Frequenzumrichter: Von der V/f-Steuerung zum sensorlosen Vektor – Präzisionsleistung für die moderne Fertigung

Technical analysis: Variable Frequency Drives: from V/f control to sensorless vector

1. Einleitung: Warum Frequenzumrichter in der Fertigung im Jahr 2026 von entscheidender Bedeutung sind

Die Fertigungslandschaft des Jahres 2026 erfordert beispiellose Präzision, Energieeffizienz und Betriebszuverlässigkeit. Frequenzumrichter (VFDs), auch bekannt als Antriebe mit einstellbarer Drehzahl (ASDs) oder Wechselrichter, sind grundlegende Technologien, die diese Anforderungen ermöglichen. Durch die präzise Steuerung der Drehzahl und des Drehmoments von Wechselstrom-Elektromotoren reduzieren Frequenzumrichter den Energieverbrauch erheblich, verbessern die Prozesssteuerung, verlängern die Lebensdauer der Geräte und lassen sich nahtlos in fortschrittliche Automatisierungssysteme integrieren. In einer Zeit, in der Betriebsausgaben (OPEX) und Nachhaltigkeit an erster Stelle stehen, bieten VFDs einen spürbaren Return on Investment (ROI) durch optimierte Produktionszyklen und reduzierten Wartungsaufwand und stehen in direktem Einklang mit den strategischen Zielen moderner MRO-Initiativen (Maintenance, Repair, and Operations).

2. Historische Entwicklung: Wichtige Meilensteine der VFD-Technologie

Die Entwicklung der VFD-Technologie spiegelt ein kontinuierliches Streben nach mehr Kontrolle, Effizienz und Integration in Industriesystemen wider.

Jahr/Ära Meilenstein Auswirkungen auf die industrielle Kontrolle
1900er-1950er Jahre Frühe Quecksilber-Lichtbogengleichrichter und Thyratrons Erste Versuche, Wechselstrom zur Motorsteuerung in variablen Gleichstrom umzuwandeln; sperrig, ineffizient, begrenzte Kontrolle.
1960er Jahre Einführung von Thyristoren (SCRs) Verbesserte Gleichrichtung und Inversion; legte den Grundstein für die Halbleiter-Leistungselektronik in Antrieben.
1970er Jahre Spannungs-/Frequenzsteuerung (V/f). Erste kommerziell nutzbare Frequenzumrichter für Wechselstrommotoren; Konstantes V/f-Verhältnis für grundlegende Drehzahlregelung; Energieeinsparungen für Lüfter-/Pumpenlasten.
1980er Jahre Raumvektormodulation (SVM) und Mikroprozessorsteuerung Effizientere und präzisere Schaltmuster; verbesserte Motorstromwellenformen; verbesserte Steuerungsalgorithmen und Diagnosefunktionen.
1980er-1990er Jahre Flussvektorregelung (FVC) / Feldorientierte Regelung (FOC) Entkopplung von Fluss- und Drehmomentkomponenten zur unabhängigen Steuerung; Hohe Dynamik, präzise Drehmoment-/Drehzahlregelung, Steuerung von Synchronmotoren möglich. Erforderliche Geschwindigkeitssensoren.
2000er Jahre Sensorlose Vektorsteuerung Schätzung der Motorgeschwindigkeit/-position ohne physischen Encoder; Kostenreduzierung, erhöhte Zuverlässigkeit in rauen Umgebungen, erweiterte FOC-Anwendung.
2010er-heute Integrierte Sicherheit, IIoT-Konnektivität, fortschrittliche KI/ML-Algorithmen, GaN/SiC-Leistungsgeräte Nahtlose Integration in Sicherheitssysteme (z. B. IEC 61800-5-2 STO), Ethernet/IP, PROFINET; vorausschauende Wartung; höhere Schaltfrequenzen, kleinere Stellflächen, verbesserte Effizienz.

3. Wie es funktioniert: Grundlegende Funktionsprinzipien

Im Kern wandelt ein VFD einen Wechselstromeingang mit fester Frequenz in einen Wechselstromausgang mit variabler Frequenz und variabler Spannung um und steuert so die Drehzahl eines angeschlossenen Wechselstrommotors. Zu den grundlegenden Phasen gehören:

  1. Gleichrichterstufe: Wandelt eingehende Wechselstrom-Netzspannung (z. B. 480 V, 60 Hz) in Gleichstrom um. Typischerweise werden Dioden oder SCRs verwendet.
  2. DC-Bus: Filtert und glättet die Gleichspannung mithilfe von Kondensatoren und Induktivitäten und sorgt so für einen stabilen Gleichstromzwischenkreis.
  3. Wechselrichterstufe: Wandelt die Gleichspannung mithilfe von Insulated Gate Bipolar Transistors (IGBTs) oder anderen Leistungshalbleitern, die mithilfe der Pulsweitenmodulation (PWM) schnell geschaltet werden, zurück in einen Wechselstromausgang mit variabler Frequenz und variabler Spannung.

3.1. V/f-Steuerung (Volt pro Hertz)

Die V/f-Steuerung ist die einfachste und am weitesten verbreitete Methode für VFDs, insbesondere in Anwendungen, die keine hohe dynamische Leistung oder präzise Geschwindigkeitsregelung erfordern (z. B. Pumpen, Lüfter, Förderbänder). Das Prinzip besteht darin, ein konstantes Verhältnis von Spannung zu Frequenz aufrechtzuerhalten, um den magnetischen Fluss im Motor konstant zu halten. Dadurch wird eine magnetische Sättigung bei niedrigeren Frequenzen verhindert und das maximal verfügbare Drehmoment über den gesamten Betriebsbereich sichergestellt. Die Motorgeschwindigkeit (N) beträgt ungefähr:

N ≈ (120 * f) / P

Dabei ist f die angelegte Frequenz (Hz) und P die Anzahl der Motorpole. Durch Variation von f wird die Motorgeschwindigkeit gesteuert. Die Spannung wird proportional angepasst, wobei das V/f-Verhältnis erhalten bleibt. Beispielsweise würde ein 460-V-60-Hz-Motor, der bei 30 Hz betrieben wird, etwa 230 V erhalten.

Vorteile: Einfachheit, niedrige Kosten, robust, geeignet für mehrere Motoren auf einem einzigen Antrieb.

Einschränkungen: Begrenztes Drehmoment bei niedriger Drehzahl, schlechte Drehzahlregelung bei wechselnden Lasten, nicht ideal für Hochleistungsanwendungen (z. B. Heben, Positionieren).

3.2. Vektorregelung (feldorientierte Regelung – FOC)

Die Vektorsteuerung revolutionierte die Steuerung von Wechselstrommotoren, indem sie es dem VFD ermöglichte, die unabhängige Fluss- und Drehmomentsteuerung von Gleichstrommotoren nachzuahmen. Durch die Umwandlung von Statorströmen in ein rotierendes Referenzsystem zerlegen FOC-Algorithmen den Motorstrom in zwei orthogonale Komponenten: eine repräsentiert den magnetischen Fluss und die andere repräsentiert das Drehmoment. Dadurch kann der VFD sowohl den Motorfluss als auch das Drehmoment unabhängig voneinander präzise steuern.

FOC erfordert typischerweise ein Motormodell und Feedback von einem Geschwindigkeits-/Positionssensor (Encoder oder Resolver), um eine genaue Steuerung zu gewährleisten, insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten und Nullgeschwindigkeit. Die mathematischen Transformationen (z. B. Clarke- und Park-Transformationen) sind rechenintensiv, liefern aber eine überlegene dynamische Reaktion und Geschwindigkeits-/Drehmomentgenauigkeit.

Vorteile: Hervorragende dynamische Reaktion, präzise Drehzahl- und Drehmomentregelung (bis zur Drehzahl Null), hohes Anlaufdrehmoment, Vierquadrantenbetrieb möglich (Antrieb und regeneratives Bremsen), bewältigt plötzliche Lastwechsel effektiv.

Einschränkungen: Höhere Kosten aufgrund von Feedback-Geräten, komplexere Einrichtung und Abstimmung, Möglichkeit eines Sensorausfalls in rauen Umgebungen.

3.3. Sensorlose Vektorsteuerung

Die sensorlose Vektorsteuerung baut auf den FOC-Prinzipien auf, macht jedoch einen physischen Geschwindigkeits-/Positionssensor überflüssig. Stattdessen nutzt es ausgefeilte Algorithmen und ein detailliertes Motormodell, um die Rotorgeschwindigkeit und -position auf der Grundlage gemessener Motorspannungen und -ströme abzuschätzen. Diese Schätzung wird häufig durch fortschrittliche Beobachtertechniken wie Model Reference Adaptive Systems (MRAS) oder Extended Kalman Filters (EKF) erreicht, die kontinuierlich das tatsächliche Motorverhalten mit dem erwarteten Verhalten des Motormodells vergleichen.

Vorteile: Reduzierte Systemkosten (kein Encoder), verbesserte Zuverlässigkeit (kein ausgefallener Sensor, weniger Verkabelung), kleinerer Platzbedarf, vereinfachte Installation und Wartung, geeignet für Hochgeschwindigkeitsanwendungen, bei denen Encoder mechanisch anspruchsvoll sein können.

Einschränkungen: Die Leistung kann sich bei sehr niedrigen Drehzahlen oder Nulldrehzahl im Vergleich zu sensorgesteuerten FOC verschlechtern, da sie empfindlich auf Motorparameterschwankungen (Temperatur, Sättigung) reagieren und möglicherweise nicht für Anwendungen geeignet sind, die extreme Präzision im Stillstand erfordern.

4. Aktueller Stand der Technik: Produkte und Fähigkeiten

Moderne VFDs integrieren fortschrittliche Steuerungs-, Kommunikations- und Sicherheitsfunktionen und bieten Lösungen für eine Vielzahl industrieller Anwendungen. Führende Hersteller bieten robuste Hochleistungsantriebe an, die strenge Industriestandards wie UL 508C für industrielle Steuerungsgeräte und die IEC 61800-Serie für elektrische Antriebssysteme mit einstellbarer Geschwindigkeit erfüllen.

  • Siemens SINAMICS G120-Serie: Der SINAMICS G120 ist für seinen modularen Aufbau bekannt und bietet ein hohes Maß an Flexibilität und Skalierbarkeit. Es verfügt über Safety Integrated-Funktionen (z. B. Safe Torque Off – STO, gemäß IEC 61800-5-2, SIL 2/3), Energierückgewinnungsfunktionen (für Mehrachssysteme) und umfangreiche Kommunikationsoptionen einschließlich PROFINET/PROFIBUS. Seine fortschrittlichen Motorsteuerungsalgorithmen, einschließlich sensorloser Vektorsteuerung, bieten eine hervorragende dynamische Leistung für eine Vielzahl von Anwendungen, von Pumpen und Lüftern bis hin zu Extrudern und Mischern. Das Leistungsmodul PM240-2 beispielsweise bietet Nennleistungen von bis zu 250 kW (335 PS) für den 400-V-Betrieb und erreicht Wirkungsgrade von über 98 %.
  • Rockwell Automation PowerFlex 525: Diese Serie legt Wert auf Benutzerfreundlichkeit, kompaktes Design und integrierte EtherNet/IP-Konnektivität. Der PowerFlex 525 bietet eine sensorlose Vektorsteuerung für eine verbesserte Geschwindigkeitsregelung gegenüber der V/f-Steuerung, was besonders nützlich in Förder- und Verpackungsmaschinen ist. Sein Umgebungsbetriebstemperaturbereich von -20 °C bis 50 °C und Schutzbeschichtungsoptionen erhöhen die Haltbarkeit in rauen Industrieumgebungen. Integrierte Sicherheitsfunktionen wie STO sind Standard und vereinfachen die Einhaltung von Maschinensicherheitsrichtlinien. Typische Nennleistungen reichen von 0,4 kW (0,5 PS) bis 22 kW (30 PS) für 400 V.
  • ABB ACS880-Serie: Der ACS880 wurde für anspruchsvolle Industrieanwendungen entwickelt und bietet außergewöhnliche Steuerungsleistung für praktisch jeden Wechselstrommotor. Es verfügt über Direct Torque Control (DTC), die als eine der fortschrittlichsten Motorsteuerungstechnologien gilt und in vielen Fällen eine extrem schnelle Drehmoment- und Drehzahlreaktion ermöglicht, ohne dass ein Drehzahlsensor erforderlich ist. Der ACS880 gewährleistet die Einhaltung von IEEE 519-2014 zur Oberwellenminderung durch integrierte Oberwellenfilter oder aktive Front-End-Technologie und reduziert die Gesamtharmonische Verzerrung (THD) auf unter 5 %. Darüber hinaus umfasst es umfassende Sicherheitsfunktionen (STO, SS1, SLS usw.) und eine breite Palette an Feldbusadaptern für die nahtlose Integration in Automatisierungssysteme. Die Leistungswerte reichen bis zu 6000 kW (8000 PS).

Diese Antriebe verfügen häufig über integrierte SPS-Funktionalität, erweiterte Diagnosefunktionen und Unterstützung für verschiedene Motortypen (Induktionsmotoren, Permanentmagnet-Synchronmotoren, Synchronreluktanzmotoren).

5. Auswahlkriterien: Technische Entscheidungsmatrix

Die Auswahl der geeigneten VFD-Technologie erfordert eine gründliche Bewertung der Anwendungsanforderungen, Leistungserwartungen und Kostenüberlegungen. In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten technischen Entscheidungspunkte aufgeführt:

Kriterium U/f-Steuerung Open-Loop-Vektorsteuerung (sensorlos) Vektorregelung mit geschlossenem Regelkreis (sensorisch)
Anwendungstyp Ventilatoren, Pumpen, Grundförderer, einfache Mischer, Zentrifugen. Allgemeiner Maschinenbau, Materialhandhabung, Extruder, Werkzeugmaschinen (nicht positionierend), Hebezeug/Kran (nicht kritisch). Hochpräzise Positionierung, Robotik, Auf-/Abwickler, Prüfstände, Druckmaschinen, Aufzüge, Kräne (kritisch).
Geschwindigkeitsregelung ±2 % bis ±5 % der Höchstgeschwindigkeit ±0,5 % bis ±1 % der Höchstgeschwindigkeit ±0,01 % bis ±0,03 % der Höchstgeschwindigkeit (mit Encoder)
Drehmomentkontrolle Begrenzt (abhängig vom V/f-Verhältnis, schlecht bei niedriger Drehzahl) Gut (0 % bis 150 % Nenndrehmoment bei niedrigen Drehzahlen) Hervorragend (0 % bis 200 % Nenndrehmoment bei Nulldrehzahl)
Dynamische Reaktion Langsam (Millisekunden zu Sekunden) Mittel (zig Millisekunden) Schnell (einige Millisekunden)
Anlaufdrehmoment 100–120 % des Nenndrehmoments 150-180 % des Nenndrehmoments 200 % oder mehr des Nenndrehmoments
Kosten (relativ) Niedrig Mittel Hoch (aufgrund von Sensor, Tuning)
Komplexität (Installation/Tuning) Niedrig Mittel Hoch
Umweltrobustheit Hoch (kein Sensor) Hoch (kein Sensor) Mittel (Sensor kann anfällig sein)
Energieeffizienz Gut für Lasten mit variablem Drehmoment Sehr gut Hervorragend im gesamten Geschwindigkeitsbereich

Anlageningenieure müssen Faktoren wie die erforderliche Geschwindigkeitsgenauigkeit, dynamische Beschleunigungs-/Verzögerungsraten, Motorlasteigenschaften (konstantes Drehmoment gegenüber variablem Drehmoment) und Umgebungsbedingungen berücksichtigen. Für sichere und zertifizierte Installationen ist die Einhaltung örtlicher Elektrovorschriften, wie beispielsweise der NFPA 70 (National Electrical Code) in den USA, nicht verhandelbar.

6. Leistungsbenchmarks: Daten aus der realen Welt

Die Auswirkungen von VFDs auf die betriebliche Effizienz sind quantifizierbar und erheblich. Bei Anwendungen mit variablem Drehmoment (z. B. Kreiselpumpen und Lüfter) ist der Stromverbrauch proportional zur dritten Potenz der Drehzahl (P ∝ N3). Diese Beziehung nach dem Kubikgesetz bedeutet, dass selbst eine geringfügige Reduzierung der Geschwindigkeit zu erheblichen Energieeinsparungen führen kann. Zum Beispiel:

  • Eine Reduzierung der Motorgeschwindigkeit um 20 % (z. B. von 60 Hz auf 48 Hz) kann zu einer Reduzierung des Stromverbrauchs um etwa 48,8 % führen (0,83 = 0,512). Dies führt direkt zu niedrigeren Stromrechnungen und einem geringeren CO2-Fußabdruck.
  • Bei einer typischen Pumpenanwendung mit 75 kW (100 PS), die 8.000 Stunden pro Jahr läuft und bei einer durchschnittlichen Drehzahlreduzierung von 15 % die jährliche Energieeinsparung 50.000 kWh übersteigen kann, was zu Kosteneinsparungen von über 5.000 US-Dollar (bei 0,10 US-Dollar/kWh) führt.

Über die Energie hinaus tragen VFDs dazu bei:

  • Verlängerte Gerätelebensdauer: Sanftes Starten und Stoppen eliminiert mechanische Stöße und Verschleiß an Getrieben, Lagern und Riemen. Dies kann die mittlere Zeit zwischen Ausfällen (MTBF) für mechanische Komponenten um 20–30 % erhöhen.
  • Reduzierter Wartungsaufwand: Präzise Geschwindigkeitsregelung reduziert den Betriebsstress und minimiert die Häufigkeit des Komponentenaustauschs. Durch optimierte Geschwindigkeit können Vibrationen um 15–25 % reduziert werden, was die Lagerlebensdauer verlängert.
  • Verbesserter Leistungsfaktor: Moderne VFDs verfügen häufig über eine Leistungsfaktorkorrektur, wodurch der Blindleistungsbedarf und die damit verbundenen Einbußen bei den Versorgungsunternehmen reduziert werden. Viele Antriebe erreichen einen Verschiebungsfaktor >0,95.
  • Verbesserte Produktqualität: Die Aufrechterhaltung einer konstanten Geschwindigkeit und Spannung bei Prozessen wie Wickeln, Extrudieren oder Mischen wirkt sich direkt auf die Produktgleichmäßigkeit aus und reduziert Abfall. Wenn beispielsweise bei der Papierproduktion die Bahnspannung innerhalb von ±0,5 % gehalten wird, wird Materialbruch reduziert und eine gleichbleibende Dicke sichergestellt.

7. Integrationsherausforderungen in Brownfield-Anlagen

Der Einsatz von Frequenzumrichtern in bestehenden (Brownfield-)Industrieanlagen stellt einzigartige Herausforderungen dar, die eine sorgfältige Planung und die Einhaltung von Standards wie ANSI/NEMA MG 1 für Motoren und IEEE 519-2014 für die Oberschwingungskontrolle erfordern.

  1. Oberwellenverzerrung: Die nichtlineare Natur von VFD-Gleichrichtern kann harmonische Ströme zurück in das Stromnetz einspeisen. Dies kann zu Spannungsverzerrungen, Überhitzung von Transformatoren und Kabeln sowie Fehlfunktionen empfindlicher elektronischer Geräte führen. Zu den Lösungen gehören Netzdrosseln (Impedanz zur Absorption von Oberschwingungen), passive Oberschwingungsfilter oder aktive Frontend-VFDs (AFE), die Oberschwingungen aktiv unterdrücken und so die Einhaltung der IEEE 519-Grenzwerte für Spannungs- und Stromverzerrungen gewährleisten.
  2. Elektromagnetische Interferenz (EMI/RFI): Das hochfrequente Schalten von IGBTs in der Wechselrichterstufe kann elektromagnetisches Rauschen erzeugen. Dies kann Kommunikationssysteme, Instrumente und Steuerkreise beeinträchtigen. Eine ordnungsgemäße Abschirmung, Erdungspraktiken (gemäß IEEE Std 1100, „Emerald Book“) und die Verwendung von EMI-Filtern sind für die Schadensminderung von entscheidender Bedeutung.
  3. Motorkompatibilität: Ältere Motoren, die für den Direktbetrieb (DOL) ausgelegt sind, sind möglicherweise nicht vollständig mit VFDs kompatibel. Die schnellen Spannungsänderungen (dv/dt) des PWM-Ausgangs können die Isolierung der Motorwicklung belasten und zu einem vorzeitigen Ausfall führen. Zu den Überlegungen gehören:
    • Isolationsbewertung: Motoren sollten idealerweise für den Wechselrichterbetrieb (NEMA MG 1 Teil 31) ausgelegt sein, um vorübergehende Spannungsspitzen (bis zu 1600 V Spitze) ohne Ausfall zu überstehen.
    • Lagerströme: Hochfrequente Gleichtaktspannungen können in Motorlagern zirkulierende Ströme induzieren, die zu vorzeitigem Verschleiß (Riffelung) führen. Zu den Abhilfemaßnahmen gehören isolierte Lager, Keramiklager oder Wellenerdungsringe.
    • Verkabelung: Verwenden Sie abgeschirmte VFD-Kabel mit geeigneten Erdungsanschlüssen, um Reflexionen und elektromagnetische Störungen zu minimieren, insbesondere bei Strecken über 50 Fuß (15 Meter).
  4. Kühlung und Gehäuse: VFDs erzeugen Wärme und ihre Gehäuse müssen für die Betriebsumgebung ausreichend dimensioniert und gekühlt sein. NEMA-Gehäusebewertungen (z. B. NEMA 12 für Staubdichtheit, NEMA 4X für Korrosionsbeständigkeit) müssen mit den Anlagenbedingungen übereinstimmen.
  5. Nachrüstungsherausforderungen: Für die Integration neuer VFDs in ältere Steuerungssysteme (SPS, DCS) sind möglicherweise Protokollkonverter oder Gateway-Geräte erforderlich. Vorhandene Steuerverkabelungen müssen möglicherweise aufgerüstet werden, um digitale Kommunikationsprotokolle wie Modbus TCP/IP, EtherNet/IP oder PROFINET zu unterstützen und einen robusten Datenaustausch zu gewährleisten.

8. Zukunftsaussichten: Auf dem Weg ins Jahr 2030

Die Entwicklung der VFD-Technologie wird durch kontinuierliche Fortschritte in der Leistungselektronik, den Steuerungsalgorithmen und der industriellen Digitalisierung vorangetrieben:

  • Wide Bandgap (WBG)-Halbleiter: Die zunehmende Verbreitung von Leistungsgeräten aus Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN) ermöglicht den Betrieb von VFDs mit höheren Schaltfrequenzen, was zu kleineren, leichteren und noch effizienteren Antrieben führt. Dies reduziert die Energieverluste im Vergleich zu herkömmlichen Silizium-IGBTs um bis zu 50 % und ermöglicht höhere Leistungsdichten.
  • Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen (KI/ML): KI/ML-Algorithmen werden VFDs um vorausschauende Wartungsfunktionen, Anomalieerkennung und Selbstoptimierungsfunktionen erweitern. Durch die Analyse von Betriebsdaten (Ströme, Spannungen, Temperaturen, Vibrationen) können VFDs Ausfälle vorhersehen, den Energieverbrauch in Echtzeit basierend auf den Prozessanforderungen optimieren und sogar Steuerparameter anpassen, um die Motorleistung und -effizienz zu verbessern, was zu einer geschätzten Reduzierung der ungeplanten Ausfallzeiten um 15–20 % führt.
  • Netzintegration und Smart Grids: VFDs mit aktiver Front-End-Technologie werden eine entscheidende Rolle bei der Netzstabilität spielen, indem sie Blindleistungskompensation bieten und sogar regenerative Energie in das Netz zurückspeisen. Dies unterstützt die Integration erneuerbarer Energiequellen und trägt zu widerstandsfähigeren elektrischen Infrastrukturen bei.
  • Verbesserte Cybersicherheit: Da VFDs immer stärker mit IIoT-Plattformen und Unternehmensnetzwerken verbunden werden, werden robuste Cybersicherheitsfunktionen zum Schutz vor unbefugtem Zugriff und Cyberbedrohungen von größter Bedeutung sein und Standards wie IEC 62443 einhalten.
  • Modularität und Anpassung: Zukünftige VFDs werden eine größere Modularität bieten, was eine einfachere Konfiguration und Anpassung an spezifische Anwendungsanforderungen ermöglicht und die Bestandsverwaltung für MRO-Vorgänge vereinfacht.

9. Referenzen

  1. IEEE-Standard 519-2014, „IEEE-empfohlene Praxis und Anforderungen für die Oberschwingungskontrolle in elektrischen Energiesystemen“.
  2. NEMA MG 1-2016, „Motoren und Generatoren“. Nationaler Verband der Elektrohersteller.
  3. IEC 61800-5-2:2016, „Elektrische Antriebssysteme mit einstellbarer Drehzahl – Teil 5-2: Sicherheitsanforderungen – Funktional.“ Internationale Elektrotechnische Kommission.
  4. „Antriebe mit einstellbarer Geschwindigkeit: Ein Überblick über die Technologie und ihre Auswirkungen auf die Energieeffizienz.“ US-Energieministerium, 2012.
  5. „Die Besonderheiten der sensorlosen Vektorsteuerung für Wechselstrommotoren.“ ABB White Paper, 2018.

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