Leitfaden zur Diagnose und Fehlerbehebung: Geräusche und ungewöhnliche Vibrationen in Getriebeeinheiten

Technical analysis: Troubleshooting gearbox noise and abnormal vibration: oil analysis, gear wear patterns, backlash mea

1. Problembeschreibung und Anwendungsbereich

Dieses Handbuch dient der Diagnose und Fehlerbehebung bei ungewöhnlichen Geräuschen und Vibrationen in Industriegetrieben. Diese Symptome sind oft die ersten Anzeichen für potenziell kritische Komponentenausfälle wie Lager-, Getriebe- oder Schmierungsprobleme. Eine rechtzeitige und genaue Diagnose ist von entscheidender Bedeutung, um katastrophale Ausfälle zu verhindern, die zu Geräteausfällen und erheblichen finanziellen Verlusten führen.

Dieses Dokument deckt die folgenden Arten von Geräten ab: Schneckengetriebe, Stirnräder, Kegelräder, Planetengetriebe, die in einem breiten Spektrum industrieller Anwendungen verwendet werden (Förderer, Pumpen, Mischer, Extruder usw.).

Einstufung der Schwere der Störung:

  • Kritisch: Scharfes, lautes Geräusch (Knall, Kreischen), starke Vibration mit einer Amplitude von mehr als 10 mm/s (RMS) oder schneller Temperaturanstieg (> 90 °C). Eine sofortige Stilllegung der Anlage ist obligatorisch.
  • Bedeutsam: Ständiges, ungewöhnliches Geräusch (Summen, Heulen, Klicken) oder Vibration im Bereich von 4,5–10 mm/s (RMS). Ein geplanter Inspektionsstopp wird empfohlen.
  • Gering: Leichtes, intermittierendes Geräusch oder leichter Anstieg der Vibration (2,8–4,5 mm/s RMS), was auf frühen Verschleiß hinweisen kann. Es ist eine verstärkte Überwachung erforderlich.

2. Vorsichtsmaßnahmen

⚠ SICHERHEITSWARNUNG ⚠
Bevor Sie mit der Diagnose beginnen, stellen Sie sicher, dass das Gerät vollständig stromlos und gemäß dem LOTO (Lockout/Tagout)-Verfahren gesperrt ist. Überprüfen Sie die Spannungsfreiheit mit Hilfe geeigneter Geräte. Achten Sie auf gespeicherte Energie in Federn, hydraulischen oder pneumatischen Systemen. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) verwenden: Schutzbrille, Kopfhörer, Handschuhe, Arbeitsschuhe mit Metallkappen. Heiße Oberflächen, unter Druck stehende Schmiermittel und bewegliche Teile stellen eine Verletzungsgefahr dar.
⚠ BEFOLGEN SIE IMMER DIE SICHERHEITSHINWEISE DES GERÄTEHERSTELLERS ⚠

3. Notwendige Diagnosewerkzeuge

Für eine effektive Diagnose von Getriebegeräuschen und -vibrationen sind spezielle Werkzeuge erforderlich:

Werkzeug Spezifikation/Modell Messbereich Zweck
Vibrationsanalysator Zum Beispiel SKF Microlog, Fluke 810 Geschwindigkeit (0,1–500 mm/s RMS), Beschleunigung (0,1–50 g RMS), Frequenz (10 Hz–20 kHz) Messung des allgemeinen Schwingungsniveaus, Spektralanalyse zur Identifizierung von Quellen (Lager, Zähne, Unwucht)
Akustisches Stethoskop (elektronisch/mechanisch) Zum Beispiel SKF TMST 3, Fluke 910 Audiobereich, Rauschverstärkung Lokalisierung der Geräuschquelle im Getriebe (Lager, Zähne)
Wärmebildkamera Zum Beispiel Fluke Ti480, FLIR T-Serie Von -20°C bis +650°C, Genauigkeit ±2°C Erkennung abnormaler Erwärmung im Zusammenhang mit Reibung, Schmiermittelmangel und Überlastung
Schmierstoff-Analyseset Probenahme nach ISO 14597 Viskosität, Wassergehalt, Verschleißpartikel (Fe, Cu, Cr), Additive, Säuregehalt Beurteilung des Zustands des Schmierstoffs, des Vorhandenseins von Verunreinigungen und Verschleißmetallen
Sondensatz (Fällersonden) Der Bereich liegt zwischen 0,02 mm und 1,0 mm Messung von Spielen, Spiel, Überprüfung von Verbindungen Messung des Seitenspiels von Zahnrädern (Spiel)
Uhrartige Anzeige mit Ständer Bereich 0-10 mm, Genauigkeit 0,01 mm Messung von Rundlauf, Axial-/Radialspiel, Ausrichtung von Wellen Genaue Messungen von Abständen und Ausrichtung
Endoskop (Endoskop) Der Durchmesser der Sonde beträgt 5-10 mm, die Länge beträgt bis zu 3 m Visuelle Inspektion interner Komponenten ohne Demontage Prüfung des Zustands von Zähnen, Lagern und Innenflächen auf Verschleiß, Lochfraß und Späne
Multimeter (mit Strommessfunktion) Bereich bis 1000 V AC/DC, bis 10 A AC/DC Messung des Elektromotorstroms Erkennung einer Motorüberlastung, die auf eine erhöhte Reibung im Getriebe hinweisen kann

4. Checkliste für die Erstbewertung

Bevor mit der detaillierten Diagnose begonnen wird, ist es notwendig, Rohdaten zu sammeln und eine Sichtprüfung durchzuführen. Dies wird dazu beitragen, das Spektrum potenzieller Fehlfunktionen einzugrenzen.

Beobachtung/Aktion Was soll ich aufschreiben? Diagnosewert
Art und Beschaffenheit des Lärms Summen, Kreischen, Klicken, Heulen, Klopfen, Periodizität, ändert sich das mit der Last/Geschwindigkeit? Jede Art von Geräusch weist auf unterschiedliche Störungsquellen hin (Brummen – Zahnräder, Schleifen – Lager).
Sichtprüfung des Getriebes Das Vorhandensein von Öllecks, Rissen im Gehäuse, geschwächten Befestigungselementen, Verformungen und Fremdkörpern Öllecks führen zu Ölmangel; geschwächte Befestigungselemente - zu erhöhter Vibration
Die Temperatur des Getriebegehäuses Messen Sie mit einer Wärmebildkamera oder einem berührungslosen Thermometer an verschiedenen Stellen. Vergleich mit normal (< 80°C) Übermäßige Erwärmung (lokal oder allgemein) weist auf übermäßige Reibung, Überlastung oder mangelnde Schmierung hin
Schmierungsniveau Überprüfen Sie dies mit einem Ölmessstab oder Schauglas. Notieren Sie Farbe, Transparenz und das Vorhandensein von Sedimenten/Schaum Ein niedriger Schmierstoffstand oder eine Verschlechterung des Schmiermittels ist eine wahrscheinliche Ursache für Fehlfunktionen
Servicehistorie Datum des letzten Ölwechsels, Ölsorte, frühere Reparaturen, Komponentenaustausch Kann auf verspätete Wartung oder wiederholte Fehlfunktionen hinweisen
Nutzungsbedingungen Belastung (Strom, Maximum), Drehzahl, Einschaltdauer, Umweltbelastung Überlastung, Stoßbelastungen und aggressive Umgebungen beschleunigen den Verschleiß
Unfallgeschichte und Warnungen Sehen Sie sich Protokolle automatisierter Steuerungssysteme an Kann erste Anzeichen eines Problems enthalten

5. Systematischer Diagnosealgorithmus

Dieser Algorithmus hilft dabei, die Geräusch- und Vibrationsquelle systematisch zu identifizieren.

  1. Erste Bewertung und Sicherheit:
    1. Befolgen Sie die Schritte in Abschnitt 4. Checkliste für die Erstbewertung
    2. Stellen Sie sicher, dass alle Vorsichtsmaßnahmen (Abschnitt 2) befolgt werden.
    3. Bestimmen Sie die Art von Lärm und Vibration:
      • Wenn das Geräusch scharf ist, klopft, knirscht und die Vibration stark ist (> 10 mm/s RMS), halten Sie das Gerät sofort an. Gehen Sie zu Punkt 6.
      • Wenn das Geräusch ein konstantes Summen/Heulen ist und die Vibration 4,5–10 mm/s RMS beträgt, fahren Sie mit der Diagnose fort.
      • Wenn das Geräusch periodisch ist oder die Vibration 2,8–4,5 mm/s RMS beträgt – verstärkte Überwachung, geplante Diagnose.
  2. Diagnose mit einem Schwingungsanalysator:
    1. Installieren Sie Beschleunigungsmesser am Getriebegehäuse in radialer und axialer Richtung, in der Nähe der Lager und Zahnräder.
    2. Messen Sie den Gesamtvibrationspegel (Geschwindigkeit, mm/s RMS) und die Beschleunigung (g RMS).
    3. Führen Sie eine Schwingungsspektrumanalyse durch.
      • Wenn Vibrationsspitzen bei Frequenzen beobachtet werden, die ein Vielfaches der Wellenrotationsfrequenz sind (1X, 2X, 3X):
        • Wahrscheinliche Ursache: Unwucht oder Fehlausrichtung der Welle.
        • Maßnahme: Wellenausrichtung (Kapitel 7.1) und Rotorauswuchtung prüfen. Gehen Sie zu Punkt 3.
      • Wenn bei charakteristischen Lagerfrequenzen (BPFI, BPFO, BSF, FTF) Vibrationsspitzen beobachtet werden:
        • Wahrscheinliche Ursache: Lagerverschleiß oder -schaden.
        • Aktion: Verwenden Sie zur Ortung ein akustisches Stethoskop. Gehen Sie zu Punkt 4.
      • Wenn Vibrationsspitzen bei Gangeingriffsfrequenzen (GMF) und deren Harmonischen beobachtet werden:
        • Wahrscheinliche Ursache: Getriebeverschleiß, falsches Spiel, Schäden an den Zahnrädern.
        • Aktion: Gehen Sie zu Punkt 5.
      • Wenn die Vibration breitbandig ist und keine klaren Spitzen aufweist:
        • Wahrscheinliche Ursache: Ölmangel, Kavitation, lose Halterungen, Resonanz.
        • Aktion: Gehen Sie zu Punkt 6.
  3. Diagnose der Fehlausrichtung der Wellen:
    1. Messen Sie die Fehlausrichtung der Motor- und Getriebewellen mit einer Messuhr.
    2. Kriterien: Der zulässige radiale und axiale Versatz sollte bei Drehzahlen bis 1500 U/min 0,05 mm nicht überschreiten. Bei höheren Geschwindigkeiten sind die Anforderungen strenger (0,02–0,03 mm).
    3. Wenn die Fehlausrichtung die Norm überschreitet:
      • Wahrscheinliche Ursache: Wellenfehlausrichtung.
      • Aktion: Führen Sie eine Feinausrichtung durch (Abschnitt 8.1).
  4. Lagerdiagnose:
    1. Verwenden Sie ein akustisches Stethoskop, um das Geräusch am Getriebegehäuse zu lokalisieren, insbesondere in der Nähe der Lagerbaugruppen.
    2. Schätzen Sie die Temperatur der Lagereinheiten mithilfe einer Wärmebildkamera. Norm: Die Temperatur des Lagers sollte die Umgebungstemperatur nicht um mehr als 40 °C überschreiten und unter 90 °C liegen.
    3. Analysieren Sie das Schmiermittel auf das Vorhandensein von Verschleißmetallen (Fe, Cr, Mn – für Stahllager; Cu, Pb, Sn – für Bronzeseparatoren/-buchsen).
    4. Wenn das Stethoskop ein knirschendes/raschelndes Geräusch erkennt, Wärmebildkamera – lokale Überhitzung, Ölanalyse – erhöhter Gehalt an Verschleißmetallen:
      • Wahrscheinliche Ursache: Lagerverschleiß oder -schaden.
      • Maßnahme: Demontage, Sichtprüfung, Lagerwechsel (Kapitel 8.2).
  5. Diagnose von Zahnrädern:
    1. Messen Sie das Spiel der Zahnräder mit Fühlern oder einer Messuhr. Die Regelungslücke ist in der Dokumentation des Herstellers angegeben. Normalerweise 0,08–0,25 mm für kleine bis mittlere Zahnräder.
    2. Führen Sie eine Sichtprüfung der Zähne durch Inspektionsluken oder mit einem Endoskop (falls verfügbar) durch. Achten Sie auf Anzeichen von Lochfraß, Absplitterungen, Dellen, übermäßigem Verschleiß und einer Verschiebung der Kontaktfläche.
    3. Analysieren Sie den Schmierstoff auf das Vorhandensein von Verschleißmetallen (Fe, Sn – für Stahlzähne; Cu, Pb – für Bronzeschneckenpaare).
    4. Wenn der Spalt größer als normal ist, die Zähne optisch beschädigt sind oder die Ölanalyse einen erheblichen Gehalt an Verschleißmetallen zeigt:
      • Wahrscheinliche Ursache: Verschleiß, Beschädigung oder falsche Einstellung der Zahnräder.
      • Maßnahme: Demontage, Reparatur/Austausch der Zahnräder, Spieleinstellung (Kapitel 8.3).
  6. Diagnose des Schmiersystems und anderer Ursachen:
    1. Führen Sie eine vollständige Analyse der Schmierung durch (Abschnitt 7.4).
    2. Überprüfen Sie die Festigkeit der Befestigung des Getriebes am Fundament sowie die Befestigung von Abdeckungen und anderen Gehäuseelementen. Ziehen Sie die Schrauben vorschriftsmäßig an.
    3. Wenn die Ölanalyse eine Verschlechterung, Verunreinigung, zu viel Wasser oder einen niedrigen Füllstand zeigt:
      • Wahrscheinliche Ursache: Schmierstoffprobleme (niedriger Füllstand, Verunreinigung, falscher Typ).
      • Maßnahme: Austausch von Schmierstoff, Filtern, Beseitigung von Leckagen (Kapitel 8.4).
    4. Wenn Befestigungselemente locker sind:
      • Wahrscheinliche Ursache: Lockere Befestigungselemente.
      • Aktion: Befestigungselemente festziehen, Fundament prüfen.

6. Störungsursachenmatrix

Mithilfe dieser Tabelle können Sie Ihre Symptome den wahrscheinlichsten Ursachen, Tests und erwarteten Ergebnissen zuordnen.

Symptom Wahrscheinliche Ursachen (in der Reihenfolge abnehmender Wahrscheinlichkeit) Diagnosetest Erwartetes Ergebnis, wenn die Ursache bestätigt wird
Ständiges Summen/Heulen, das sich je nach Belastung ändert
  1. Zahnradverschleiß (Lochfraß, abrasiver Verschleiß)
  2. Falsches Spiel (Spiel) der Zahnräder
  3. Fehlausrichtung der Wellen
  4. Schmierstoffabbau (Viskositätsverlust)
Schwingungsanalyse (GMF), Endoskop, Spielmessung, Schmierungsanalyse
  • GMF-Spitzen, sichtbarer Zahnverschleiß, erhöhter Fe-Gehalt im Fett
  • Spiel ist nicht zulässig
  • Fehlausrichtung > 0,05 mm
  • Niedrige Viskosität, erhöhter Säuregehalt des Schmiermittels
Ein raschelndes, kreischendes, rasselndes Geräusch, das mit der Last/Geschwindigkeit zunimmt
  1. Lagerverschleiß oder -schaden
  2. Unzureichende Lagerschmierung
  3. Zu hohe Lagervorspannung
  4. Eindringen von Fremdpartikeln
Akustisches Stethoskop, Wärmebildkamera, Vibrationsanalyse (BPF), Schmierungsanalyse
  • Rauschen lokalisiert in Lagern, lokale Überhitzung (> 90 °C), Spitzen am BPF, erhöhter Fe/Cr-Wert
  • Anzeichen von Ölmangel
  • Erhöhte Temperatur, starke Vibration
  • Sichtbare Partikel im Schmierstoff
Klopfen, Klicken, gelegentliches Klopfen
  1. Gebrochene oder abgebrochene Zähne
  2. Keilgelenke sind abgenutzt
  3. Lose Befestigungselemente (Reduzierstück zum Fundament, Abdeckungen)
  4. Zu großes Spiel in den Lagern
Sichtprüfung, Endoskop, Überprüfung des Befestigungsanzugs, Spielmessung
  • Sichtbare Zahnschäden
  • Spiel in den Schlitzen, erhöhte Vibration bei Schlagfrequenzen
  • Lockere Schrauben
  • Spiel der Lager > 0,1 mm
Allgemein erhöhte Vibration (breitbandig)
  1. Fehlausrichtung der Wellen
  2. Unwucht rotierender Teile
  3. Lose Befestigungselemente/Fundament
  4. Resonanz
Schwingungsanalyse (1X, 2X, 3X), Ausrichtungsmessung, Verbindungselementprüfung
  • Peaks bei 1X, 2X, 3X, Abweichung > 0,05 mm
  • Spitzen bei 1X, Exzentrizität
  • Schrauben lösen, Getriebe bewegen
  • Hohe Vibration bei den Eigenfrequenzen des Systems
Erhöhte Temperatur des Getriebes
  1. Unzureichender Schmiermittelstand oder Verschleiß des Schmiermittels
  2. Übermäßige Reibung in Lagern oder Zahnrädern
  3. Getriebeüberlastung
  4. Falscher Schmiermitteltyp
Wärmebildkamera, Schmierstoffanalyse, Belastungsprüfung, Prüfung des Schmierstofftyps
  • Temperatur > 90°C, geringer Schmierstoffgehalt, Verschleiß
  • Lokale Überhitzung, erhöhte Vibration
  • Der Motorstrom überschreitet den Nennstrom
  • Die Viskosität des Schmierstoffs entspricht nicht den Anforderungen

7. Ursachenanalyse für jede Fehlfunktion

7.1. Fehlausrichtung der Wellen

Erklärung: Eine Fehlausrichtung tritt auf, wenn die Drehachsen der Motor- und Getriebewelle nicht auf derselben geraden Linie liegen. Dabei kann es sich um eine Parallel-, Winkel- oder kombinierte Verschiebung handeln. Die Hauptgründe sind: falsche Montage, Verformung des Rahmens, thermische Verformung, Verschleiß der Kupplung. Dies führt zu einer zyklischen Belastung der Wellen, Lager und Dichtungen, was zu übermäßiger Reibung und Vibration führt.

So bestätigen Sie: Messen Sie die Fehlausrichtung mit einem Laser-Nivelliersystem oder zwei uhrenähnlichen Indikatoren. Kritischer Indikator: Radial- oder Winkelfehler von mehr als 0,05 mm für die meisten industriellen Anwendungen. Darüber hinaus zeigt die Schwingungsspektrumanalyse die dominanten Spitzen bei 1-facher, 2-facher und 3-facher Rotationsfrequenz.

Möglicher Schaden: Vorzeitiger Verschleiß von Lagern, Wellendichtungen, Kupplung, Wellenermüdung, möglicher Wellenbruch bei Langzeitbetrieb. Es kann auch zu einer lokalen Überhitzung kommen, die von einer Wärmebildkamera diagnostiziert wird.

7.2. Lagerverschleiß oder -schäden

Erklärung: Lager sind kritische Komponenten, die Wellen stützen und die Reibung reduzieren. Verschleiß kann durch unzureichende oder fehlerhafte Schmierung, Verschmutzung des Schmierstoffs, unsachgemäßen Einbau (Stoßbelastungen beim Einbau), Überlastung, Vibration oder Materialermüdung entstehen. Zu den Schäden zählen Lochfraß, Lochfraß, abrasiver Verschleiß und Passungsrost.

So bestätigen Sie:

  • Akustische Analyse: Rascheln, Knirschen, Klicken, lokalisiert in der Nähe des Lagers mit einem Stethoskop.
  • Schwingungsanalyse: Das Schwingungsspektrum zeigt die charakteristischen Frequenzen der Lager (BPFI, BPFO, BSF, FTF) und ihre Harmonischen. Der Gesamtvibrationspegel übersteigt 4,5 mm/s RMS.
  • Thermografie: Lokale Überhitzung der Lagereinheit (> 90°C).
  • Schmierstoffanalyse: Erhöhter Gehalt an Verschleißmetallen (Fe, Cr, Mn für Stahl, Cu für Separatoren) und Partikeln größer als 5 Mikrometer.
  • Sichtprüfung (nach der Demontage): Lochfraß, Einfallstellen, Lochfraß auf den Laufbahnen, Beschädigung des Separators, Verfärbung.

Möglicher Schaden: Erhöhte Reibung, Überhitzung, Blockieren der Welle, Schäden an Lagersitzen, Schäden an Zahnrädern aufgrund von Wellenverschiebungen. Es besteht die Möglichkeit, dass das Getriebegehäuse zerstört wird.

7.3. Verschleiß oder Beschädigung des Getriebes

Erklärung: Zahnräder übertragen Drehmoment. Ihr Verschleiß kann durch ständige Überlastung, Stoßbelastungen, unzureichende Schmierung, aggressive Umgebung, abrasive Partikel im Schmierstoff und Materialermüdung verursacht werden. Häufige Verschleißarten: Lochfraß (Oberflächenermüdung), abrasiver Verschleiß, adhäsiver Verschleiß (Fressen), plastische Verformung, übermäßige Riefenbildung, Zahnbruch.

So bestätigen Sie:

  • Akustische Analyse: Summen, Heulen, Kreischen, das sich je nach Belastung ändert. Klopfen, wenn die Zähne brechen.
  • Schwingungsanalyse: Schwingungsspitzen bei Zahneingriffsfrequenzen (GMF) und deren Harmonische. Zusätzliche Seitenbänder um den GMF können auf eine Verschleißmodulation hinweisen.
  • Sichtprüfung (durch ein Endoskop oder nach der Demontage): Erkennung von Grübchen (Löchern auf der Oberfläche der Zähne), Festfressen, Absplitterungen, Rissen und abrasiven Kratzern.
  • Spiel messen: Spiel, das über der Norm liegt (z. B. > 0,3 mm bei mittleren Gängen), weist auf übermäßigen Verschleiß hin.
  • Schmierstoffanalyse: Erhöhter Gehalt an Verschleißmetallen (Fe, Sn) und großen Partikeln.

Potenzieller Schaden: Reduzierte Getriebeeffizienz, erhöhte Geräusche und Vibrationen, Blockieren des Getriebes, Zerstörung von Zähnen und Gehäuse, katastrophaler Ausfall.

7.4. Ölprobleme

Erklärung: Fett erfüllt die Funktionen Reibungsreduzierung, Kühlung, Schmutzentfernung und Korrosionsschutz. Zu den Problemen gehören: niedriger Ölstand, Ölzersetzung (Oxidation, Verlust von Additiven), Verunreinigungen (Wasser, Staub, Metallpartikel), Verwendung der falschen Ölsorte. All diese Faktoren beeinflussen die Lebensdauer von Lagern und Getrieben entscheidend.

So bestätigen Sie:

  • Sichtprüfung: Niedriger Ölstand, Verfärbung, Trübung, Vorhandensein von Sedimenten oder Schaum.
  • Schmierstoffanalyse (gemäß DSTU ISO 2909, DSTU ISO 3104):
    • Viskosität: Viskositätsänderung (Zunahme oder Abnahme) über ±10 % der ursprünglichen Viskosität hinaus.
    • Wassergehalt: > 0,05 % für die meisten Öle.
    • Säurezahl (AN): Anstieg der AN um mehr als 0,5 mg KOH/g.
    • Spektralanalyse: Erhöhter Gehalt an Verschleißmetallen (Fe, Cu, Cr) und umweltschädlichen Elementen (Si – Staub).
    • Partikelzähler: Reinheitsklasse ISO 4406:1999 (in der Regel nicht höher als 18/15/12 für Reduzierer).
  • Thermografie: Allgemeine Überhitzung des Getriebes aufgrund erhöhter Reibung.

Möglicher Schaden: Beschleunigter Verschleiß von Zahnrädern und Lagern, Korrosion, Überhitzung, erhöhter Energieverbrauch, schnelle Zerstörung von Komponenten.

8. Schritt-für-Schritt-Verfahren zur Fehlerbehebung

8.1. Korrektur der Fehlausrichtung der Wellen

  1. ⚠ SICHERHEIT: Befolgen Sie das LOTO-Verfahren.
  2. Reinigen Sie die Lagerflächen unter Motor und Getriebe.
  3. Trennen Sie die Kupplung, die die Wellen verbindet.
  4. Verwenden Sie ein Laser-Nivelliersystem oder zwei uhrenartige Indikatoren, um die Fehlausrichtung genau zu messen.
  5. Passen Sie die Position des Motors/Getriebes an, indem Sie kalibrierte Metallscheiben (Schieber) unter den Sperrklinken hinzufügen oder entfernen.
  6. Bewegen Sie den Motor/das Getriebe mit Spezialwerkzeug horizontal, um akzeptable Versatzwerte (< 0,05 mm radial und winkelig) zu erreichen.
  7. Ziehen Sie die Ankerschrauben des Motors/Untersetzungsgetriebes mit dem vom Hersteller angegebenen Drehmoment am Fundament an (z. B. M12: 80 Nm, M16: 160 Nm).
  8. Überprüfen Sie die Ausrichtung nach dem Festziehen erneut, da das Festziehen zu geringfügigen Änderungen führen kann.
  9. Schließen Sie die Kupplung an und prüfen Sie den Zustand.
  10. ÜBERPRÜFUNG: Lassen Sie das Gerät laufen und wiederholen Sie die Vibrationsanalyse und Thermografie. Der Vibrationspegel sollte deutlich abnehmen und die Temperatur sollte sich normalisieren.

8.2. Austausch der Lager

  1. ⚠ SICHERHEIT: Befolgen Sie das LOTO-Verfahren. Lassen Sie das Fett ab (sofern eine Demontage vorgesehen ist).
  2. Demontieren Sie das Getriebe aus der Anlage, wenn ein vollständiger Austausch der Lager vor Ort nicht möglich ist.
  3. Zerlegen Sie das Getriebegehäuse gemäß den Anweisungen des Herstellers.
  4. ⚠ SCHUTZ: Schützen Sie exponierte Oberflächen vor Kontamination.
  5. Drücken Sie die beschädigten Lager mit einem geeigneten Abzieher heraus. VERWENDEN SIE KEINE SCHLAGMETHODEN, DIE DEN SCHACHT ODER DEN LANDEPLATZ BESCHÄDIGEN KÖNNEN.
  6. Reinigen Sie die Lagersitze auf der Welle und im Gehäuse gründlich. Überprüfen Sie sie auf Beschädigungen, Grate und Beschädigungen.
  7. Erwärmen Sie die neuen Lager auf eine Temperatur von 80–100 °C (z. B. in einem Induktionserhitzer oder im Ölbad), um den Sitz auf der Welle zu erleichtern. NICHT ÜBERHITZEN!
  8. Montieren Sie die Lager mit speziellen Montagewerkzeugen oder einer hydraulischen Presse auf den Wellen.
  9. Montieren Sie das Getriebe, beachten Sie dabei die Anzugsdrehmomente der Gehäuseschrauben (z. B. M10: 50 Nm, M14: 120 Nm) und stellen Sie die Spiele ein.
  10. Füllen Sie frischen Schmierstoff der vom Hersteller empfohlenen Art und Menge ein (Kapitel 8.4).
  11. ÜBERPRÜFUNG: Starten Sie das Gerät. Überwachen Sie Geräusche, Vibrationen und Temperatur der Lager. Die Temperatur sollte sich innerhalb weniger Betriebsstunden stabilisieren.

8.3. Getriebereparatur/-austausch und Spieleinstellung

  1. ⚠ SICHERHEIT: Befolgen Sie das LOTO-Verfahren. Lassen Sie das Öl ab.
  2. Getriebe demontieren und Gehäuse demontieren.
  3. Führen Sie eine Sichtprüfung aller Zahnräder durch. Ersetzen Sie beschädigte (mit Spänen, starkem Lochfraß oder Rissen) oder übermäßig abgenutzte Zahnräder.
  4. Reinigen Sie alle Komponenten von alten Schmiermitteln und Schmutz.
  5. Achten Sie beim Austausch von Zahnrädern darauf, dass Ersatzteile verwendet werden, die den Herstellerangaben (Material, Genauigkeitsklasse, Wärmebehandlung) entsprechen. Von UkrSEPRO zertifizierte Ersatzteile werden empfohlen.
  6. Neue Zahnräder einbauen und den Seitenabstand (Spiel) zwischen den Zähnen einstellen. Verwenden Sie eine Uhranzeige und/oder einen Ölmessstab. Der Spalt sollte innerhalb der vom Hersteller angegebenen Grenzen liegen (z. B. 0,10–0,20 mm). Die Justierung kann mit Hilfe von Distanzstücken oder durch Verschieben der Lagerbaugruppen erfolgen.
  7. Tragen Sie eine dünne Schicht Markierungsfarbe auf die Zahnoberfläche auf, um die Kontaktstelle zu überprüfen. Drehen Sie das Zahnrad von Hand und beurteilen Sie die Position und Größe der Kontaktfläche. Es sollte symmetrisch sein und 70-80 % der Zahnlänge abdecken.
  8. Montieren Sie das Getriebe, indem Sie alle Befestigungselemente mit dem empfohlenen Drehmoment anziehen.
  9. Frisches Öl hinzufügen.
  10. ÜBERPRÜFUNG: Lassen Sie das Getriebe im Leerlauf und dann langsam unter Last laufen. Kontrollieren Sie Lärm, Vibration und Temperatur. Führen Sie eine Schwingungsanalyse durch, um das Fehlen von Spitzen am GMF zu bestätigen.

8.4. Wiederherstellung des Schmiersystems

  1. ⚠ SICHERHEIT: Befolgen Sie das LOTO-Verfahren.
  2. Lassen Sie das alte Fett vollständig aus dem Getriebe ab.
  3. Spülen Sie die inneren Hohlräume des Getriebes mit einem speziellen Spülfett oder einem empfohlenen Lösungsmittel, wenn das Fett stark verunreinigt oder beschädigt ist. Befolgen Sie die Anweisungen des Reinigungsmittelherstellers.
  4. Ersetzen Sie alle Ölfilter und Öldichtungen, wenn sie beschädigt oder undicht sind.
  5. Füllen Sie frisches Fett ein, dessen Art und Viskosität vollständig den Angaben des Getriebeherstellers und den Betriebsbedingungen entsprechen (z. B. ISO VG 220 für mittlere Belastungen, ISO VG 320 für schwere Belastungen). Verwenden Sie Schmierstoffe, die der Norm DSTU ISO 3448 entsprechen.
  6. Überprüfen Sie den Ölstand mit einem Ölmessstab oder Schauglas. Der Pegel sollte zwischen der Mindest- und Höchstnote liegen.
  7. ÜBERPRÜFUNG: Starten Sie den Reduzierer. Überprüfen Sie die Temperatur und stellen Sie sicher, dass keine Undichtigkeiten vorliegen. Nach 50–100 Betriebsstunden wird empfohlen, eine Probe des Schmiermittels zur Kontrollanalyse zu entnehmen, um die Reinheit und das Fehlen einer schnellen Zersetzung zu bestätigen.

9. Vorsichtsmaßnahmen

Die Grundursache Präventionsstrategie Überwachungsmethode Empfohlenes Intervall
Fehlausrichtung der Wellen Genaue Ausrichtung der Wellen während der Installation und nach der Reparatur. Verwendung flexibler Kupplungen. Periodische Schwingungsanalyse, Ausrichtungsmessung. Alle 6-12 Monate oder nach jedem Eingriff.
Lagerverschleiß Verwendung von Qualitätslagern (Genauigkeitsklasse nach ISO 492). Richtige Schmierung, Einhaltung der Schmierpläne. Lastkontrolle. Vibrationsanalyse, akustische Kontrolle, Thermografie, Schmierstoffanalyse. Vibration: monatlich; Ölanalyse: alle 6 Monate; Thermografie: vierteljährlich.
Getriebeverschleiß Verwendung der richtigen Art und Qualität des Schmiermittels. Lastkontrolle. Einhaltung des Seitenspiels bei der Montage. Vibrationsanalyse (GMF), Schmierungsanalyse, regelmäßige Sichtprüfung (durch ein Endoskop). Vibration: monatlich; Ölanalyse: alle 6 Monate; Boroskop: jährlich.
Ölprobleme Einhaltung der Öl- und Filterwechselpläne. Verwendung des vom Hersteller empfohlenen Schmiermittels. Kontrolle der Sauberkeit und Dichtheit des Systems. Schmierstoffanalyse, visuelle Kontrolle von Füllstand und Zustand des Schmierstoffs, Thermografie. Ölanalyse: alle 3-6 Monate; Visuelle Kontrolle: wöchentlich.
Lockere Befestigungselemente Verwendung von Schraubensicherung (z. B. Loctite). Regelmäßige Kontrolle der Anzugsmomente. Sichtprüfung, Thermografie (lokale Erwärmung), Schwingungsanalyse. Vierteljährlich.

10. Ersatzteile und Komponenten

Der rechtzeitige Austausch verschlissener Komponenten ist für die Langlebigkeit des Getriebes von entscheidender Bedeutung. Achten Sie auf die Qualität und Normkonformität der Komponenten (z. B. Lager nach ISO, Dichtungen nach EN). Alle Ersatzteile müssen über entsprechende Qualitätszertifikate verfügen, einschließlich UkrSEPRO für den ukrainischen Markt.

Beschreibung des Teils Spezifikation Wann ersetzen? Kategorie UNITEC
Kugel-/Rollenlager Laut Herstellerkennzeichnung (z. B. 6205 2RS C3, 22220 KMB), Genauigkeitsklasse P6/P5 (ISO). Wenn Verschleiß, Lochfraß, lokale Überhitzung festgestellt wird oder nach Ablauf der Lebensdauer (normalerweise 20.000–50.000 Stunden). Lager
Zahnradsatz Modul, Zähnezahl, Material (z. B. 20CrMnTi), Genauigkeitsklasse nach DIN 3961/62. Bei starkem Zahnverschleiß (mehr als 20 % der Dicke), Spänen, Rissen oder wenn das Seitenspiel 50 % der Norm überschreitet. Getriebekomponenten
Öldichtungen/Wellendichtungen Größe (z. B. 40x60x10), Material (NBR, FKM/Viton), Typ (Einzel-/Doppelkante). Beim Erkennen von Schmiermittellecks, Verhärtungen und mechanischen Schäden. Versiegelung
Körperdichtungen Material (asbestfreies Paronit, Gummi), Dicke, Form. Beim Zerlegen des Getriebes zur Reparatur oder wenn Undichtigkeiten festgestellt werden. Versiegelung
Schmiermittel für Getriebe Typ (mineralisch, synthetisch), Viskosität (ISO VG 220, 320, 460), EP-Klasse (z. B. CLP). Gemäß Wartungsplan (z. B. alle 1500–3000 Betriebsstunden) oder gemäß den Ergebnissen der Schmierstoffanalyse. Schmierstoffe
Ölfilter Filtergrad (Mikron), Größe, Typ. Gemäß Wartungsplan oder gemäß den Ergebnissen der Schmierstoffanalyse (hoher Partikelgehalt). Filterelemente

Alle notwendigen Ersatzteile und Schmierstoffe, die internationalen Standards entsprechen und über die erforderlichen Zertifikate verfügen, sind im elektronischen Katalog von UNITEC-D verfügbar: https://www.unitecd.com/e-catalog/

11. Links

  • DSTU ISO 10816-1:2003: Vibration. Bewertung von Maschinenschwingungen anhand der Ergebnisse von Messungen an nicht rotierenden Teilen.
  • DSTU ISO 2909:2009: Öl und Erdölprodukte. Berechnung des Viskositätsindex anhand der kinematischen Viskosität.
  • DSTU ISO 3104:2008: Ölprodukte. Transparente und undurchsichtige Flüssigkeiten. Bestimmung der kinematischen Viskosität und Berechnung der dynamischen Viskosität.
  • DSTU ISO 3448:2009: Industrielle Flüssigschmierstoffe. ISO-Viskositätsklassifizierung.
  • ISO 4406:1999: Hydraulische Kraftübertragung. Flüssigkeiten Die Methode zur Kodierung des Verschmutzungsgrads durch feste Partikel.
  • ISO 492:2014: Wälzlager. Radiallager. Toleranzen
  • Originalhandbücher zur Bedienung und Wartung von Getrieben der UNITEC-D GmbH.
  • UNITEC-D-Anleitungen: https://www.unitecd.com/maintenance-guides/

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