsweise kann ein K-13-Transformator erhebliche Mengen von 3rd-, 5th-, 7th– und 9th-Harmonischen verarbeiten.
3. Technische Spezifikationen & Standards
3.1 Trockentyp-Transformatoren
Trockentyp-Transformatoren nutzen Luft oder Feststoffdielektrika für Isolation und Kühlung und verzichten auf Öl. Sie werden hauptsächlich nach ihrem Isolationssystem und ihrer Kühlmethode kategorisiert.
- Isolationsklassen: Definiert durch ANSI/IEEE C57.12.01, häufige Klassen sind:
- Klasse 105 (A): 105°C (221°F)
- Klasse 130 (B): 130°C (266°F)
- Klasse 155 (F): 155°C (311°F)
- Klasse 180 (H): 180°C (356°F)
- Temperaturanstieg: NEMA ST 20 spezifiziert standardmäßige Temperaturanstiege über Umgebung, wie 80°C, 115°C oder 150°C für Isolationssysteme der Klasse 220. Ein niedrigerer Temperaturanstieg deutet auf eine robustere Auslegung und längere Lebensdauer hin.
- Gehäuse: NEMA-Gehäuseklassifizierungen (z. B. NEMA 1 für Innenraum, NEMA 3R für Außenraum, NEMA 12 für Industrieumgebungen, die Schutz gegen Staub und tropfende nicht-korrosive Flüssigkeiten erfordern) sind entscheidend für den Umgebungsschutz.
- Schallpegel: Typischerweise 45 dB bis 65 dB für Einheiten bis 1500 kVA, spezifiziert durch NEMA ST 20.
3.2 Ölgefüllte Transformatoren
Ölgefüllte Transformatoren nutzen eine Dielektrikumflüssigkeit (typischerweise Mineralöl, zunehmend aber esterbasierte Flüssigkeiten) für Isolation und Kühlung. Sie werden nach ihrem Flüssigkeitstyp, ihrer Kühlklasse und ihrer thermischen Leistung spezifiziert.
- Isolierflüssigkeiten:
- Mineralöl: Traditionell, hohe Durchbruchfestigkeit, ausgezeichnete Kühlung. Brennpunkt typischerweise 150-170°C (302-338°F).
- Natürliche Esterflüssigkeiten (z. B. FR3): Biologisch abbaubar, höherer Brennpunkt (~330°C / 626°F), was sie „weniger brennbar” gemäß NFPA 70 (NEC) macht.
- Synthetische Esterflüssigkeiten: Ähnliche Vorteile wie natürliche Ester, oft mit breiteren Temperaturbereichen.
- Kühlklassen (gemäß ANSI/IEEE C57.12.00):
- ONAN (Öl-Natur-Luft-Natur): Öl zirkuliert durch natürliche Konvektion, gekühlt durch natürliche Luftzirkulation.
- ONAF (Öl-Natur-Luft-Erzwungen): Öl zirkuliert natürlich, aber Kühlung wird durch erzwungene Luft (Lüfter) verbessert.
- OFAF (Öl-Erzwungen-Luft-Erzwungen): Öl wird durch Pumpen zirkuliert und Kühlung wird durch erzwungene Luft (Lüfter) verbessert.
- Sicherheitsstandards: NFPA 70 (Nationale Elektroverkabelungsordnung) Artikel 450 bietet strenge Richtlinien für Installation und Schutz von Transformatoren, insbesondere bezüglich Brandsicherheit und Abstände für ölgefüllte Einheiten.
3.3 Effizienzstandards und Harmonische Überlegungen
- Energieeffizienz: Die Effizienzstandards des U.S. Department of Energy (DOE) von 2016 und NEMA Premium® Efficiency (NEMA TP 1)-Bewertungen sind entscheidend für die Minimierung der Betriebskosten. Diese Standards schreiben Mindest-Volllaststufen für verschiedene kVA-Klassen vor. Beispielsweise könnte ein 75-kVA-, 600-V-Transformator, der mit 35% Last arbeitet, einen Wirkungsgrad von 98,4% unter DOE 2016 haben, während eine nicht konforme Einheit 97,5% aufweisen könnte. Über eine 20-jährige Lebensdauer bedeutet dieser scheinbar kleine Unterschied erhebliche Energieeinsparungen.
- Harmonische Minderung: IEEE 519-2014, „Recommended Practice and Requirements for Harmonic Control in Electric Power Systems,” legt Grenzen für Harmonische Strom- und Spannungsverzerrung am Punkt der gemeinsamen Kopplung (PCC) fest. K-bewertete Transformatoren sind nach diesen Prinzipien ausgelegt, um Harmonische Heizeffekte zu widerstehen, speziell ANSI/IEEE C57.110.
4. Auswahl- & Dimensionierungsleitfaden
Die optimale Transformatorauswahl ist eine multifacettierte ingenieurtechnische Entscheidung, die technische Anforderungen, Sicherheit, Umwelteinfluss, anfängliche Kapitalausgaben (CapEx) und langfristige Betriebsausgaben (OpEx) ausgleicht.
4.1 Wichtigste Auswahlkriterien
- Anwendungsumgebung: Innen/Außen, Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftkontaminanten (Staub, Chemikalien).
- Brandsicherheit & Vorschriften: Nähe zu Personal, Bauvorschriften, NFPA 70-Anforderungen.
- Lärmempfindlichkeit: Nähe zu Büros oder Wohngebieten.
- Lastprofil: Lineare vs. nichtlineare Lasten, erwarteter Lastfaktor, Überelastungspotenzial.
- Instandhaltungsanforderungen: Zugänglichkeit, geplante Ausfallhäufigkeit.
- Budget & Lebenszykluskosten: Kaufpreis, Installation, Energieverluste, Instandhaltung, Entsorgung.
4.2 Dimensionierung für Harmonische Lasten (K-Faktor-Berechnung)
Wenn der Harmonische-Gehalt einer Last bekannt ist (aus Stromqualitätsmessungen), kann der für einen Transformator erforderliche K-Faktor mit der folgenden Formel berechnet werden:
K = ∑ (Ih / I1)2 * h2
Wobei Ih der RMS-Strom der h-ten Harmonischen ist, I1 der RMS-Strom der Grundfrequenz ist und h die Harmonische-Ordnung darstellt. Beispielsweise würde eine Last mit 30% 3. Harmonischen, 15% 5. Harmonischen und 10% 7. Harmonischen, relativ zur Grundfrequenz, eine K-Faktor-Berechnung erfordern, um den geeigneten K-bewerteten Transformator zu bestimmen.
4.3 Entscheidungsmatrix: Trockentyp vs. Ölgefüllt
Die folgende Tabelle bietet einen vergleichenden Überblick zur Unterstützung des Auswahlprozesses und hebt kritische ingenieurtechnische Parameter hervor:
| Parameter | Trockentyp (VPI/Gießharz) | Ölgefüllt (Mineralöl) |
|---|---|---|
| Brandrisiko | Sehr niedrig (Selbstverlöschend) | Höher (Brennbares Öl, gemäß NFPA 70) |
| Installationsort | Innen, nahe Lasten, empfindliche Bereiche | Außen, Umspannwerke, Gewölbe (mit Brandschutz) |
| Instandhaltung | Gering (Sichtprüfung, Reinigung) | Mittel-Hoch (Ölprobenahme, DGA, Filtration) |
| Umweltauswirkung | Minimal (Keine Flüssigkeitsleckage) | Mögliche Ölverschüttungen, Umweltvorschriften |
| Anfangskosten (pro kVA) | Höher (z. B. 2500 kVA Trockentyp ~$80.000) | Niedriger (z. B. 2500 kVA Ölgefüllt ~$60.000) |
| Lebenszykluskosten | Konkurrenzfähig (Niedrigere Instandhaltung, niedrigere Feuerversicherung) | Konkurrenzfähig (Höhere Instandhaltung, höhere Feuerversicherung wenn nicht remote) |
| Stoßfestigkeit (BIL) | Gut (z. B. 95 kV für 15 kV Klasse) | Ausgezeichnet (z. B. 125 kV für 15 kV Klasse) |
| Überlastungsfähigkeit | Begrenzt (Empfindlich gegenüber thermischen Grenzen) | Besser (Thermische Trägheit des Öls) |
| Größe & Gewicht | Größerer Grundriss, schwerer für gleiche kVA | Kleinerer Grundriss, leichter für gleiche kVA |
| Schallpegel | Typischerweise 45-65 dB | Typischerweise 55-75 dB |
| Kühlung | Luft-Natur/Erzwungene Luft (AN/AF) | Öl-Natur/Erzwungene Luft/Erzwungenes Öl (ONAN/ONAF/OFAF) |
5. Installations- & Inbetriebnahme-Best-Practices
Ordnungsgemäße Installation und strenge Inbetriebnahme sind von größter Bedeutung, um die Langlebigkeit und zuverlässige Funktion von Industrietransformatoren sicherzustellen.
5.1 Bauplatz-Vorbereitung und Platzierung
- Belüftung: Bei Trockentyp-Transformatoren ist ein angemessener Luftstrom entscheidend. Beachten Sie Abstände gemäß Herstellervorgaben und NFPA 70 (z. B. Artikel 450.9). Eine allgemeine Faustregel für oben belüftete Trockentyp-Einheiten ist mindestens 30 cm (12 Zoll) freier Platz von Wänden und Hindernissen für ordnungsgemäße Konvektionskühlung. Bei erzwungenen Lufteinheiten müssen Lüfter einen ungehinderten Ein- und Auslass haben.
- Fundament: Transformatoren müssen auf einem ebenen, stabilen und vibrationsdämpfenden Betonfundament installiert werden, das in der Lage ist, das statische und dynamische Gewicht der Einheit zu tragen (z. B. kann eine 2000-kVA-Trockentyp-Einheit über 15.000 lbs / 6800 kg wiegen).
- Abstände: Halten Sie sich strikt an NFPA 70-, Hersteller- und lokale Codevorgaben für Arbeitsplatzabstände um den Transformator zur Sicherheit und Instandhaltung. Ein Mindestabstand von 91,4 cm (36 Zoll) ist häufig für Geräte über 600V erforderlich (NEC 110.26).
- Umgebungsbedingungen: Stellen Sie sicher, dass Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit und atmosphärische Kontaminanten innerhalb der Betriebsgrenzen des Transformators liegen.
5.2 Elektrische Verbindungen und Erdung
- Sammelschienen-Verbindungen: Alle Verbindungen (Primär, Sekundär und Erdung) müssen gereinigt, ordnungsgemäß ausgerichtet und nach Herstellervorgaben angezogen werden. Lose Verbindungen sind eine führende Ursache für lokalisierte Überhitzung und Ausfall. Verwenden Sie kalibrierte Drehmomentschlüssel.
- Erdung: Der Transformatortank und der Neutralpunkt müssen gemäß NFPA 70 (NEC Artikel 250) und IEEE Std 142 (Green Book) ordnungsgemäß geerdet sein. Dies ist entscheidend für die Sicherheit von Personal und Schutz vor Fehlern.
- Kabelmanagement: Stellen Sie sicher, dass Kabel ordnungsgemäß gestützt sind, so geleitet, dass mechanische Spannung minimiert wird, und Biegungsradius-Anforderungen eingehalten werden.
5.3 Vor-Spannungs-Tests (gemäß ANSI/IEEE C57.12.90 und NETA ATS)
- Isolationswiderstand (Megger-Test): Misst die Integrität der Isolation zwischen Wicklungen und zur Erde. Typische Werte für einen 480-V-Transformator könnten 100 MΩ überschreiten. Beziehen Sie sich auf IEEE Std 43 für empfohlene Mindestwerte.
- Windungsverhältnis-Test (TTR): Überprüft das Windungsverhältnis gegen Namenschild-Daten und stellt sicher, dass Anzapfungseinstellungen korrekt sind und keine kurzgeschlossenen Windungen vorhanden sind. Abweichungen von mehr als 0,5% deuten typischerweise auf ein Problem hin.
- Wicklungswiderstand-Test: Überprüft auf Unterbrechungen, hohe Widerstands-Verbindungen und stellt sicher, dass alle Phasen ausgeglichen sind.
- Polaritäts-Test: Essentiell für Parallelschaltung von Transformatoren.
- Dielektrischer Durchhaltungs-Test (Hi-Pot): Falls angegeben, überprüft die Isolationsfestigkeit durch Anwendung einer Überspannung.
5.4 Flusspezifische Inbetriebnahme (Ölgefüllt)
- Ölprobenahme & Tests: Falls transportiert oder über längere Zeit gelagert, sollte Öl beprobt und auf Durchbruchfestigkeit, Feuchtigkeitsgehalt (ASTM D1533) und Säurewert (ASTM D1534) getestet werden, um Einhaltung der IEEE C57.106-Standards sicherzustellen.
- Vakuumfüllung: Bei Nenanlagen werden Transformatoren häufig unter Vakuum mit Öl gefüllt, um Luftblasen und Feuchtigkeitseindringung zu verhindern.
- Gelöste-Gas-Analyse (DGA): Eine initiale DGA (ASTM D3612) bietet einen Ausgangswert für zukünftiges Zustandsmonitoring.
6. Ausfallarten & Ursachenanalyse
Das Verstehen häufiger Ausfallarten und deren Ursachen ist entscheidend für effektive Fehlerbehebung und vorausschauende Maßnahmen, um Mean Time To Repair (MTTR) zu minimieren und die Lebensdauer von Anlagen zu verlängern.
6.1 Überhitzung
- Ursachen: Anhaltende Überbelastung (z. B. >110% der Nennleistung), unzureichende Belüftung (verstopfte Lüftungsschlitze, hohe Umgebungstemperatur), Harmonische Ströme, Kühlsystem-Ausfall (Lüfter/Pumpen).
- Sichtbare Anzeichen: Verfärbung von Wicklungen oder Isolation, Verkohlung, Rauch, Brandgeruch in Isolation, geschmolzene Isolationsstoffe in Leitern. Thermische Bildgebung zeigt erhöhte Hot Spots (>15-20°C über erwartet).
- Grundursache: Ein 1000-kVA-Trockentyp-Transformator mit 115°C Temperaturanstieg, der kontinuierlich bei 120% Last in 40°C Umgebung betrieben wird, gekoppelt mit Lüfterausfall, kann Wicklungstemperaturen über 200°C erreichen, was zu beschleunigter Isolationsverschlechterung führt (Halbierung der Isolationslebensdauer für jeden 10°C Anstieg über Designgrenzen gemäß Arrhenius-Gleichung).
6.2 Isolationsversagen
- Ursachen: Feuchtigkeitseindringung (besonders Trockentyp in feuchten Umgebungen), Kontamination (Staub, Chemikalien), Teilentladung, thermisches Altern, Spannungsstöße (Blitzschlag, Schalttransienten).
- Sichtbare Anzeichen: Kriechwege auf Isolation, Bogenschlagspuren, Ölkontamination (ölgefüllt), sprudelndes Öl.
- Grundursache: Ein vakuumdruckimprägnierter (VPI) Trockentyp-Transformator, der hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturwechseln ausgesetzt ist, kann Feuchtigkeit in sein Isolationssystem aufnehmen, wodurch die Durchschlagsfestigkeit von 10 kV/mm auf möglicherweise 2 kV/mm sinkt, was zu Durchschlag während Normalbetrieb führt.
6.3 Wicklungsausfälle
- Ursachen: Kurzschlüsse (zwischen Windungen, Phase-zu-Phase, Phase-zu-Erde), Durchschlussfehlern (Fehler auf der Sekundärseite, die der Transformator aushalten muss), mechanische Belastung durch Temperaturwechsel, mangelhafte Fertigung.
- Sichtbare Anzeichen: Verformte Wicklungen, sichtbare Bogenschlagschäden, Vorhandensein von Kupferpartikeln in Öl (ölgefüllt), unnormale Summ- oder Brummgeräusche.
- Grundursache: Ein Hochspannungs-Busverlauf auf der Sekundärseite eines ölgefüllten Transformators kann massive mechanische Kräfte auf die Wicklungen induzieren (elektromagnetische Kräfte proportional zum Quadrat des Stroms), was zu Wicklungsversatz und nachfolgendem Isolationsversagen führt.
6.4 Lose Verbindungen
- Ursachen: Unordnungsgemäße Anzugskraft während Installation, thermische Ausdehnung/Zusammenziehung durch Zyklen führt zu Expansion/Kontraktion, Vibration.
- Sichtbare Anzeichen: Lokalisierte Überhitzung an Terminals (Hot Spots erkannt via Wärmekamera, z. B. >50°C über Umgebung), Verfärbung von Verbindern, Bogenschlagmarken.
- Grundursache: Ein Bolzen an einem Primär-Terminal-Stromschiene mit 30 ft-lb Anzugskraft statt der spezifizierten 50 ft-lb kann zu erhöhtem Kontaktwiderstand führen (z. B. von 5 µΩ zu 50 µΩ), was I²R-Erwärmung verursacht, die den Verbinder im Lauf der Zeit schmelzen kann.
7. Vorausschauende Instandhaltung & Zustandsmonitoring
Proaktive Instandhaltungsstrategien sind entscheidend für die Verhinderung von katastrophalen Ausfällen, die Verlängerung der Lebensdauer von Anlagen und die Aufrechterhaltung der Betriebskontinuität. Vorausschauende Instandhaltung nutzt verschiedene Techniken zur Bewertung der Transformatorengesundheit in Echtzeit oder regelmäßig, um rechtzeitige Eingriffe zu ermöglichen.
7.1 Ölgefüllter Transformator-Überwachung
- Gelöste-Gas-Analyse (DGA): Das effektivste Diagnose-Tool für ölgefüllte Transformatoren (gemäß IEC 60599 und ASTM D3612). Schlüsselfehler-Gase (z. B. Acetylen, Ethylen, Methan, Wasserstoff, Kohlenmonoxid) zeigen spezifische Abbau-Mechanismen an (Überhitzung, Teilentladung, Bogenbildung). Beispielsweise deutet ein steigender Acetylen-Spiegel auf Bogenbildung hin, während hoher Ethylen auf Hot Spots >700°C hindeutet. Regelmäßige DGA, typischerweise jährlich, ist entscheidend.
- Ölqualitäts-Tests: Umfassen Durchbruchfestigkeit (ASTM D1816/D877), Feuchtigkeitsgehalt (ASTM D1533), Säurewert (ASTM D974), Grenzflächenspannung (ASTM D971) und Leistungsfaktor (ASTM D924). Diese Tests zeigen Isolationsverschlechterung und Kontamination auf. Beispielsweise deutet eine Durchbruchsfestigkeit unter 20 kV auf erhebliche Feuchtigkeit oder Kontamination hin.
- Stromschienen & Anzapfer-Umschalter-Analyse: Leistungsfaktor-Tests von Stromschienen (IEEE Std C57.19.01) und Betriebsprüfungen von Last-Anzapfer-Umschaltern (OLTC) sind vital.
7.2 Trockentyp-Transformator-Überwachung
- Infrarot-Thermografie (Wärmebild): Berührungsloses Messung von Oberflächentemperaturen (gemäß IEEE Std 1000). Identifiziert lokalisierte Hot Spots in Wicklungen, Verbindungen und Kern, die auf lose Verbindungen, Überbelastung oder Kühlprobleme hindeuten. Eine Temperaturdifferenz von 10°C von einer ähnlichen Verbindung kann ein erhebliches Problem anzeigen.
- Teilentladungs-Erkennung (PD): Teilentladung in Festisolatisionssystemen (gemäß IEC 60270) zeigt Isolationsporen oder Mängel an, die zu Durchschlag führen können. Ultraschall- oder Akustiksensoren und manchmal elektrische Methoden können PD in Trockentyp-Einheiten erkennen.
- Vibrations-Analyse: Ungewöhnliche Vibrationsmuster können auf lockere