Praxisleitfaden: Umfassende Wartung für AGV/AMR-Flotten – Rad-, Sensor-, Batterie- und Ladesysteme

1. Geltungsbereich und Zweck

Dieser praxisorientierte Wartungsleitfaden beschreibt wichtige Verfahren für fahrerlose Transportsysteme (FTS) und autonome mobile Roboter (AMR), die in modernen Produktions- und Logistikumgebungen häufig eingesetzt werden. Er behandelt insbesondere präventive und korrektive Maßnahmen für den Austausch von Antriebs- und Lenkrollen, die präzise Kalibrierung von Sensoren, die umfassende Batteriekonditionierung und die gründliche Überprüfung des Ladesystems. Die Einhaltung dieser Protokolle gewährleistet maximale Betriebszeit, verlängert die Lebensdauer der Roboter, verbessert die Einhaltung von Sicherheitsstandards und erhält die optimale Leistung Ihrer FTS/AMR-Flotte aufrecht.

Dieser Leitfaden ist für den Einsatz im Rahmen planmäßiger vorbeugender Wartungszyklen, bei festgestellter Leistungsverschlechterung oder nach Erreichen bestimmter Betriebsstunden oder Bewegungszyklen konzipiert, wie sie typischerweise in den Spezifikationen des Originalherstellers und in Zuverlässigkeitsanalysen festgelegt sind. Er dient als direkte, praxisorientierte Informationsquelle für Wartungstechniker, Instandhaltungsleiter und Zuverlässigkeitsingenieure.

2. Sicherheitsvorkehrungen

Die strikte Einhaltung der Sicherheitsvorschriften ist bei allen Wartungsarbeiten an AGV/AMR-Systemen unerlässlich. Zuwiderhandlungen können zu schweren Verletzungen, Sachschäden oder Todesfällen führen.


GEFAHR: Sperr- und Kennzeichnungsverfahren (LOTO) zwingend erforderlich. Vor Beginn jeglicher Wartungsarbeiten, insbesondere solcher, die eine physische Interaktion mit dem AGV/AMR oder dessen Stromversorgungssystemen beinhalten, MUSS das Fahrzeug gemäß OSHA 29 CFR 1910.147 stromlos geschaltet, gesperrt und gekennzeichnet werden. Überprüfen Sie den stromlosen Zustand mit einem zugelassenen Multimeter.


WARNUNG: Gefährliche Energie. AGV/AMR-Systeme enthalten Hochspannungsbatterien, gespeicherte mechanische Energie (z. B. Federn) und hochentwickelte Bewegungssteuerungssysteme. Bei Nichteinhaltung der LOTO-Verfahren kann es zu unkontrollierten Bewegungen, Stromschlägen oder Quetschverletzungen kommen.


WARNUNG: Quetsch- und Quetschgefahren. Bewegliche Teile, Hebemechanismen und das Fahrzeuggewicht bergen erhebliche Quetsch- und Quetschgefahren. Verwenden Sie geeignete Hebezeuge und sichern Sie das Fahrzeug ordnungsgemäß, bevor Sie unter oder an den Rädern arbeiten.


WARNUNG: Batteriesäure/Elektrolyt. Bei der Batterieaufbereitung und -prüfung können Techniker mit ätzenden Batterieelektrolyten in Kontakt kommen. Tragen Sie stets geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA).

Erforderliche persönliche Schutzausrüstung (PSA):

  • Augenschutz: Schutzbrille oder Schutzbrille nach ANSI Z87.1.
  • Fußschutz: Sicherheitsschuhe gemäß ASTM F2413 (Stahlkappe/Verbundstoffkappe).
  • Handschutz: Schnittfeste Handschuhe (ANSI/ISEA 105 Level A3 oder höher) für mechanische Arbeiten; chemikalienbeständige Handschuhe (z. B. Nitril, Butyl) für Arbeiten im Zusammenhang mit Batterien.
  • Gehörschutz: Gemäß den Anforderungen der Lärmschutzbestimmungen der Einrichtung (OSHA 29 CFR 1910.95).
  • Lichtbogenschutz: Bei elektrischen Prüfungen von Ladesystemen ist für qualifiziertes Personal die Verwendung von Lichtbogenschutz-PSA (mindestens Kategorie 2, wie durch eine Lichtbogenrisikobewertung gemäß NFPA 70E ermittelt) obligatorisch.

3. Benötigte Werkzeuge und Materialien

Stellen Sie sicher, dass alle Werkzeuge kalibriert und in einwandfreiem Zustand sind. Beachten Sie gegebenenfalls die Herstellerhandbücher für spezifische Werkzeuganforderungen.

Werkzeug/Material Spezifikation/Norm Menge
Kalibrierter Drehmomentschlüssel 0-150 Nm (0-110 ft-lb), kalibriert nach ASME B107.300 1
Digitales Multimeter (DMM) CAT III 1000V Nennspannung, kalibriert nach ISO/IEC 17025 (z. B. Fluke 87V oder gleichwertig) 1
Laser-Ausrichtungswerkzeug 0,01 mm Auflösung, geeignet für die Ausrichtung von Chassis und Sensoren (z. B. Fixturlaser EVO oder gleichwertig) 1
Batteriediagnosegerät Spannungs-, Kaltstartstrom- und Impedanzprüfungsfähigkeit (z. B. Midtronics EXP-1000 oder gleichwertig) 1
Isolierte Handwerkzeuge IEC 60900-konform (verschiedene Schraubenschlüssel, Schraubendreher, Zangen) 1 Satz
Zugelassenes Hebezeug Ausgelegt für das Gewicht von AGVs/AMRs (z. B. Hydraulikheber, Brückenkran, Scherenhebebühne) 1
Radabzieher-Set Universell oder OEM-spezifisch 1 Satz
Vergällter Alkohol / IPA Reagenzqualität, zur Sensorreinigung 1 Flasche
Fusselfreie Reinigungstücher Mikrofaser oder ähnliches Pack
Dielektrisches Fett Hochtemperaturbeständig, nichtleitend (z. B. Permatex 22058) 1 Tube
Ersatzräder Vom Originalhersteller spezifiziert, korrekte Härte und Lagertyp Nach Bedarf
Ersatzakkus/Zellen OEM-spezifiziert (LiFePO4, NiMH, Blei-Säure) Nach Bedarf
Kalibrierungsziele (OEM-spezifisch) Reflektierende, geometrische oder magnetische Ziele zur Sensorkalibrierung 1 Satz

4. Checkliste für die Inspektion vor der Wartung

Führen Sie vor Beginn detaillierter Wartungsarbeiten eine gründliche Sicht- und Funktionsprüfung durch.

Artikel Überprüfen Annahme-/Ablehnungskriterien Anmerkungen
Gesamtzustand des Fahrzeugs Sichtprüfung auf äußere Beschädigungen, lose Paneele oder übermäßige Verschmutzung. Keine sichtbaren Risse, Dellen oder lockeren Befestigungselemente; sauberes Chassis. Dokumentieren Sie jegliche kosmetische oder strukturelle Schäden.
Radzustand Überprüfen Sie die Antriebs- und Lenkrollen auf Verschleiß, Schnitte, Abflachungen, Lagerspiel und eingebettete Fremdkörper. Profiltiefe > 3 mm (0,12 Zoll), keine nennenswerten Schnitte oder Ausbrüche, minimales Lagerspiel (< 0,5 mm radial). Der Austausch sollte Vorrang haben, wenn der Verschleiß gravierend ist.
Sensorintegrität Prüfen Sie, ob LiDAR-, Ultraschall-, Bildverarbeitungs- und Sicherheitssensoren frei von Hindernissen, Kratzern oder Beschädigungen sind. Die Sensorlinsen/-fenster sind sauber und unbeschädigt und fest montiert. Bei Bedarf mit vergälltem Alkohol reinigen.
Ladekontakte Prüfen Sie die Ladestifte/Ladeplatten an AGV/AMR und der Ladestation auf Lochfraß, Korrosion oder Fehlausrichtung. Die Kontakte sind sauber, glänzend und weisen nur minimale Gebrauchsspuren auf; die federbelasteten Kontakte funktionieren einwandfrei. Achten Sie auf übermäßigen Verschleiß oder Lichtbogenspuren.
Not-Aus (E-Stop) Alle Not-Aus-Taster betätigen; sofortiges Anhalten des Fahrzeugs und aktivierten Not-Aus-Status überprüfen. Das Fahrzeug hält sofort an; die Not-Aus-Anzeige leuchtet auf. Not-Aus-Schalter zurücksetzen und normale Funktion überprüfen.
Sicherheitsscanner/Stoßfänger Die Funktionalität von Sicherheitsscannern (z. B. Lichtvorhang) und physischen Stoßdämpfern durch absichtliche Blockierung testen. Das Fahrzeug erkennt ein Hindernis und kommt innerhalb der Herstellervorgaben sicher zum Stehen. Integrität der Sicherheitszone bestätigen.
Verkabelung & Kabel Sichtprüfung der externen Kabelbäume auf Scheuerstellen, Schnitte oder lose Verbindungen. Die Kabel sind befestigt, keine Leiter liegen frei, die Stecker sitzen fest. Achten Sie auf Bereiche mit hoher Bewegungsaktivität.

5. Schritt-für-Schritt-Anleitung

5.1. Austausch des Antriebs-/Lenkrads

Dieses Verfahren gilt für den Austausch verschlissener Antriebs- oder Lenkrollen. Tauschen Sie die Rollen immer paarweise auf derselben Achse oder Seite aus, um gleichmäßigen Verschleiß und einen ruhigen Lauf zu gewährleisten.


  1. GEFAHR: Sperren/Kennzeichnen. Vor Annähern an das AGV/AMR sicherstellen, dass es stromlos, gesperrt und gemäß OSHA 29 CFR 1910.147 gekennzeichnet ist. Mit einem Digitalmultimeter (DMM) der Kategorie III (1000 V) prüfen, ob an allen Stromleitern keine Spannung anliegt.

  2. Fahrzeug sichern: Positionieren Sie das AGV/AMR auf einer ebenen, stabilen Fläche. Verwenden Sie gegebenenfalls ein zugelassenes Hebegerät (z. B. einen hydraulischen Wagenheber mit Unterstellböcken oder einen Kran), um den Fahrzeugteil, für den die Räder zugänglich sein müssen, sicher anzuheben. Stellen Sie sicher, dass das Fahrzeug stabil steht und sich nicht bewegen oder kippen kann. Die Hubhöhe muss ausreichend Freiraum für die Raddemontage bieten, ohne die Federung zu überdehnen oder Bauteile zu beschädigen.

  3. Vorbereitung zur Demontage: Entfernen Sie mit einer Drahtbürste jeglichen Schmutz oder Korrosion von den Radmuttern/-bolzen. Tragen Sie Kriechöl auf, falls die Befestigungselemente festsitzen. Notieren Sie sich die Ausrichtung des vorhandenen Rades sowie eventuell vorhandene Distanzscheiben oder Unterlegscheiben.

  4. Radbefestigungen entfernen: Lösen und entfernen Sie alle Radmuttern/Radbolzen mit einem kalibrierten Drehmomentschlüssel oder einem geeigneten Drehmomentschlüssel. Bei starker Beanspruchung können diese Befestigungselemente mit 85–120 Nm (63–88 ft-lb) angezogen werden. *Verwenden Sie keine Schlagschrauber, es sei denn, diese sind ausdrücklich vom Originalhersteller zugelassen, da dies Radlager oder Antriebskomponenten beschädigen kann.*

  5. Rad ausbauen: Das Rad vorsichtig abnehmen. Bei festsitzendem Rad an Achse oder Nabe kann ein Radabzieher erforderlich sein. Das Rad beim Ausbau abstützen, um ein Herunterfallen und mögliche Verletzungen oder Beschädigungen an Sensorkabeln oder Antriebseinheiten zu vermeiden. Achse, Nabe und Lagersitze auf Verschleiß, Beschädigungen oder Verschmutzungen prüfen.

  6. Neues Rad montieren: Achse und Nabe gründlich mit einem fusselfreien Tuch reinigen. Das neue Rad auf Mängel prüfen. Das neue Rad vorsichtig auf Achse und Nabe setzen und dabei auf die korrekte Ausrichtung mit den Nuten und Befestigungsbolzen achten. Gegebenenfalls eine dünne Schicht Dielektrikumfett auf die Kontaktflächen auftragen, um galvanische Korrosion zu verhindern. Dabei die Lagerflächen aussparen. Sicherstellen, dass alle Distanzstücke und Unterlegscheiben korrekt montiert sind.

  7. Radbefestigung: Alle Radmuttern/Radbolzen zunächst handfest anziehen. Anschließend die Befestigungselemente mit einem kalibrierten Drehmomentschlüssel auf das vom Hersteller vorgegebene Drehmoment anziehen. Ein üblicher Bereich für Industrieräder liegt bei 95–135 Nm (70–100 ft-lb) für M10- bis M12-Befestigungselemente. Bei Rädern mit mehreren Befestigungselementen die Schrauben stern- oder kreuzweise anziehen, um einen gleichmäßigen Sitz zu gewährleisten und Verformungen des Rades zu vermeiden. Nach dem ersten Anziehen eine abschließende Drehmomentprüfung durchführen. *Zu geringes Drehmoment kann zu lockeren Rädern und schwerwiegenden Schäden führen; zu hohes Drehmoment kann Bolzen, Muttern oder Lager beschädigen.*

  8. Überprüfen Sie die Installation: Bewegen Sie das montierte Rad vorsichtig hin und her, um eventuelles Restspiel festzustellen. Drehen Sie das Rad von Hand, um sicherzustellen, dass es sich leichtgängig und ohne Blockieren dreht. Das Rad sollte sich ohne übermäßige Geräusche oder Widerstand frei drehen lassen.

  9. Fahrzeug absenken: Senken Sie das AGV/AMR vorsichtig von der Hebevorrichtung ab. Entfernen Sie sämtliche Werkzeuge und Geräte aus dem Arbeitsbereich. Schalten Sie die Stromversorgung wieder ein und testen Sie das Fahrzeug in einer kontrollierten Umgebung, um die korrekte Spurführung und Bewegung zu bestätigen.

5.2. Sensorkalibrierung

Eine präzise Sensorkalibrierung ist für Navigation, Hinderniserkennung und Sicherheit unerlässlich. Dieses Verfahren beschreibt die allgemeinen Schritte; spezifische Software- und Kalibrierungsanforderungen entnehmen Sie bitte der Dokumentation des Originalherstellers.


  1. WARNUNG: Mögliche Fahrzeugbewegung. Während bestimmter Kalibrierungsvorgänge kann das AGV/AMR kontrollierte Bewegungen ausführen. Stellen Sie sicher, dass sich keine Personen oder Hindernisse im Umfeld befinden. Richten Sie einen Sicherheitsbereich ein. Seien Sie stets wachsam.

  2. Kalibrierumgebung vorbereiten: Parken Sie das AGV/AMR auf einer freien, ebenen und offenen Fläche ohne reflektierende Oberflächen oder elektromagnetische Störungen, die die Sensormesswerte beeinflussen könnten. Stellen Sie sicher, dass die Umgebungsbeleuchtung gleichmäßig ist und innerhalb des vom Hersteller vorgegebenen Bereichs liegt (z. B. 500–1500 Lux für Bildverarbeitungssysteme).

  3. Zugriff auf den Diagnosemodus: Stellen Sie über das vom Originalhersteller bereitgestellte Diagnosetool oder die Softwareschnittstelle eine Verbindung zum Steuerungssystem des AGV/AMR her. Navigieren Sie zum Menü „Sensorkalibrierung“ oder „Diagnose“.

  4. Sensoren reinigen: Reinigen Sie alle Sensorlinsen, Fenster und Öffnungen (LiDAR, Ultraschall, Bildverarbeitung, induktiv) vorsichtig mit Brennspiritus und einem fusselfreien Tuch. *Vermeiden Sie scheuernde Materialien oder aggressive Chemikalien, die optische Oberflächen zerkratzen könnten.*

  5. Kalibrierziele platzieren: Positionieren Sie die vom Originalhersteller (OEM) vorgegebenen Kalibrierziele (z. B. reflektierende Streifen für LiDAR, geometrische Muster für Bildverarbeitung, Objekte bekannter Entfernung für Ultraschall) in präzisen Abständen und Winkeln um das AGV/AMR herum, wie von der OEM-Software vorgegeben. Beispiel: LiDAR-Ziel 5 m (16,4 ft) direkt vor dem Fahrzeug und 2 m (6,6 ft) in einem Winkel von 45 Grad nach links/rechts. Stellen Sie sicher, dass die Ziele stabil und absolut plan sind.

  6. Kalibrierung starten: Folgen Sie den Anweisungen der Diagnosesoftware auf dem Bildschirm, um die Sensorkalibrierung zu starten. Das System führt Sie durch die Datenerfassung von jedem Ziel. Bei LiDAR sind möglicherweise 360°-Scans erforderlich; bei visuellen Sensoren mehrere Kamerawinkel eines Musters. *Ein vorzeitiger Abbruch der Kalibrierung kann zu fehlerhaften Sensordaten führen.*

  7. Messwerte prüfen und anpassen: Nach der Datenerfassung zeigt die Software die aktuellen Sensorparameter an und weist auf Abweichungen hin. Passen Sie Offset, Verstärkung und Winkelparameter gegebenenfalls an, um die Messwerte innerhalb der OEM-Toleranzen zu halten. Beispielsweise sollte die Genauigkeit der LiDAR-Entfernungsmessung bei 10 m Entfernung innerhalb von +/- 5 mm liegen, und die Objekterkennungssicherheit eines Bildverarbeitungssystems sollte >95 % betragen. Speichern Sie alle Änderungen.

  8. Funktionstest: Führen Sie einen Funktionstest mit bekannten Hindernissen in einer kontrollierten Umgebung durch. Stellen Sie sicher, dass alle Sicherheitszonen aktiv sind und die entsprechenden Bremsreaktionen auslösen. Beispielsweise sollte ein AGV einen Pfosten mit 50 mm Durchmesser in 2 m Entfernung erkennen und einen kontrollierten Stopp einleiten.

5.3. Batteriekonditionierung

Die Batteriekonditionierung optimiert den Batteriezustand, verlängert die Lebensdauer und gewährleistet eine konstante Leistungsabgabe. Dieses Verfahren ist für alle Batterietypen unerlässlich, variiert jedoch in den Details; beachten Sie daher stets die Richtlinien des Batteriemanagementsystems (BMS) des Originalherstellers.


  1. WARNUNG: Sicherheitshinweise für Batterien. Tragen Sie beim Umgang mit Batterien eine nach ANSI Z87.1 zugelassene Schutzbrille und geeignete chemikalienbeständige Handschuhe (z. B. aus Nitril oder Butyl). Batteriesäure ist ätzend und kann schwere Verätzungen verursachen. Sorgen Sie für ausreichende Belüftung, um entstehende Gase abzuführen. Trennen Sie den Ladekreis, bevor Sie die Batterien abklemmen.

  2. Prüfung des anfänglichen Ladezustands (SoC): Messen Sie mit dem Batterietester die aktuelle Spannung und den SoC. Bei den meisten Batterietypen ist ein Konditionierungszyklus am effektivsten, wenn sich die Batterie in einem Zustand der Teilentladung befindet, typischerweise zwischen 20 und 50 % SoC.

  3. Kontrollierte Entladung: Ist der Ladezustand (SoC) zu hoch, leiten Sie eine kontrollierte Entladung über die Bordsysteme des AGV/AMR ein (z. B. durch Abfahren einer programmierten Route bis zum Erreichen eines Ziel-SoC) oder über eine externe programmierbare Lastbank. Entladen Sie bis zum empfohlenen Mindestwert, typischerweise 20–30 % SoC für LiFePO4- und Blei-Säure-Akkus. *Vermeiden Sie eine Tiefentladung unter 20 % SoC, da dies die Lebensdauer des Akkus, insbesondere von Lithium-Ionen-Akkus, erheblich verkürzen kann.*

  4. Vollständiger Ladezyklus: Schließen Sie das AGV/AMR an die zugehörige Ladestation an. Starten Sie einen vollständigen, unterbrechungsfreien Ladezyklus. Für eine optimale Konditionierung wird häufig eine niedrigere Laderate (z. B. 0,1C bis 0,2C , wobei C die Batteriekapazität in Ah ist) empfohlen, um den Zellenausgleich zu ermöglichen. Überwachen Sie den Ladevorgang auf ungewöhnliche Wärmeentwicklung (die Temperatur sollte 45 °C / 113 °F nicht überschreiten).

  5. Zellspannungsausgleich (falls zutreffend): Bei Mehrzellen-Akkus (üblich in Lithium-Ionen-Systemen) muss sichergestellt werden, dass das Batteriemanagementsystem (BMS) die Zellspannungen während des Ladevorgangs aktiv ausgleicht. Nach dem Ladevorgang ist zu überprüfen, ob die einzelnen Zellspannungen innerhalb der vom Hersteller vorgegebenen Toleranz liegen (typischerweise ±50 mV) . Eine signifikante Abweichung deutet auf eine defekte Zelle oder ein Problem mit dem BMS hin. *Die Vernachlässigung des Zellspannungsausgleichs kann zu vorzeitigem Ausfall des Akkus und reduzierter Kapazität führen.*

  6. Diagnose nach der Konditionierung: Führen Sie nach Abschluss des Ladezyklus und einer Ruhezeit von mindestens einer Stunde einen umfassenden Diagnosetest durch. Erfassen Sie Leerlaufspannung, Innenwiderstand (Impedanz) und Kaltstartstrom (CCA) bei Bleiakkus bzw. entsprechende Parameter bei Lithium-Ionen-Akkus. Vergleichen Sie diese Werte mit den Referenzwerten und den Herstellervorgaben. Eine Impedanzabweichung von mehr als 20 % gegenüber dem Referenzwert deutet in der Regel auf eine signifikante Verschlechterung der Akkuleistung hin.

  7. Daten erfassen: Dokumentieren Sie alle Konditionierungsparameter, den anfänglichen/endgültigen Ladezustand (SoC), Spannungen, Temperaturen und Diagnosewerte im Wartungsprotokoll. Diese Daten sind entscheidend für die Trendanalyse und die Prognose der zukünftigen Batterieleistung.

5.4. Überprüfung des Ladesystems

Ein zuverlässiges Ladesystem ist für die Verfügbarkeit von AGVs/AMRs unerlässlich. Regelmäßige Inspektionen beugen Ladeausfällen vor und verlängern die Batterielebensdauer.


  1. GEFAHR: Hochspannung. Die AGV/AMR-Ladestation arbeitet mit hohen Wechselspannungen (z. B. 208 V, 480 V) und hohen Gleichspannungen. Nur qualifizierte Elektriker oder Techniker mit Schulung in elektrischer Sicherheit (gemäß NFPA 70E) dürfen diese Prüfungen durchführen. Verwenden Sie isolierte Werkzeuge der Kategorie III/IV und Schutzausrüstung gegen Störlichtbögen.

  2. LOTO-Ladestation: Schalten Sie die Hauptstromversorgung der AGV/AMR-Ladestation ab. Befolgen Sie die anlagenspezifischen LOTO-Verfahren. Überprüfen Sie mit einem Digitalmultimeter, ob an den Eingangsklemmen Nullspannung anliegt.

  3. Ladekontakte und -kabel prüfen: Alle Ladekontakte (AGV/AMR-Seite und Stationsseite) sind visuell auf übermäßigen Verschleiß, Lochfraß, Korrosion oder Fremdkörper zu prüfen. Die Ladekabel sind auf Schnitte, Abrieb, ordnungsgemäße Isolierung und festen Sitz zu prüfen. Sicherstellen, dass die federbelasteten Stifte auf der Stationsseite über ausreichende Rückstellkraft verfügen.

  4. Kontakte reinigen: Verwenden Sie feines Schleifpapier (z. B. Körnung 400–600) oder ein spezielles Kontaktreinigungswerkzeug, um Korrosion oder Kohlenstoffablagerungen an den Ladekontakten zu entfernen. Reinigen Sie die Kontakte anschließend gründlich mit Brennspiritus und einem fusselfreien Tuch. Tragen Sie eine dünne Schicht Dielektrikumfett auf, um zukünftige Korrosion zu verhindern und eine gute Leitfähigkeit zu gewährleisten. Der erwartete Kontaktwiderstand sollte im trockenen Zustand unter 0,1 Ohm liegen.

  5. Eingangsleistung prüfen (nach Wiederherstellung der Stromversorgung): Die Ladestation wieder einschalten (nachdem LOTO entfernt wurde). Mit einem Digitalmultimeter die Netzspannung (z. B. 480 V AC ±10 % über alle Phasen) und die Frequenz (z. B. 60 Hz ±0,5 Hz für USA/Kanada, 50 Hz ±0,5 Hz für Großbritannien/EU) messen. Vor dem Anschluss an das AGV/AMR die stabile Ausgangsspannung des Transformators bzw. Gleichrichters der Station überprüfen. *Eine falsche Eingangsspannung kann das Ladegerät und die angeschlossene Elektronik des AGV/AMR beschädigen.*

  6. Überprüfen Sie die Ausgangsleistung und die Erdung: Schließen Sie ein vollständig entladenes AGV/AMR an die Ladestation an. Überwachen Sie die Gleichspannung und den Gleichstrom des Ladegeräts. Bei einem typischen 48-V-AGV/AMR-System sollte die Ausgangsspannung bei Vollladung auf ca. 54,6 V DC ±0,5 V (für LiFePO4) bzw. 57,6 V DC ±0,5 V (für Blei-Säure) ansteigen. Der Ladestrom sollte mit Annäherung an den vollen Ladezustand (SoC) der Batterie abnehmen. Überprüfen Sie außerdem die Erdung zwischen dem Gehäuse der Ladestation und der Erde (Widerstand < 0,5 Ohm gemäß IEEE Std 142).

  7. Testen Sie die Ladeverriegelungen und Sicherheitsfunktionen: Prüfen Sie gegebenenfalls die Verriegelungen (z. B. Näherungssensoren, die die Bewegung des AGV während des Ladevorgangs verhindern) und die Sicherheitsfunktionen (z. B. Überstromschutz, thermische Abschaltung) der Ladestation. Simulieren Sie, sofern gefahrlos möglich, einen Überstromzustand oder prüfen Sie die Protokolle auf Fehlercodes. Diese Systeme sind entscheidend, um unbeabsichtigte AGV-Bewegungen oder thermische Ereignisse während des Ladevorgangs zu verhindern.

6. Checkliste zur Überprüfung nach der Wartung

Nach Abschluss der Wartungsarbeiten sollten diese Prüfungen durchgeführt werden, um die ordnungsgemäße Funktion und Sicherheit zu gewährleisten.

Prüfen Erwartetes Ergebnis Tatsächlich Bestanden/Nicht bestanden
Manuelle Radrotation Alle ausgetauschten Räder drehen sich frei und ohne zu klemmen, übermäßige Geräusche zu verursachen oder merkliches Spiel zu haben.
AGV/AMR-Pfadverfolgung Das Fahrzeug folgt den programmierten Routen präzise, ohne Abweichung von der Mittellinie, mit sanften Kurven.
Sensor-Hinderniserkennung Das Fahrzeug erkennt Testhindernisse (z. B. ein Objekt mit 50 mm Durchmesser in 2 m Entfernung) und reagiert angemessen darauf, wodurch ein sicherer Stopp eingeleitet wird.
Batterieladezustand (SoC) Der Akku zeigt nach einem vollständigen Ladezyklus einen Ladezustand von 100 % an; Spannungsstabilität bestätigt.
Funktionalität des Ladesystems AGV/AMR dockt erfolgreich an die Ladestation an und startet einen Ladezyklus; die Ladeanzeigen bestätigen den normalen Betrieb.
Not-Aus-Funktion Alle Not-Aus-Taster funktionieren einwandfrei und stoppen die Fahrzeugbewegung sofort.
Überprüfung des Systemfehlerprotokolls Nach der Wartung wurden in den Systemprotokollen des AGV/AMR keine neuen kritischen Fehler oder Warnungen aufgezeichnet.

7. Leitfaden zur Fehlerbehebung

Dieser Abschnitt beschreibt häufige Symptome, wahrscheinliche Ursachen und Abhilfemaßnahmen bei Betriebsstörungen von AGVs/AMRs im Zusammenhang mit Rädern, Sensoren, Batterien und Ladesystemen.

Symptom Wahrscheinliche Ursache Korrekturmaßnahme
AGV/AMR weicht vom Kurs ab oder fährt unbeständig.
  • Radverschleiß/-beschädigung oder ungleiche Traktion.
  • Fehlausrichtung oder Blockierung des Sensors.
  • Unebener Boden (weniger wahrscheinlich bei plötzlichem Beginn).
  • Prüfen und ersetzen Sie abgenutzte Räder (Abschnitt 5.1).
  • Navigationssensoren neu kalibrieren (Abschnitt 5.2).
  • Überprüfen Sie die Fahrgestellausrichtung mithilfe eines Laser-Ausrichtungsgeräts.
Häufige oder fälschliche Hinderniserkennungen.
  • Verschmutzte oder zerkratzte Sensorlinsen.
  • Fehlausrichtung des Sensors oder Kalibrierungsdrift.
  • Umwelteinflüsse (z. B. reflektierende Oberflächen, Staub).
  • Reinigen Sie die Sensorlinsen mit vergälltem Alkohol und einem fusselfreien Tuch.
  • Führen Sie die Sensorkalibrierung durch (Abschnitt 5.2).
  • Untersuchen Sie die Umgebungsfaktoren; installieren Sie gegebenenfalls physische Barrieren oder passen Sie die Sensorparameter an.
Verkürzte Betriebszeit oder schneller Batterieverbrauch.
  • Verminderte Batteriekapazität.
  • Schlechte Batteriezellenbalance.
  • Erhöhte Reibung durch verschlissene Räder oder Lager.
  • Parasitärer Stromverbrauch der Fahrzeugelektronik.
  • Führen Sie den Batteriekonditionierungszyklus durch (Abschnitt 5.3).
  • Führen Sie einen Batteriediagnosetest durch, um den Zustand zu beurteilen; tauschen Sie den Akku aus, wenn er stark abgenutzt ist.
  • Prüfen Sie Räder/Lager auf übermäßige Reibung.
  • Elektrische Systeme auf unerwartete Stromstärken überprüfen.
AGV/AMR lädt nicht oder nur langsam.
  • Korrodierte oder beschädigte Ladekontakte.
  • Defektes Netzteil oder Ausgangsmodul der Ladestation.
  • BMS-Fehler verhindert Ladeannahme.
  • Nicht ordnungsgemäß angedocktes AGV/AMR.
  • Ladekontakte prüfen und reinigen; dielektrisches Fett auftragen (Abschnitt 5.4).
  • Überprüfen Sie die Eingangs-/Ausgangsspannungen der Ladestation (Abschnitt 5.4); tauschen Sie defekte Komponenten aus.
  • Prüfen Sie die AGV/AMR-Diagnoseprotokolle auf BMS-Fehler.
  • Überprüfen Sie die Andockgenauigkeit von AGV/AMR; kalibrieren Sie gegebenenfalls neu.
Zeitweise unterbrochene Kommunikation mit dem Flottenmanagementsystem.
  • Lose oder beschädigte Kommunikationsantennen/-kabel.
  • Netzwerkstörungen oder Konfigurationsprobleme.
  • Defektes Bordkommunikationsmodul.
  • Überprüfen Sie Antenne und Verkabelung auf Unversehrtheit.
  • Ziehen Sie das IT-/Netzwerkteam zurate, um den Zustand des Netzwerks zu diagnostizieren.
  • Wenden Sie sich für die Diagnose oder den Austausch des Kommunikationsmoduls an den Originalhersteller.

8. Empfohlener Wartungsplan

Dieser Zeitplan dient als allgemeine Richtlinie. Passen Sie die Frequenzen entsprechend den Empfehlungen des Originalherstellers, der Betriebsintensität, den Umgebungsbedingungen und der Zuverlässigkeitsanalyse (z. B. MTBF-Daten) an.

Aufgabe Frequenz Geschätzte Dauer Fähigkeitsniveau
Visuelle Gesamtprüfung & Entfernung von Ablagerungen Wöchentlich / 40 Betriebsstunden 0,25 Stunden Techniker I
Prüfung des Radverschleißes und des Lagerspiels Monatlich / 160 Betriebsstunden 0,5 Stunden Techniker II
Reinigung und Sichtprüfung der Sensorlinse Monatlich / 160 Betriebsstunden 0,25 Stunden Techniker I
Reinigung und Prüfung der Ladekontakte Monatlich / 160 Betriebsstunden 0,25 Stunden Techniker II
Sensorkalibrierung (Feinabstimmung) Vierteljährlich / 500 Betriebsstunden 1,0 Stunden Spezialist
Radwechsel (proaktiv) Halbjährlich / 1000 Betriebsstunden (oder nach Bedarf) 1,5 Stunden pro Rad Techniker II
Batteriekonditionierungszyklus Halbjährlich / 1000 Zyklen 4,0 Stunden Spezialist
Elektrische Überprüfung des Ladesystems Jährlich / 2000 Betriebsstunden 1,5 Stunden Qualifizierter Elektriker
Vollständige Systemdiagnose und Firmware-Update Jährlich / 2000 Betriebsstunden 2,0 Stunden Spezialist

9. Ersatzteilliste

Die Vorhaltung eines ausreichenden Lagers an kritischen Ersatzteilen ist unerlässlich, um Ausfallzeiten von AGVs/AMRs zu minimieren. Im E-Katalog von UNITEC finden Sie zertifizierte Komponenten, die den ANSI-, ASME- und CE-Normen entsprechen.

Teilebeschreibung Typische Spezifikation UNITEC-Kategorie
AGV-Antriebsradbaugruppe Polyurethan (90A Shore-Härte), 200x50mm, abgedichtete Lager (IP65) Robotik – Räder & Antriebe
AGV Lenkrolle Nylon/Polypropylen, 100 x 30 mm, Drehgelenk mit Bremse Robotik – Räder & Antriebe
LiDAR-Sicherheitssensormodul 360°-Sichtfeld, 25 m Reichweite, IEC 61496 Typ 3, ISO 13849-1 PLd Robotik – Sensoren & Sicherheit
Ultraschall-Näherungssensor Schutzart IP67, Erfassungsbereich 0,1–2,0 m, M18-Gewinde Robotik – Sensoren & Sicherheit
LiFePO4-Akkupack 48 V, 50 Ah, integriertes Batteriemanagementsystem (BMS), UL 1642-zertifiziert Robotik – Stromversorgung & Batterien
Kontaktblock der Ladestation Federbelastet, vergoldet, 200 A Dauerstrom, Schutzart IP54 Robotik – Ladesysteme
Not-Aus-Taster Druck-/Zug-Auslöser, NC-Kontakte, IP67, UL 508-gelistet Robotik – Steuerung und Sicherheit
Motor-Encoder (inkrementell) 1024 PPR, Quadraturausgang, IP65 Robotik – Antriebe & Motoren

Eine umfassende Auswahl an originalen und gleichwertigen AGV/AMR-Komponenten, die auf Langlebigkeit und Leistung ausgelegt sind, finden Sie im UNITEC-E-Katalog unter UNITEC-D E-Catalog .

10. Literaturverzeichnis

  • ANSI/ITSDF B56.5-2019: Sicherheitsnorm für fahrerlose Industriefahrzeuge.
  • OSHA 29 CFR 1910.147: Die Kontrolle gefährlicher Energien (Sperren/Kennzeichnen).
  • NFPA 70E-2024: Standard für elektrische Sicherheit am Arbeitsplatz.
  • ASME B107.300-2010: Drehmomentmessgeräte (Messung und Steuerung von).
  • IEC 60900: Arbeiten unter Spannung – Handwerkzeuge für Spannungen bis 1 000 V AC und 1 500 V DC.
  • IEEE Std 142-2007: IEEE Recommended Practice for Grounding of Industrial and Commercial Power Systems (Green Book).
  • ISO 13849-1:2023: Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsrelevante Teile von Steuerungssystemen – Teil 1: Allgemeine Gestaltungsgrundsätze.
  • Original Equipment Manufacturer (OEM)-spezifische Wartungshandbücher (z. B. KUKA, MiR, AutoGuide, Fetch Robotics, Geek+).

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