Optimierung der industriellen Lagerschmierung: Ein umfassendes technisches Nachschlagewerk für mehr Zuverlässigkeit und Betriebszeit

Technical analysis: Bearing lubrication: grease vs oil, relubrication intervals, and automated lubrication systems

1. Einleitung: Die Bedeutung der Präzisionsschmierung im Industriebetrieb

In der modernen industriellen Fertigung steht die Zuverlässigkeit rotierender Anlagen in direktem Zusammenhang mit der Gesamtbetriebseffizienz und Rentabilität. Lager als grundlegende Komponenten, die Bewegungen ermöglichen und Lasten übertragen, sind besonders anfällig für Verschleiß und vorzeitigen Ausfall, wenn sie nicht ausreichend geschmiert werden. Studien zeigen, dass bis zu 36 % der Lagerausfälle direkt auf Schmierungsprobleme zurückzuführen sind, darunter falsche Schmierstoffauswahl, unzureichende Anwendung oder Verschmutzung. Dies erfordert einen strengen, datengesteuerten Ansatz für das Schmierungsmanagement, um kostspielige Ausfallzeiten zu minimieren, Wartungsausgaben zu reduzieren und die Betriebslebensdauer kritischer Anlagen zu verlängern. In dieser Referenz werden die technischen Prinzipien, Best Practices und technologischen Fortschritte bei der Lagerschmierung beschrieben – Fett im Vergleich zu Öl, optimale Nachschmierintervalle und die Implementierung automatisierter Schmiersysteme –, die für das Erreichen und Aufrechterhalten höchster Anlagenzuverlässigkeit und die Einhaltung von Standards wie ISO 281 und ANSI/ABMA 9 unerlässlich sind.

2. Grundprinzipien der Lagerschmierung

Eine wirksame Lagerschmierung beruht im Wesentlichen auf der Bildung eines Schutzfilms, der sich bewegende Metalloberflächen trennt und so Reibung, Wärmeentwicklung und Verschleiß minimiert. Die primären Mechanismen sind:

  • Elastohydrodynamische Schmierung (EHL): Unter hoher Belastung und hohen Geschwindigkeiten erfährt der Schmierstoff in der Kontaktzone zwischen Wälzkörpern und Laufbahnen durch den Druck einen deutlichen Viskositätsanstieg und bildet einen dünnen, elastischen Film, der die Oberflächen vollständig trennt. Die Filmdicke ist entscheidend, wird typischerweise in Mikrometern gemessen (z. B. 0,1 µm bis 5 µm) und ist eine Funktion der Schmiermittelviskosität, der Oberflächengeschwindigkeit und der Belastung.
  • Grenzschmierung: Tritt beim Starten, Herunterfahren oder unter extremen Belastungen/niedrigen Geschwindigkeiten auf, wenn der EHL-Film nicht ausreicht. Additive im Schmiermittel bilden eine schützende chemische Schicht auf Metalloberflächen und verhindern so den direkten Kontakt von Metall zu Metall.
  • Gemischte Schmierung: Ein Zwischenbereich, bei dem sowohl EHL- als auch Grenzschmierung zur Lastunterstützung beitragen. Es kann zu Unebenheiten im Kontakt kommen, die zu geringem Verschleiß führen.

Wichtige Schmierstoffeigenschaften:

  • Viskosität: Die kritischste Eigenschaft, die den Strömungswiderstand einer Flüssigkeit definiert. Für Lageranwendungen wird typischerweise die kinematische Viskosität bei 40 °C angegeben (z. B. ISO VG 46, ISO VG 68, ISO VG 100). Eine Erhöhung der Betriebstemperatur um 10 °C kann die effektive Viskosität eines Schmierstoffs halbieren.
  • Viskositätsindex (VI): Misst die Änderung der Viskosität mit der Temperatur. Ein höherer VI weist auf eine geringere Änderung der Viskosität über einen bestimmten Temperaturbereich hin, was für Anwendungen mit großen Temperaturschwankungen von entscheidender Bedeutung ist.
  • Fettzusammensetzung: Besteht aus einem Grundöl (typischerweise 70–90 %), einem Verdickungsmittel (z. B. Lithiumkomplex, Calciumsulfonat, 5–20 %) und leistungssteigernden Additiven (z. B. Extreme Pressure (EP), Anti-Verschleiß (AW), Antioxidantien, Rostschutzmittel, 5–10 %). Der Verdicker fungiert als Schwamm, der das Grundöl festhält und bei Bedarf wieder abgibt.
  • Pour Point: Die niedrigste Temperatur, bei der ein flüssiges Schmiermittel fließt.
  • Flammpunkt: Die niedrigste Temperatur, bei der sich der Schmierstoffdampf entzündet, wenn er einer offenen Flamme ausgesetzt wird, und gibt die Brandschutzparameter an.

3. Technische Spezifikationen und Industriestandards

Die Einhaltung etablierter technischer Standards ist für die Gewährleistung der Komponentenkompatibilität, Leistung und Sicherheit bei der Industrieschmierung von größter Bedeutung. Zu den wichtigsten Standards gehören:

  • ISO 281:Wälzlager – Dynamische Tragzahlen und statische Tragzahlen.“ Diese Norm legt die Berechnungsmethode für die Lagerermüdungslebensdauer fest, einen kritischen Faktor, der direkt von einer wirksamen Schmierung beeinflusst wird.
  • ANSI/ABMA 9 (American Bearing Manufacturers Association): Legt Belastungswerte und Ermüdungslebensdauerberechnungen für Kugellager fest und richtet sich dabei nach globalen Standards für die Leistungsbewertung.
  • ASTM D4950: „Standardklassifizierung und -spezifikation für Kfz-Servicefette.“ Diese Norm definiert Fettleistungskategorien und verweist direkt auf die Konsistenzklassen des National Lubricating Grease Institute (NLGI) (ASTM D217 Cone Penetration Test). Gängige Industriefette reichen von NLGI 2 (die meisten Allzweckanwendungen) über NLGI 000 (halbflüssig) bis NLGI 6 (Blockfett).
  • DIN 51825: „Schmierstoffe für Wälzlager – Fette.“ Diese deutsche Norm klassifiziert Fette nach ihren Leistungsmerkmalen, einschließlich Betriebstemperaturbereich und Anwendung.
  • ISO VG-System (Viskositätsgrad) (ISO 3448): Kategorisiert Industrieöle nach ihrer nominalen kinematischen Viskosität bei 40 °C. Typische Qualitäten für Industrielager reichen von ISO VG 32 bis ISO VG 320, ausgewählt basierend auf Geschwindigkeit, Last und Betriebstemperatur.
  • Sauberkeitsstandards (ISO 4406): Dieser Standard ist für ölgeschmierte Systeme unerlässlich und quantifiziert die Partikelverunreinigung, die sich erheblich auf die Lagerermüdungslebensdauer auswirkt. Ein gängiges Ziel für kritische Anwendungen ist ISO 4406: 18/16/13.

Zertifizierungen und Konformität:

  • NSF H1: Schmierstoffe in Lebensmittelqualität für den gelegentlichen Lebensmittelkontakt, kritisch bei der Lebensmittel- und Getränkeherstellung oder der pharmazeutischen Herstellung.
  • UL/CSA: Gewährleistet die elektrische Sicherheit und Leistung von Komponenten in automatisierten Schmiersystemen, insbesondere in nordamerikanischen Märkten.
  • CE-Kennzeichnung: Obligatorisch für automatisierte Schmiersysteme, die im Europäischen Wirtschaftsraum verkauft werden, und bestätigt die Einhaltung von Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltschutzstandards.

4. Leitfaden zur Auswahl und Größenbestimmung

Entscheidend sind die optimale Schmierstoffauswahl und die genaue Bestimmung des Nachschmierintervalls. Die Wahl zwischen Fett und Öl hängt von einer umfassenden Analyse der Betriebsparameter und Umgebungsbedingungen ab.

Entscheidungsmatrix Fett vs. Öl:

Faktor Fett Öl (Umlauf/Bad) Technische Begründung
Geschwindigkeit (dn-Faktor) Niedriger (bis zu ~500.000) Höher (über ~400.000) Öl leitet die Wärme bei hohen Geschwindigkeiten effektiver ab; Das Aufwirbeln von Fett kann zu übermäßiger Hitze führen. dn = Lagerbohrung (mm) × U/min.
Temperatur Mäßig (-30°C bis 150°C) Großer Bereich (kann gekühlt/geheizt werden) Fettverdicker haben Temperaturgrenzen. Ölsysteme ermöglichen eine externe Kühlung/Heizung und sorgen so für eine optimale Viskosität.
Laden Mäßig bis hoch (EP/AW-Additive) Hoch (EP/AW-Additive) Beide können mit entsprechenden Additiven hohen Belastungen standhalten, aber Umlauföl bietet unter extremen Bedingungen eine bessere Wärmeableitung.
Versiegelung und Kontamination Hervorragend, wirkt als Barriere Erfordert robuste Dichtungen, die anfällig für Eindringen sind Fett bildet eine steifere Dichtung. Öl erfordert ausgefeiltere Dichtungsanordnungen, um Leckagen und Verunreinigungen zu verhindern.
Wartung Weniger häufige, einfachere Anwendung Erfordert Filterung, Zustandsüberwachung, komplexer Fettsysteme sind häufig lebenslang gefüllt oder haben längere Schmierintervalle. Ölsysteme erfordern eine kontinuierliche Wartung und Analyse.
Kosten (anfänglich) Absenken (manuell/einfach automatisch) Höher (Pumpen, Behälter, Filter, Kühler) Fettsysteme haben in der Regel geringere Komponenten- und Installationskosten.
Energieeffizienz Geringere (Wechselverluste) Höher (geringere Reibungsverluste) Fett erzeugt aufgrund seiner halbfesten Beschaffenheit mehr innere Reibung.

Nachschmierintervall & Mengenermittlung:

Genaue Nachschmierintervalle sind von entscheidender Bedeutung. Unterschmierung führt zu Mangelernährung und Verschleiß; Eine Überschmierung führt zu Aufwirbelung, übermäßiger Hitze und Dichtungsschäden, wodurch die Lagerlebensdauer aufgrund erhöhter Betriebstemperaturen möglicherweise um 20–30 % verkürzt wird. Es werden branchenübliche Methoden verwendet, die häufig auf empirischen Daten und Richtlinien von Lagerherstellern (z. B. SKF, Timken) basieren.

Fett-Nachschmierintervall (t):

Eine gängige Formel für allgemeine Industrieanwendungen, die Lagerabmessungen und Betriebsbedingungen berücksichtigt, basiert häufig auf proprietären Algorithmen von Lagerherstellern. Bei einem vereinfachten Ansatz wird häufig ein um Korrekturfaktoren angepasstes Basisintervall verwendet:

t_f = t_0 * f_t * f_p * f_v * f_c 
  • t_f: Angepasstes Nachschmierintervall (Stunden).
  • t_0: Grundlegendes Nachschmierintervall (Stunden), normalerweise aus Herstellertabellen basierend auf Lagertyp, Größe (d, D, B) und Drehzahlfaktor (dn) ermittelt. Beispielsweise könnte ein 6205-Lager, das bei dn=200.000 läuft, eine t_0 von 4.000 Stunden haben.
  • f_t: Temperaturkorrekturfaktor. Für alle 15 °C über 70 °C kann dieser Faktor das Intervall halbieren (z. B. f_t = 0,5 bei 85 °C).
  • f_p: Lastkorrekturfaktor (schwere Lasten verkürzen die Intervalle).
  • f_v: Vibrationskorrekturfaktor (hohe Vibration verkürzt die Intervalle).
  • f_c: Kontaminationskorrekturfaktor (hohe Kontamination verkürzt die Intervalle).

Fettmenge (G):

Für Rillenkugellager gilt als üblicher Näherungswert für die Erstbefüllung und Nachschmiermenge:

G = 0,005 * D * B 
  • G: Fettmenge in Gramm.
  • D: Lageraußendurchmesser (mm).
  • B: Lagerbreite (mm).

Beispielsweise würde ein Lager mit D=100 mm und B=25 mm 0,005 * 100 * 25 = 12,5 Gramm Fett erfordern.

5. Best Practices für Installation und Inbetriebnahme

Die ordnungsgemäße Installation und Inbetriebnahme sind entscheidend für die langfristige Wirksamkeit jeder Schmierstrategie.

  • Absolute Sauberkeit: Verunreinigungen sind die Hauptursache für vorzeitigen Lagerausfall. Schmierstoffe und Anwendungswerkzeuge müssen in einer sauberen Umgebung unter Einhaltung der ISO 4406-Standards gelagert und gehandhabt werden. Stellen Sie sicher, dass alle Lagergehäuse und Kanäle gründlich von altem Schmiermittel und Schmutz befreit werden, bevor neues Schmiermittel eingeführt wird.
  • Präzise Schmiermittelanwendung: Vermeiden Sie eine Überfüllung, die zu Aufwirbelung, übermäßiger Hitze und erhöhtem Energieverbrauch (bis zu 5 % höhere Leistungsaufnahme) führt. Unterfüllung führt zum Hungern. Nutzen Sie kalibrierte Fettpressen für die manuelle Anwendung oder präzise dosierte Injektoren für automatisierte Systeme. Verwenden Sie zum manuellen Schmieren die Methode „Spülen, bis der Kragen frisches Fett zeigt“, um einen minimalen Gegendruck sicherzustellen.
  • Automatisierte Systemkalibrierung: Kalibrieren Sie bei Einpunkt-Schmiergeräten (SPD) und Mehrpunkt-Zentralsystemen die Abgaberaten so, dass sie mit den berechneten Nachschmiermengen und -intervallen übereinstimmen. Überprüfen Sie die richtige Leitungsdimensionierung, um den Druckabfall zu minimieren und eine gleichmäßige Schmiermittelabgabe sicherzustellen, insbesondere über große Entfernungen oder bei hochviskosen Fetten (z. B. maximaler Druckabfall < 10 % der Pumpenleistung).
  • Erstes Einlaufverfahren: Betreiben Sie die Maschine nach der Installation für einen ersten Zeitraum (z. B. 1–4 Stunden) bei reduzierter Geschwindigkeit und Last und überwachen Sie dabei die Lagertemperatur und Vibration genau. Dies ermöglicht eine gleichmäßige Schmierstoffverteilung und Wärmestabilisierung.
  • Umfassende Dokumentation: Führen Sie detaillierte Aufzeichnungen über Schmierstofftyp, -menge, Anwendungsdatum und Betriebsbedingungen. Diese Daten sind für die Ursachenanalyse und die Optimierung zukünftiger Wartungspläne unverzichtbar.

6. Fehlermodi und Ursachenanalyse (RCAs)

Für eine wirksame RCA und die Umsetzung von Korrekturmaßnahmen ist es wichtig, häufige Fehlermodi im Zusammenhang mit der Schmierung zu verstehen. Visuelle Indikatoren liefern wichtige diagnostische Hinweise.

  • Unzureichende Schmierung (Mangel):
    • Visuelle Indikatoren: Übermäßiger Verschleiß (Abrieb, Adhäsion) an Laufbahnen und Wälzkörpern, Verfärbung (blauer/schwarzer Farbton aufgrund von Überhitzung), Käfigverschleiß, Verlust der Oberflächenbeschaffenheit.
    • Grundursachen: Falsche Schmierstoffmenge, verlängerte Nachschmierintervalle, verstopfte Fettkanäle, Schmierstoffaustritt oder falsche Schmierstoffviskosität für die Betriebsbedingungen.
  • Übermäßige Schmierung (Überfettung):
    • Visuelle Anzeichen: Verfärbung durch Hitze (bläulicher Farbton), geschmolzenes Fett, beschädigte oder herausgeschleuderte Dichtungen, Schmiermittelaustritt.
    • Grundursachen: Überfüllung, zu häufiges Nachschmieren, falsche Fettmengenberechnung oder unzureichender Abführweg für verbrauchtes Fett.
  • Kontamination:
    • Visuelle Indikatoren: Brinelling (Beulen), abrasiver Verschleiß, Abplatzungen, Rost (rote/braune Verfärbung) oder Korrosion (Lochfraß).
    • Grundursachen: Eindringen von Feststoffpartikeln (Staub, Schmutz, Metallspäne), Wasser oder Prozessflüssigkeiten aufgrund fehlerhafter Dichtungen, schlechter Lagerung oder unhygienischer Anwendungspraktiken. Partikelzahlen, die die Reinheitsziele der ISO 4406 um zwei Codes überschreiten, können die Lagerlebensdauer um 50 % verkürzen.
  • Unverträgliche Schmierstoffe:
    • Visuelle Indikatoren: Verhärtung oder Erweichung des Fettes, Grundölabscheidung, ungewöhnliche Gerüche, deutliche Veränderung der Farbe oder Konsistenz.
    • Grundursachen: Das Mischen von Fetten mit inkompatiblen Verdickungsmitteln (z. B. Lithiumkomplex mit Calciumsulfonat) führt zum Abbau des Verdickungsmittels und zum Verlust der Schmiereigenschaften. Konsultieren Sie immer die Kompatibilitätstabellen (z. B. ASTM D6185).
  • Schmierstoffabbau:
    • Visuelle Indikatoren: Lackbildung (klebrige, bräunliche Ablagerungen), Schlamm, Veränderungen der Schmierstofffarbe (Verdunkelung), starker stechender Geruch, erhöhter Säuregehalt.
    • Grundursachen: Oxidation (aufgrund von Hitze, Luft, Katalysatoren wie Kupfer), thermischer Abbau, Erschöpfung von Zusatzstoffen (z. B. Antioxidantien) oder Wasserverunreinigung, die die Hydrolyse fördert.

7. Vorausschauende Wartung und Zustandsüberwachung für die Schmierung

Proaktive Überwachungstechniken sind unverzichtbar, um Schmierprogramme zu optimieren, Fehler zu verhindern und ANSI/ASME-Zuverlässigkeitsziele zu erreichen. Die Umsetzung dieser Strategien kann die Lebensdauer von Anlagen um 30–50 % verlängern und die Wartungskosten um 15–25 % senken.

  • Ölanalyse: Ein Eckpfeiler der vorausschauenden Wartung für ölgeschmierte Systeme. Eine umfassende Analyse umfasst typischerweise:
    • Viskositätsmessung (ASTM D445): Erkennt Schmierstoffverschlechterung oder -verschmutzung.
    • Partikelzahl (ISO 4406): Quantifiziert feste Verunreinigungen, die auf Dichtungsversagen oder inneren Verschleiß hinweisen.
    • Elementaranalyse (Spektroskopie – ASTM D5185): Identifiziert Verschleißmetalle (z. B. Fe, Cr, Cu für Lagerverschleiß), Kontaminationselemente (z. B. Si für Schmutz) und Additivgehalte (z. B. Zn, P).
    • Wassergehalt (Karl Fischer – ASTM D6304): Misst freies, emulgiertes und gelöstes Wasser, das das Schmiermittel stark abbaut und Korrosion fördert. Bei kritischen Systemen werden oft Werte < 200 ppm angestrebt.
    • Säurezahl (AN) / Basenzahl (BN) (ASTM D664 / ASTM D2896): Verfolgt die Schmierstoffoxidation (AN-Anstieg) und den Additivabbau (BN-Abnahme) und zeigt die verbleibende Nutzungsdauer an.
  • Fettanalyse: Fettproben sind zwar anspruchsvoller, können jedoch wertvolle Erkenntnisse liefern.
    • Analyse von Eisenrückständen: Erkennt frühe Anzeichen von Verschleißpartikeln.
    • Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie (FTIR) (ASTM D7844): Identifiziert Oxidationsprodukte, Wassergehalt und Änderungen in der Verdicker- oder Additivchemie.
    • Konsistenz (Penetration – ASTM D217): Bewertet Änderungen der NLGI-Klasse aufgrund von Scherung oder Zersetzung.
  • Vibrationsanalyse (ISO 10816 / ISO 20816): Erkennt mechanische Defekte, einschließlich solcher, die durch unzureichende Schmierung verursacht werden. Erhöhte Schwingungsamplituden bei charakteristischen Lagerfrequenzen (BPFO, BPFI, FTF, BSF) können auf Schäden im Frühstadium hinweisen. Basisschwingungsdaten sind für die Trendanalyse von entscheidender Bedeutung.
  • Temperaturüberwachung:
    • Infrarot-Thermografie (NFPA 70B): Berührungslose Methode zur Identifizierung heißer Stellen, die häufig auf Reibung, Überfettung oder Schmiermittelmangel hinweisen. Bei einem Lager, das 15 °C über seiner normalen Temperatur betrieben wird, kann sich die Lebensdauer halbieren.
    • Eingebettete RTDs/Thermoelemente: Bietet kontinuierliche, präzise Temperaturdaten für kritische Lager und ermöglicht eine sofortige Alarmierung bei Abweichungen.
  • Ultraschallüberwachung: Erkennt hochfrequente Reibung und Lagerdefekte im Frühstadium, oft bevor die Vibrationsanalyse durchgeführt werden kann. Veränderungen des Dezibelpegels können auf Probleme mit der Schmierung hinweisen.
  • Automatisierte Schmiersystemüberwachung: Integrierte Druckschalter, Alarme bei niedrigem Füllstand und Durchflusssensoren liefern Echtzeit-Feedback zur Systemintegrität und Schmiermittelabgabe und gewährleisten so eine konsistente Anwendung.

8. Vergleichsmatrix: Schmiersystemtypen

Die Wahl des richtigen Schmierstoffzufuhrsystems ist ebenso wichtig wie die Auswahl des Schmierstoffs selbst und wirkt sich auf Effizienz, Sicherheit und Kapitalrendite (ROI) aus.

Funktion Manuelle Nachschmierung Single-Point-Automatik (SPD) Multi-Point/Zentralisierte Automatik (MPD)
Anschaffungskosten Niedrig Mäßig Hoch
Arbeitskosten Hoch Mäßig Niedrig
Präzision und Konsistenz Variabel, betreiberabhängig Gute, feste Entladungsrate Hervorragend, präzise dosiert und zeitlich abgestimmt
Kontaminationsrisiko Hoch (offener Anschluss, verschmutzte Werkzeuge) Niedrig (versiegelte Einheit) Sehr niedrig (geschlossenes System, Filtration)
Anwendungsseiten Zugänglich, wenige Punkte Einzelne, abgelegene oder gefährliche Punkte Zahlreiche, weit verstreute kritische Punkte
ROI (typisch) Negativ (hohe Ausfallrate) Positiv (weniger Ausfälle, Arbeitsaufwand) Äußerst positiv (erhebliche Betriebszeit, Verlängerung der Komponentenlebensdauer)
Stromverbrauch N/A (manuell) Minimal (Batterie/Gas) Moderat (elektrische Pumpe)
Hauptvorteil Einfachheit für unkritische, langsame Anwendungen Erhöhte Zuverlässigkeit an einzelnen Problempunkten Optimierte anlagenweite Zuverlässigkeit, reduzierte Gesamtbetriebskosten

9. Fazit: Strategische Schmierung für unnachgiebige Leistung

Die strategische Umsetzung eines optimierten Schmierprogramms, das über die reaktive Wartung hinaus zu einem datengesteuerten, vorausschauenden Ansatz übergeht, ist eine nicht verhandelbare Notwendigkeit für moderne Fertigungsanlagen. Durch die sorgfältige Auswahl des richtigen Schmierstoffs, die Einhaltung genau berechneter Nachschmierintervalle und die Nutzung der Konsistenz und Kontrolle, die automatisierte Schmiersysteme bieten, können Branchen ungeplante Ausfallzeiten deutlich reduzieren, die Kosten für den Komponentenaustausch minimieren und die allgemeine Betriebssicherheit und Effizienz verbessern. Dieser integrierte Ansatz, der auf technischen Grundsätzen und der Einhaltung von Standards wie ISO 281, ANSI/ABMA 9 und ASTM D4950 basiert, trägt direkt zu einer höheren Kapitalrendite (ROA) und einer nachweislich zuverlässigeren Anlage bei.

Für zuverlässige Lagerkomponenten, Hochleistungsschmierstoffe und fortschrittliche automatisierte Schmierlösungen, die strengen internationalen Standards entsprechen, erkunden Sie den umfassenden E-Katalog von UNITEC-D unter UNITEC-D E-Katalog. Arbeiten Sie mit UNITEC-D zusammen, um Ihre Betriebssicherheit zu erhöhen.

10. Referenzen

  1. Internationale Organisation für Normung (ISO) 281:2007. Wälzlager – Dynamische Tragzahlen und statische Tragzahlen.
  2. Standard 9:2018 der American Bearing Manufacturers Association (ABMA). Belastbarkeit und Ermüdungslebensdauer für Kugellager.
  3. ASTM International D4950-14. Standardklassifizierung und -spezifikation für Kfz-Servicefette.
  4. SKF. Handbuch zur Lagerwartung: Schmierung. SKF USA Inc., 2020.
  5. Timken. Das Timken Engineering Manual. The Timken Company, 2023.

Related Articles